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Einige der glücklichen Kinder bei einem Treffen mit ihren Wunschgroßeltern und Paten im Geschwister-Scholl-Haus. Ein erfolgreiches Projekt, dem aber noch etliche Ehrenamtlich fehlen – denn 40 weitere Familien auf einer Warteliste hätten auch gerne Wunschgroßeltern. (Foto: nh)

Glücklich mit der Wunschoma

Lüneburg. „Durch unsere Wunschoma lernen unsere Kinder, verschiedene Dinge aus ganz anderen Perspektiven zu sehen. Sie unternimmt besonders kulturell viel mit unseren Töchtern, aber auch die Unterstützung bei Hausaufgaben ist für uns sehr wertvoll“, freuen sich Silke und Matthias Weber über das Engagement ihrer Wunschoma Inga Quitt: „Darüber hinaus unterstützt sie uns in unserem Alltag, nimmt uns viele organisatorische Dinge ab, fährt die Kinder beispielsweise zum Training, und sie bietet uns immer wieder ihre Hilfe an.“ Die Webers sind eine von 20 Familien in der Hansestadt Lüneburg, die an dem Projekt Wunschgroßeltern/Wunschpaten teilnehmen. Und 40 Familien stehen auf der Warteliste, dafür sucht der Caritasverband nun weitere Ehrenamtliche, die die Funktion von Großeltern oder Paten übernehmen.

Das Wunschgroßeltern-Projekt gibt es bereits seit zehn Jahren in Lüneburg, wurde inzwischen um das Wunschpaten-Projekt erweitert. Initiiert hatte dies der Caritasverband unter anderem vor dem Hintergrund, dass es in Familien, in denen etwa beide Elternteile arbeiten, keine richtigen Ansprechpartner für die Kinder gibt – weil die richtigen Großeltern beispielsweise weit von Lüneburg entfernt leben. So wie bei den Webers, Silke Weber sagt: „Wir wohnen seit 13 Jahren in Lüneburg. Unsere Eltern wohnen 200 Kilometer entfernt. Unser Ansatz für die Teilnahme an dem Projekt war der Kontakt unserer Kinder mit der Großeltern-Generation.“

Keine Angst vor Überforderung

Claudia Kuchler, Leiterin des Geschwister-Scholl-Hauses am Bockelsberg, bringt Familien mit Kindern und älteren Menschen zusammen. „Dabei geht es nicht um einen Babysitterersatz, die Senioren sind auch keine Tageseltern. Ziel ist es, sich gegenseitig Zeit zu schenken und Kontakte zwischen den Generationen zu fördern“, sagt sie. Kuchler weiß auch, dass viele Senioren zunächst zurückhaltend sind, dahinter vermutet sie Angst vor Überforderung: „Dabei gibt es keinen Grund zur Sorge: Die Wunschgroßeltern bestimmen, wann sie wie viel Zeit mit den Kindern verbringen wollen.“

Vermittelt werden die Paten in Familien in Stadt und Landkreis Lüneburg, die Kinder im Alter von einem bis zu 15 Jahren haben. Claudia Kuchler: „Ziel ist eine gegenseitige, längerfristig tragende Beziehung zu einer Familie, von der beide Seiten profitieren können.“ Wunschgroßmutter Rita Schapdick, die seit Beginn an dabei ist, formuliert ihren „Gewinn“ so: „Es ist faszinierend, die individuelle Entwicklung unserer vier Wunsch­enkel in den zehn Jahren zu beobachten.“ Für die Eltern der Wunschkinder, Karin und Horst Schlieper, sind Rita Schapdick und ihr Mann Joachim längst zu „guten Freunden“ geworden. Zu ihrer Motivation, beim Projekt einzusteigen, sagen die Schapdicks: „Unsere eigene Enkeltochter lebt in den USA. Wir wünschen uns Enkel vor Ort.“

Natalia Bock und ihre Familie haben nur positive Erfahrungen mit ihrer Wunschoma gemacht: „Wir – vor allem unsere Kinder – haben nun einen Menschen, den unsere Kinder lieben und respektieren und auf den sie sich – und wir als Eltern – verlassen können. Die Kinder freuen sich auf unsere Wunschoma, fahren mit ihr Rad, spielen, lesen, gehen spazieren, basteln und gehen sogar ins Kino und Salü. Sie besprechen mit ihr viele Sachen und das bereichert, denke ich, sowohl die Kinder als auch die Wunsch­oma.“ Und Initiatorin Claudia Kuchler hofft, dass sich nun noch mehr Wunschgroßeltern und -paten finden lassen, um noch mehr Familien glücklich machen zu können.

Info-Treffen für Interessierte

„Was sind Wunschpaten/Wunschgroßeltern?“ Unter dem Titel stellt der Caritasverband am Donnerstag, 23. November, von 15.30 Uhr an im Geschwister-Scholl-Haus, Carl-von-Ossietzky-Straße 9, das Projekt vor. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es gibt in Lüneburg und im Landkreis viele Familien mit Kindern im Alter von ein bis 15 Jahren, die sich über den Kontakt zu Wunschpaten freuen würden.

Wer sich lieber zu einem Einzelgespräch mit einem der beiden Berater ­– Bärbel Piepho und Hagen Albrecht – verabreden oder sich als Wunschpaten-Interessent aufnehmen lassen möchte, verabredet telefonisch unter (04131) 777777 oder per Mail an infomehrgenerationenhaus@caritas-lueneburg.de einen Termin für einen Donnerstagnachmittag. Übrigens sucht auch das Beraterteam selbst Verstärkung.

Von Rainer Schubert