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Im Kreis Cuxhaven schließen Anruf-Sammel-Taxen und Kleinbusse auch tagsüber die Angebotslücken im Linienbusverkehr. Foto: nh

Kommt ein Pilotversuch für den Rufbus ?

Lüneburg. In Zukunft könnten Kleinbusse auf Abruf zwischen den Dörfern pendeln und Fahrgäste zu zentralen Haltestellen der Hauptbuslinien bringen. Einzelne Busl inien könnten so durch ein flexibles Angebot ersetzt werden. So lautet ein Vorschlag des Beraterbüros „PTV Transport Consult“, das der Landkreis Lüneburg beauftragt hat, ein Zukunftskonzept für die Mobilität in Stadt und Landkreis Lüneburg zu entwerfen.

Weitere Vorschläge reichen von der Ausweitung der Bus-Fahrtzeiten am Sonntag, einer Trennung von Stadt- und Regionalbuslinien bis hin zur Optimierung des Radverkehrsnetzes. Die ersten Zwischenergebnisse der Studie, die sich der Landkreis mindestens 130 000 Euro kosten lässt, stellten die Berater jetzt im Forum der Berufsbildenden Schulen I in Lüneburg vor.

Christian Reuter von PTV und sein Kollege Christian Klasen von der IFOK GmbH stellten aus ihrer Sicht die wesentlichen Bausteine für das „Integrierte Mobilitätskonzept“ (IMK) vor. Laut Klasen müsse es eine grundsätzliche Trennung von Stadt- und Regionalbus-Angeboten geben. Der Stadtbusverkehr diene der Erschließung des Stadtgebietes sowie der Umlandgemeinden „mit enger struktureller Verflechtung“. Dabei sollten auch die Gemeinden Deutsch und Wendisch Evern hinzugezählt werden.

Zudem plädierten die Berater, die Betriebszeiten insbesondere in den Abendstunden, bis 22 Uhr werktags sowie am Sonntagvormittag auszuweiten. Ähnlich beim Regionalbusverkehr, der neben der Schülerbeförderung vor allem die Zentren im Landkreis über Achsenlinien mit der Stadt verbinden solle und zur Entlastung des Platzes Am Sande vor allem den ZOB anfahren solle. Als dritte Säule des Busverkehres schlägt PTV vor, zur „Flächenerschließung der Gemeinden in den Achsenzwischenräumen“ das Ruf-Bus-Angebot mit Kleinbussen einzurichten.

Überschlägig stellte Reuter die Mehrkosten vor, die im Vergleich zum Ist-Zustand eintreten könnten, wenn die Angebotsverbesserungen der Stadt- und Regionalbuslinien umgesetzt würden bis hin zu den Abschreibungskosten der Kleinbusse für das Rufbus-Angebot. Reuter: „Die Mehrkosten könnten von 1,6 Millionen bis 2,5 Millionen Euro pro Jahr betragen.“ Und obwohl Landrat Manfred Nahrstedt eingangs noch selbst betont hatte, dass es die Mobilität der Zukunft „nicht zum Nulltarif“ gäbe, zeigte er sich verwundert über die Rechnung. Er verwies auf Erfahrungen des Landkreises Ludwigslust-Parchim, wo die Umstellung nicht zu solchen Kostensteigerungen geführt habe. Reuter hingegen verwies auf den Kreis Cuxhaven, wo genau das der Fall sei. Mit Blick auf Lüneburg sagte Reuter: „Wir müssen uns klar darüber sein, dass wir hier über eine deutliche Erweiterung des Angebots sprechen.“

Ob und in welcher Form die Vorschläge in das endgültige Konzept einfließen werden, darüber soll in einer Abschlussveranstaltung am 4. Dezember informiert werden. Bei der vorbereitenden Diskussion im BBS-Forum zeichnete sich allerdings zumindest die Tendenz ab, einen Pilotversuch für das Rufbus-Angebot starten zu wollen. Gleichwohl zeigte sich auch Günter Dubber (CDU) über die bescheidene Beteiligung der Lüneburger Kreistagsabgeordneten enttäuscht. In der Spitze waren 19 Abgeordnete dabei, die in der Mehrzahl auch schon an den begleitenden Arbeitsgruppen mitgewirkt hatten. Dubber: „Ich habe Sorge, dass wir uns bei der Abschlussveranstaltung jede dumme Frage noch einmal anhören müssen.“

Von Dennis Thomas

Hintergrund: Das Integrierte Mobilitätskonzept

Ab Ende 2019 wird der Landkreis neue Verträge mit den Verkehrsunternehmen schließen, das seit Herbst 2016 in Arbeit befindliche „Integrierte Mobilitätskonzept“ (IMK) soll zunächst eine wichtige Grundlage für den sogenannten Nahverkehrsplan bilden, der die Vorgaben für die Ausgestaltung des Öffentlichen Personennahverkehrs festlegt.

Doch das IMK soll in den nächsten Schritten auch Entwicklungsmöglichkeiten für den Radverkehr und den Schienenpersonennahverkehr aufzeigen. Erste Ideen für eine Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs beinhalten die systematische Ergänzung von Bushaltestellen beispielsweise um Fahrradständer und Ladestationen für E-Bikes.