Donnerstag , 20. September 2018
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Hannah (v.l.), Jascha und Tom können sich eine Welt ohne Bücher nicht vorstellen, die Geschwister lesen viel zu gern. Sie waren jetzt auch bei der Eröffnung der Kinder- und Jugendbuchwoche im Glockenhaus dabei. Foto: t&w
Hannah (v.l.), Jascha und Tom können sich eine Welt ohne Bücher nicht vorstellen, die Geschwister lesen viel zu gern. Sie waren jetzt auch bei der Eröffnung der Kinder- und Jugendbuchwoche im Glockenhaus dabei. Foto: t&w

Abtauchen in eine andere Welt

Lüneburg. Bürgermeister Eduard Kolle spricht, ein Chor singt, Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu spricht, der Chor singt erneut. Die rund 100 Gäste lauschen Wor t- wie auch Musikbeiträgen aufmerksam, doch da ist einer, der von all dem nichts mitbekommt: Jascha (7) sitzt vertieft in ein Buch in der hintersten Ecke des Saals. Er merkt gar nicht, dass geklatscht wird, dass seine Schwester Hannah gemeinsam mit ihren Mitschülern ein Lied nach dem anderen anstimmt. Der Zweitklässler, der die Grundschule Im Roten Felde besucht, ist in einer anderen Welt. Er ist mit Justus, Peter und Bob auf Räuberjagd.

Für Jascha hätte die 39. Kinder- und Jugendbuchwoche, die am Donnerstag im Glockenhaus eröffnet wurde, kein besseres Motto haben können. „Mission Nervenkitzel“ trifft genau seinen Geschmack. Deshalb hat er bei der Ausstellung, die die Buchhandlung Lünebuch jedes Jahr im Erdgeschoss organisiert und die nun täglich von 9 bis 18 Uhr zugänglich ist, auch gleich zu den Abenteuern der „Drei Fragezeichen“ gegriffen. „Ich lese gern spannende Geschichten und alles, worauf ich Bock habe.“

Die Begeisterung fürs Lesen scheint in der Familie zu liegen, auch sein vierjähriger Bruder Tom wuselt durch die Reihen, greift hier und da immer wieder nach einem Buch mit besonders vielen Bildern. Und auch Hannah (9) ist eine echte Leseratte. „Zurzeit bin ich beim vierten Harry-Potter-Band. Den ersten hat meine Tante mir mal zu Weihnachten geschenkt, ich war sofort fasziniert“, erzählt sie. Ein Leben ohne Bücher kann sich die Viertklässlerin nicht vorstellen. „Wenn ich lese, werde ich in eine andere Welt gezogen. Dann vergesse ich alles.“

Ähnlich geht es auch Bürgermeister Eduard Kolle. „Es ist doch komisch, dass man beim Lesen immer genau dann gestört wird, wenn man an der spannendsten Stelle ist, oder?“ Die vielen Kinder, die es sich auf Stühlen und den Schößen ihrer Eltern gemütlich gemacht haben, nicken. „Das Gute ist: Das Buch wartet, es läuft nicht einfach weiter. Bis man Zeit hat, weiterzulesen, ist die Spannung nur noch gestiegen.“ Freude und Interesse am Lesen zu wecken, sei auch ein Ziel der Kinder- und Jugendbuchwoche. Eine solche Einrichtung hält Kolle vor allem im Zeitalter der Neuen Medien für besonders wichtig. „Bücher machen einen klüger und kompetenter, sie fördern Kreativität und Fantasie, und sie verbessern auch die Schulleistungen.“

Winnetou, Old Shatterhand und Robin Hood

Darauf hofft auch Alina-Mia, die Neunjährige liebt Pferdegeschichten. Es reicht ihr aber längst nicht mehr, nur durch Bücher mehr über das Reiten zu erfahren. Sie möchte auch so mal auf dem Rücken eines Pferdes sitzen. „Das darf ich aber nur, wenn ich eine Zwei in Deutsch schreibe.“ Und die Viertklässlerin weiß, dass das Lesen dabei nur helfen kann.

In die Kindheit von Hans-Jürgen Felgentreu gehörten andere Helden: Er ist mit Winnetou, Old Shatterhand und Robin Hood groß geworden. „Und sicher hat auch Sherlock Holmes dazu beigetragen, dass ich Polizist geworden bin.“ Was für eine Begeisterung Bücher wecken können, sieht der Leiter der Polizeiinspektion, wenn er im Schneidersitz mit seinem 15 Monate alten Enkel auf dem Boden sitzt. „Ich halte dann ein kleines Buch mit einem Loch in den Händen. Wenn man seinen Finger hineinsteckt, kommt auf der anderen Seite ein kleiner Frosch aus grünem Stoff heraus. Wenn ich daraus vorlese, bewegt sich eine ganze Welt auf meinem Schoß.“

Von Anna Paarmann