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Am 21. Dezember 1995, acht Jahre nach der Fertigstellung des ersten Teilstücks, ist auch Lüneburg an die Autobahn angeschlossen. Auf dem Foto vorn sind (v.l.) Lüneburgs Landrat Wolfgang Schurreit, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Staatssekretär Manfred Cassens, Staatssekretär Dr. Alfred Tacke und CDU-Bundestagsabgeordneter Kurt-Dieter Grill. Foto: lz/be

Gemischte Feier: A 39 feiert 30. Geburtstag

Lüneburg. Ein Ständchen will Dirk Möller heute Morgen zwar nicht anstimmen, über den Geburtstag der A 39 freut sich der Leiter der Lüneburger Geschäftsstelle de r Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dennoch: „Es ist gut, dass wir sie haben.“ 30 Jahre ist es heute auf den Tag genau her, dass das erste Teilstück der damals noch A 250 genannten Autobahn in Betrieb genommen wurde. Zwar dauerte es dann noch einmal acht Jahre, bis die Autobahn auch Lüneburg erreichte, doch auch hier sind die Stimmen zum Jubiläum überwiegend positiv.

Wichtige Anbindung an die Metropolregion Hamburg

„Lüneburg würde heute anders aussehen, wenn wir die A 39 nicht hätten“, ist Jürgen Enkelmann überzeugt. In der Autobahn sieht der Chef der Wirtschaftsförderung Lüneburg (WLG) eine wichtige Anbindung an die Metropolregion Hamburg, die ihre Wirkung bereits mit der Fertigstellung des ersten Abschnitts zwischen Maschen und Winsen-West vor 30 Jahren zeigte: „Damals hatten wir noch die Zonenrandförderung, der Autobahnabschnitt aber reichte, um die ersten Unternehmen in unsere Region zu locken.“

Knapp zehn Kilometer ist der jetzt 30 Jahre alte erste Abschnitt lang, vier Jahre später, am 27. November 1991, wurde das zweite, gut 5 Kilometer lange Teilstück zwischen Winsen-West und Winsen-Ost fertig. Der Bau des dritten und vorerst letzten Teilstücks von Winsen-Ost bis Lüneburg-Nord wurde bereits im Juli 1990 in Angriff genommen, am 21. Dezember 1995 wurde das 15 Kilometer lange Teilstück dem Verkehr übergeben. Kosten insgesamt: 284 Millionen Mark.

„Lüneburg würde heute anders aussehen, wenn wir die A 39 nicht hätten.“
Jürgen Enkelmann, Wirtschaftsförderung Lüneburg

Die Kehrseite der Medaille

Nicht nur die Wirtschaft, auch viele Orte entlang der damaligen Bundesstraße 4 profitierten vom Bau der Autobahn. Denn Kilometerlange Staus, verstopfte Ausweichstraßen, steigende Unfallzahlen sowie Lärm, Gestank und gesundheitliche Gefahren durch zunehmenden Schadstoffausstoß belasteten zuvor Anwohner wie Autofahrer gleichermaßen. Entsprechend groß war die Begeisterung bei der feierlichen Eröffnung des letzten Abschnitts, an der rund 30 000 Autobahnbegeisterte und -neugierige teilgenommen haben sollen.

Doch es gab auch „Verlierer“ des Großprojekts, neben Grundstückseigentümern, die weichen mussten, „vor allem die Umwelt“, wie Bernhard Stielcke vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärt. „Hier wurde eine Straße gebaut, die unsinnig ist und nicht nötig war“, ist Stielcke überzeugt. Durch die Trasse seien Wildbewegungen unterbunden worden, „Wildbrücken, wie wir sie gefordert hatten, wurden abgelehnt“.

Auch vermutet er, dass die Wasserprobleme im Quellbereich der Roddau und am Kranich-Moor auf die Autobahn zurückzuführen seien. Zu den Entlastungen in den Ortsdurchfahrten sagt er: „Das hätte man auch mit kleineren Lösungen hinbekommen.“ Die geplante Fortsetzung der A 39 bis nach Wolfsburg „ist mit uns daher nicht zu machen“.

Region Lüneburg ist längst in die Mitte Europas gerückt

„Das fertige Autobahnteilstück verbessert die Infrastruktur unserer Region nachhaltig“, wagte Lüneburgs damalige Regierungspräsidentin Ulrike Wolff-Gebhardt bei der Fertigstellung des dritten Teilstücks nach Lüneburg damals den Blick in die Zukunft. Zugleich forderte sie auch damals schon, dass dafür noch weitere Teilstücke folgen müssten.

Dem schließt sich Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge auch heute noch unumschränkt an: „Die A 39 ist überfällig. Sie ist für mich eine logische Konsequenz der Deutschen Einheit und der Erweiterung der EU: Die Region Lüneburg ist längst in die Mitte Europas gerückt. Was noch fehlt, ist die Infrastruktur.“ Die A 39 stelle die wichtige Verbindung der Räume Hamburg/Lüneburg mit Braunschweig/Wolfsburg/Salzgitter und darüber hinaus nach Mitteldeutschland ins Wirtschaftszentrum Leipzig/Dresden dar. „Wir brauchen die A 39 auch für unsere Gewerbegebiete im Osten Lüneburgs, deren wirtschaftliche Entwicklung dadurch beeinträchtigt wurde, dass es mit der A 39 nicht weiterging.“

Von Ulf Stüwe