Donnerstag , 20. September 2018
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Unterstützung Tombola beim Heimspiel der SVG Die Volleyballer veranstalten am 16. Dezember, wenn um 20 Uhr in der Gellersenhalle das Spiel gegen Königs Wusterhausen ansteht, einen „Fundskerle Day“. Der Förderkreis darf dann eine Tombola ausrichten, entsprechende Preise hat Claudia Bitti bereits eingesammelt. Die Einnahmen sollen zu 100 Prozent dem Projekt in der PKL zugutekommen.

PKL soll Bewegungsparcours bekommen

Lüneburg. Dass man den Volleyball tatsächlich auch mit dem Fuß annehmen darf, wollte Fabian nicht so recht glauben. Er protestierte und wies die fünf Profis der SVG Lüneburg darauf hin, dass sie ihre Hände zum Pritschen und Baggern benutzen müssten. Die Grundtechniken hatte ihm Bundesligaspieler Matthias Pompe zuvor beigebracht. In dem jungen Mann schlummerte ganz offensichtlich ein Talent, mit Feuereifer transportierte er den blau- und gelbfarbenen Ball immer wieder über das Netz. Dabei wurde Fabian von anderen Patienten der Psychiatrischen Klinik lautstark angefeuert.

Mit der SVG konnten die „Fundskerle“, der Förderkreis der Gesundheitsholding Lüneburg, bei ihrem neuen Projekt einen Partner gewinnen. 39 000 Euro müssen zusammenkommen, damit auf dem Gelände Am Wienebütteler Weg ein Bewegungsparcours entstehen kann. Das Angebot im Freien ist für Frühjahr 2019 geplant, so zumindest das Ziel. Auf einer Wiese direkt hinter dem Hauptgebäude sollen Menschen mit psychischen Erkrankungen, Besucher und Mitarbeiter rund um die Uhr eigenständig trainieren können.

Claudia Bitti von den „Fundskerlen“ sagt: „Wir haben zunächst mit fünf Geräten geplant, beispielsweise mit einem Crosstrainer, einer Art Rudergerät und einer Vorrichtung, die zur Rotation dient.“ Diese seien dazu da, die Mobilität zu fördern, zudem sollen sie an die eigene Geschwindigkeit anpassbar sein. „Menschen mit Depressionen oder psychischen Erkrankungen ziehen sich oftmals zurück, isolieren sich von der Außenwelt. Mit dieser Therapieform möchten wir erreichen, dass sie in Bewegung und in Kontakt mit anderen kommen.“

Dass dabei vor allem auch der Spaß im Vordergrund stehen muss, betont SVG-Chef Andreas Bahlburg, der das Volleyball-Event mit den Profis in der Turnhalle der Psychiatrischen Klinik mitorganisiert hat. Einen Nachmittag lang standen neben einfachen Ballwechseln in Zweiergruppen auch Aufschläge und ein Fünf-gegen-Fünf-Duell auf dem Programm. „Der Kontakt mit dem Sport und mit den Bundesligaspielern soll hier im Vordergrund stehen. Wir wollen keine Profis entwickeln, sondern den Patienten etwas Abwechslung bieten.“

Ein solches Angebot bringt etwas Normalität in den Alltag der Menschen, die vorübergehend oder längerfristig in der Einrichtung leben. Physiotherapeut Dominic Schwalbe betreut gemeinsam mit anderen das Sport- und Bewegungsangebot, er weiß, dass der Sport eine Möglichkeit ist, jemanden aus dem Krankheitsbild herauszuholen. Und dabei soll auch der geplante Parcours helfen: „Er kann als Bindeglied zwischen der Klinik als geschlossenem System und der Außenwelt fungieren.“ Die Geräte hat Schwalbe mit ausgesucht und darauf geachtet, dass diese sowohl für einen 18- als auch für einen 80-Jährigen benutzbar sind. „Wir hoffen, dass der Schritt nach draußen, also die Bewegung an der frischen Luft, für viele ein zusätzlicher Anreiz ist.“
Mit Karsten Gräber, der die Rotationsscheiben an einem Demo-Gerät schon austesten durfte, haben die „Fundskerle“ bereits ihren ersten Fan.

Der Patient hat gleich gelernt, dass er so seine Oberarm- und Schultermuskulatur trainieren kann. „Ich komme aus der Leichtathletik, habe früher auch Tennis gespielt und fahre immer noch gern Rad“, erzählt der Patient, der sich selbst als „Naturmensch“ bezeichnet. „Bestimmt werden auch ältere Damen mit Rollator den Bewegungsparcours nutzen.“

Von Anna Paarmann