Donnerstag , 20. September 2018
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Prof. Dr. Wolfgang Reinbold (l.) von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover mit dem Lüneburger Organisationsteam: Kristin Piper, sie koordiniert die Unesco-Arbeit der Schule, Ingrid Brammer, Fachleiterin Religion, und Diakon Hergen Ohrdes. Foto: lt/t&w

Gesichter der Religionen

Lüneburg. 20 Männer und Frauen, 20 verschiedene Religionen. Sie geben Einblick in ihr Leben, in ihre Kultur und ihren Glauben. „“ lautet der Titel einer interaktiven Wanderausstellung, die zurzeit in der Aula der Christianischule zu finden ist. Darin erhalten die Jesiden ein Gesicht, ebenso der Islam, der Hinduismus, der Buddhismus, das Judentum und viele mehr. Es sind Menschen, die erzählen, wer sie sind, woher sie kommen und wie sie leben.

Max Pronin ist einer von 17 Schülern, der andere durch die Ausstellung führen darf. Er gehört zum Unesco-Team der Schule, hat sich im Wahlpflichtkurs intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Religion hat in dem Leben des 17-Jährigen einen großen Stellenwert, er interessiert sich für den Buddhismus. „Man sollte keine Vorurteile haben. Solche Ausstellungen helfen dabei, andere Religionen und Kulturen besser zu verstehen. Das schafft Verständnis“, sagt der Zehntklässler.

Genau dazu dient die Präsentation, die neben großflächigen Plakaten mit den jeweiligen Porträts auch zusätzliche Informationen über die Glaubensrichtungen enthält. Sie tourt zurzeit durch Deutschland, Lüneburg ist die 16. Station. Gestartet ist die Wanderausstellung im Januar 2016 in Wolfsburg. Bei der Eröffnung in der Christianischule war Prof. Dr. Wolfgang Reinbold dabei, der Beauftragte für Kirche und Islam der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover hat die Schau mitorganisiert.

Vor etlichen Zuhörern, unter anderem Bürgermeister Eduard Kolle und Superintendentin Christine Schmid, machte er deutlich, dass Niedersachsen nicht immer so multikulturell war wie heute. „Was glaubt ihr, wie viele nicht-christliche Menschen gab es auf einem Gymnasium in den 70er-Jahren?“ Die Frage ließ er einen Augenblick lang im Raum stehen, um dann selbst zu antworten: „Gar keinen.“ Damals sei schon ein christlich-orthodoxer Glauben ungewöhnlich gewesen. „Ich erinnere mich noch gut an die Formulare in den Meldeämtern, es gab drei Kategorien: evangelisch, katholisch und verschiedene.“ Erst im Jahr 2004 hätte man diese aufgelöst.

Reinbold lobte die Ausrichtung der Christianischule, eine Schule, an der 242 der insgesamt 500 Jugendlichen zu Hause kein Deutsch sprechen. „Die Lage hat sich geändert, das zeigt Ihre Schule, und das macht auch die Ausstellung sichtbar.“ Die Porträts seien dazu da, die heutige Vielfalt in Niedersachsen aufzuzeigen, aber auch auf die Geschichte hinzuweisen. „Es gibt hier noch immer Schulen, vor allem im Osnabrücker Raum, die über zwei Eingänge verfügen – einen für Protestanten, einen für Katholiken“, sagte er. Auch seien auf manchen Schulhöfen noch Linien zu finden. „Ich weiß, das klingt ungeheuerlich. Aber das war Niedersachsen.“

Patrice Kunte, ein Porträtfotograf aus Hannover, hat die Menschen, die in der Ausstellung porträtiert werden, begleitet. Er war bei ihnen zu Hause, durfte beim Gebet dabei sein, ihre Geschichte erfahren. Da ist beispielsweise Cemalettin Karatas, er kam in den 90ern nach Deutschland. Er wird so zitiert: „Da gab es schon türkische Mitschüler, das machte es etwas leichter. Trotzdem war es eine ganz schlimme Zeit.“ In der Türkei besuchte Karatas die fünfte Klasse, in Deutschland musste er zurück in die dritte. „Das war furchtbar. Einmal bin ich vor lauter Kummer weggelaufen.“ Heute ist der 35-Jährige in einer Schule in Salzgitter tätig, er ist der einzige alevitische Lehrer in ganz Niedersachsen.

▶ Mehr Informationen zu den Geschichten der Personen gibt es unter www.gesichter-der-religionen.de im Internet.

Von Anna Paarmann

Anmeldungen noch möglich: Ausstellung läuft bis 30. November

Bis Donnerstag, 30. November, haben Interessierte die Möglichkeit, die Ausstellung in der Aula der Christianischule zu besuchen. Sie ist mittwochs und donnerstags von 15.30 Uhr bis 18 Uhr, freitags von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

Vormittags können Schulklassen vorbeischauen, sie werden dann von Schülern aus der Unesco-Projektarbeit durch die Aula geführt. Lehrkräfte können ihre Klassen per E-Mail anmelden: Kristin.Piper@schule.lueneburg.de. Am Mittwoch, 29. November, wird die Stadtteilrunde Kreideberg/Ochtmissen um 18 Uhr in der Aula tagen und an einer Führung teilnehmen.