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Thomas Hoth (l.) und Hubert Dlawichowski haben ihre Gödenstorfer Gaststätte „Zum alten Bahnhof“ bereits geschlossen. Foto: lz/phs

Salzhausen: Ladenschließung wegen Straßensanierung

Salzhausen. Thomas Hoth und Hubert Dlawichowski haben ihre Gödenstorfer Gaststätte „Zum alten Bahnhof“ bereits geschlossen. Andrea Küchenmeister wird ihren Schu hladen in Salzhausen im Januar schließen. Schuld an dem plötzlichen Geschäfte-Sterben sind weder fehlende Einnahmen noch zu hohe Kosten.

Als Grund nennen die Gewerbetreibenden die bevorstehende Sanierung der Landesstraße 216 zwischen Salzhausen und Gödens­torf. Noch steht zwar weder fest, wann genau die Bagger anrücken, noch wie lange die Arbeiten dauern. Doch die Kaufleute sind überzeugt: Ihr Geschäft wird die bevorstehende Vollsperrung nicht überleben.

Vollsperrung wird Monate dauern

Von den Planungen für die Sanierung des rund eineinhalb Kilometer langen Straßenabschnittes wissen die Gewerbetreibenden bereits seit Monaten, klar ist auch: Die Vollsperrung wird Monate dauern – und das wird sowohl die Betreiber der Gaststätte als auch die Schuhladen-Besitzerin Kunden kosten. „Um uns darauf einstellen zu können, hätten wir Planungssicherheit gebraucht“, klagen sie. Doch genau daran hapert es.

„Wie soll ich Ware im Voraus einkaufen, wenn ich nicht weiß, wie viele Kunden überhaupt noch kommen.“
Andrea Küchenmeister, Ladenbesitzerin

Wann beginnen die Bauarbeiten? Und wie lange dauern sie? Fragen, die nach wie vor offen, „für meine Planung aber entscheidend sind“, sagt Andrea Küchenmeister, die seit fünf Jahren in ihrem Geschäft an der Schmiedestraße Schuhe verkauft. Sie muss Ware sechs bis neun Monate im Voraus einkaufen, „wenn ich nicht weiß, wie viele Kunden dann überhaupt noch in meinen Laden kommen, unmöglich“. Wegen der Vollsperrung rechnet sie mit bis zu 30 Prozent Umsatzeinbußen, „die kann ich nicht ebenso mal auffangen, darauf hätte ich mich schon beim Wareneinkauf vor Monaten vorbereiten müssen“.

Andrea Küchenmeister muss ihren Schuhladen wegen der Sanierung der Ortsdurchfahrt Gödenstorf schließen. Foto: lz/plu

Langer Entscheidungsprozess

Die Ladenbesitzerin ärgert sich über den „unglaublich langen Entscheidungsprozess“, darüber, dass „wir so lange in der Luft gehalten werden“. Denn noch immer ist das vor Baubeginn notwendige Planfeststellungsverfahren der Landesbaubehörde in Lüneburg sowie des Landkreises Harburg nicht abgeschlossen – das wird es voraussichtlich auch erst Ende des Jahres sein.
Ähnlich geht es den Betreibern der Gödenstorfer Kultgaststätte, Thomas Hoth und Hubert Dlawichowski. „Wir planen unser Programm zwei Jahre im Voraus und müssen rechtzeitig die Künstler engagieren.“

Acht Jahre lang standen auf ihrer Bühne regelmäßig bekannte Kabarett- und Comedykünstler. Doch das finanzielle Risiko sei einfach zu hoch, zumal sie fürchten, dass der gastronomische Außerhaus-Betrieb im Zuge der Vollsperrung vollends zum Erliegen kommt. „Deswegen haben wir geschlossen. Das bricht uns sonst die Beine“, sagt Thomas Hoth.
Vorwürfe machen die Gewerbetreibenden vor allem der Samtgemeinde, sie fühlen sich von der Verwaltung im Stich gelassen. Ihr Eindruck: Sie seien „nicht wichtig genug“, die Politik habe „kein Interesse an ihrem Schicksal“.

Sündenbock gesucht

Zwar hatten alle Gewerbetreibenden die Möglichkeit, ihre Einwände der Gemeinde vorzubringen, was rund 75 von ihnen auch getan hatten, dennoch sieht Hoth eine Informations-Bringschuld bei der Gemeinde, denn „wieso sollten alle Gewerbetreibenden ständig bei der Landesbaubehörde nachfragen?“ Und auch Andrea Küchenmeister klagt: „Wir kriegen einfach keine Infos. Es zieht sich und zieht sich. Diese Unsicherheit für uns ist unerträglich.“

Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause hingegen will sich den Sündenbock spielen. „Wir haben uns immer eingesetzt, beraten und informiert – so weit es ging. Denn wir können auch nur das weitergeben, was Stand des Verfahrens ist. Wir sind schließlich nicht Herr des Verfahrens.“ Zuständig sei der Landkreis Harburg und die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Überrascht ist Krause zudem über die radikale Entscheidung der Gödenstorfer, ihre Gaststätte gleich ganz zu schließen. Die Betreiber hätten sich auf keiner der Info-Veranstaltungen kritisch geäußert.

Hoffnungen auf eine Ampel

Auch die stellvertretende Leiterin der Straßenbaubehörde, Annette Padberg, weist die Kritik von sich, nicht genug informiert zu haben. „Wir haben im Januar eine Info-Veranstaltung für die Gewerbetreibenden durchgeführt. Im April fand der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren statt. Seitdem warten wir auf den Beschluss.“
Zwar habe sie Verständnis dafür, dass Gewerbetreibende planen müssten, sagt aber: „ Wir arbeiten in Teilabschnitten, damit die Anlieger jederzeit zu den Grundstücken gelangen können.“ Es werde zwar „ganz klar Einschränkungen geben“, aber eine andere bauliche Regelung sei nicht möglich, so Padberg.

Andrea Küchenmeister hatte zumindest auf eine Ampellösung gehofft. „So hätte man wenigstens einseitig fahren können und ich hätte meinen Laden nicht schließen müssen,“ sagt sie. Das aber sei aufgrund der schmalen Straße nicht möglich. „Es fehlt der Platz für die Geräte und der Abstand zu den Arbeitern ist zu gering. Außerdem würde eine Teilsperrung noch länger dauern“, erklärt Wolfgang Krause. Ein berechtigter Aspekt in Küchenmeisters Augen, dennoch sagt sie: „Wir Gewerbetreibenden bleiben auf der Strecke“.

Auch Thomas Hoth und Hubert Dlawichowski sind sich sicher: „Es wird kompliziert werden, zu uns zu kommen. Man schneidet hier ein ganzes Dorf von der Außenwelt ab.“ Für die Gödenstorfer Gaststätte und den Salzhäuser Schuhladen ist es jetzt zu spät. Thomas Hoth hat bereits einen neuen Job, auch Andrea Küchenmeister wird eine neue Stelle antreten.

Von Patricia Luft

Zum Vorhaben Baustart im Frühsommer

Grund für die geplante Sanierung der Ortsdurchfahrt Gödenstorf ist, „dass im Untergrund das gesamte Rohrleitungssystem sanierungsbedürftig ist“, erklärt Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause.

In diesem Zuge soll die gesamte Entwässerung einschließlich des Kanals im Untergrund erneuert werden, dafür unter anderem zusätzliche Regenrückhaltebecken gebaut und vorab Flächen angekauft werden. Auch Gehwege und Gossen sollen neu gemacht werden. Geplant ist eine Wanderbaustelle in drei bis vier Abschnitten. Noch ist unklar, wann die Bauarbeiten beginnen und wie lange sie dauern. „Solange die derzeitigen Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt Garstedt noch nicht abgeschlossen sind, können die Bauarbeiten an der Gödenstorfer Ortsdurchfahrt nicht beginnen.

Wir rechnen mit der Fertigstellung der Baumaßnahme in Garstedt im März/April 2018. Eine detaillierte Zeitplanung kann erst erfolgen, wenn das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist. „Das wird voraussichtlich zum Jahresende der Fall sein. Wir gehen nach heutigen Erkenntnissen davon aus, dass es im Mai/Juni losgehen könnte“, sagt Krause. Eine Umleitung ist dann ab Salzhausen über die K 4 und K 5 nach Egestorf, und von dort über die L 212 nach Garlstorf geplant. Dauern könnte die Baumaßnahme bis zu 14 Monate.