Donnerstag , 22. November 2018
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Mit neuen Angeboten wollen die Familien-Bildungsstätte und MaDonna junge Familien unterstützen (v.l.): Fabs-Chef Matthias Skorning mit Mitarbeiterin Frauke Hahnemann und MaDonna-Chefin Kerstina Peck mit Mitarbeiterin Jasmin Bostelmann. Mit den RealCareBabys bereiten sich Jugendliche auf ihre Elternrollen vor. Foto: lz/be

Zeit für Kinder: Ehrenamtsprojekt erhält neuen Namen

Lüneburg. Das Baby ist da, die Freude ist riesig – und nichts geht mehr. Gut, wenn Familie, Freunde oder Nachbarn helfen, den Baby-Stress zu bewältigen. Viele E ltern erleben die erste Zeit mit einem Baby wie auf einem fremden Planeten. Weit und breit ist keine Hilfe in Sicht – die eigene Familie lebt nicht gerade „um die Ecke“, die Nachbarschaft ist noch unbekannt oder die Elternzeit des Vaters hat noch nicht begonnen. Eltern brauchen gerade in dieser ersten herausfordernden Zeit mit dem Baby Unterstützung und Entlastung, damit aus der großen Freude über das Baby kein Stress wird.

Ehrenamtliche als helfende Engel

Das war vor genau zehn Jahren der Ansatz für die Realisierung des „wellcome“-Projekts in Lüneburg. In der Stadt selbst vermittelt die Familien-Bildungsstätte (Fabs) Ehrenamtliche quasi als helfende Engel in Familien, für den Landkreis ist es MaDonna. Zum Jahreswechsel aber ist Schluss, doch Fabs-Leiter Matthias Skorning beruhigt: „Das Baby erhält einen neuen Namen“. Die Unterstützung junger Familien wird intensiviert.

Ehrenamtliche werden auch künftig den Müttern zu kleinen Pausen und Auszeiten im Alltag verhelfen, in denen sie wieder Kraft schöpfen oder wichtige Termine wahrnehmen können. Vom 1. Januar 2018 dann in dem Projekt „Zeit für Kinder“, das von der Fabs für Stadt und Landkreis koordiniert und betreut wird. Hier ist Frauke Hahnemann die Koordinatorin: „Bei ,wellcome‘ waren Familien angesprochen, in denen das Letztgeborene höchstens ein Jahr alt ist. Es hat sich allerdings gezeigt, dass in vielen Familien erst in dem Alter die Schwierigkeiten anfangen. Zum Beispiel bei Zwillingsgeburten. Bei ,Zeit für Kinder‘ geht es nun um Kinder im Alter von bis zu drei Jahren, wobei dies allerdings keine starre Grenze ist.“

Unterstützung im Alltag junger Familien

Das Projekt ist offen für alle Familien, eine ehrenamtliche Mitarbeiterin kommt in der Woche für zwei bis drei Stunden in die jeweilige Familie. Frauke Hahnemann sagt: „Sie wacht beispielsweise über den Schlaf des Babys, während die Mutter sich erholt. Sie bringt ein Kind zum Kindergarten. Sie begleitet die Zwillingsmutter zum Kinderarzt. Oder sie unterstützt ganz praktisch und hört zu.“ Hahnemann macht aber klar: „Das ist kein Babysitter-Service. Und unsere Ehrenamtlichen sind keine Haushaltshilfen. Es ist lediglich eine zusätzliche Unterstützung.“ Die Familien zahlen einmalig zehn Euro für die Vermittlung, die anschließende Betreuung kostet bis zu fünf Euro pro Stunde: „Eine Ermäßigung ist möglich, denn am Geld soll es nicht scheitern.“

Die Helferinnen engagieren sich ehrenamtlich, erhalten die Fahrtkosten erstattet, sind unfall- und haftpflichtversichert und können an kostenlosen Fortbildungen teilnehmen. Frauke Hahnemann: „Der Einsatz läuft zunächst über drei Monate, dann kann entschieden werden, ob‘s weiter laufen soll. Und jede Helferin kann nach jeder Familie eine Pause einlegen.“ Einige der Helferinnen würden das Projekt allerdings schon über Jahre begleiten: „Und neue Ehrenamtliche sind immer willkommen.“

Aus dem Wellcome-Projekt wird Zeit für Kinder

Das bisherige „wellcome“-Projekt wurde laut Frauke Hahnemann von durchschnittlich 25 Familien pro Jahr in der Stadt und laut Jasmin Bostelmann von MaDonna von elf Familien im Kreis in Anspruch genommen. „Wellcome“ wurde zur Hälfte über das Landesprojekt „Familie mit Zukunft“ finanziert und von Stadt und Kreis Lüneburg unterstützt. Laut Fabs-Leiter Matthias Skorning laufen die Anträge für das Projekt „Zeit für Kinder“ für 2018.

MaDonna will nun laut Leiterin Kerstina Peck die Aktivitäten im Hinblick auf die Frühen Hilfen verstärken, hat dazu unter anderem das vom Land Niedersachsen geförderte Programm „Gute Aussichten“ aufgelegt. Das ist ein Kooperationsprojekt mit dem Koordinierungszentrum Kinderschutz – kommunales Netzwerk Frühe Hilfen. Geholfen wird minderjährigen und jungen werdenden Müttern und Vätern.

Ihnen werden unter anderem folgende Fragen beantwortet: Wer unterstützt mich? Was brauche ich für mein Kind? Wie sieht ein Kreißsaal aus und was geschieht dort? Und mit sogenannten RealCareBabys, die realistisch den Tagesablauf echter Säuglinge simulieren, erfahren sie, ob sie den Alltag meistern können. Die Puppe muss gefüttert und gewickelt werden, aufstoßen, im Arm gewiegt und ihre Kleidung muss gewechselt werden.

Beim Stillen oder Fläschchenfüttern gibt sie Schluckgeräusche von sich und gluckst zufrieden, wenn es gut versorgt wurde. Es reagiert mit Schreien auf grobe Behandlung, falsche Lage sowie falsche oder fehlende Versorgung.

Von Rainer Schubert

Hintergrund: Ansprechpartner

Interessierte Familien und Ehrenamtliche für das Projekt „Zeit für Kinder“, aus Hansestadt und Landkreis, können sich telefonisch unter (04131) 44211 an Frauke Hahnemann bei der Fabs wenden. Fragen zum Projekt „Gute Aussichten“ beantwortet Jasmin Bostelmann bei MaDonna.

Sie ist unter (04131) 35535 zu erreichen.