Dienstag , 18. September 2018
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Landrat Manfred Nahrstedt (l.) und Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat die Fahrt im E-Bus gefallen. Das freut die KVG-Geschäftsführer (hinten) Michael Fastert (l.) und Jan Behrendt. Foto: lz/t&w

Lüneburg testet E-Busse

Lüneburg. Wer in den kommenden Tagen auf die Buslinie 5001 wartet, sollte nicht vorschnell an seinen Sinnen zweifeln. Denn Aussehen, Geräuschpegel und Abgaswert e von zwei der dort eingesetzten Busse entsprechen nicht der herkömmlichen Ausstrahlung der hier fahrenden Busse. Der Grund: Die KVG wird ab der kommenden Woche zwei Elektro-Busse einsetzen, die sie im regulären Linienbetrieb testen will. Gestern wurden die Zukunfts-Fahrzeuge vorgestellt.

Noch ist die Technik nicht so weit

„Wir wollen frühzeitig erste Erfahrungen mit dieser neuen Technik sammeln. Um ein realistisches Bild zu erhalten, sollen die Fahrzeuge bewusst im Tagesgeschäft eingesetzt werden“, erklärte KVG-Geschäftsführer Jan Behrendt bei einer Probefahrt durch die Innenstadt. Denn obwohl die Elektro-Busse problemlos im Lüneburger Stadtverkehr mithielten – Anfahrt und Beschleunigung waren durchaus beeindruckend –, sind einem Dauereinsatz offenbar noch Grenzen gesetzt. „Wir müssen beispielsweise prüfen, ob die Reichweiten ausreichen“, sagte Behrendt.

Je nach Bustyp und Batteriekapazität können bis zu 400 Kilometer gefahren werden, dann müssten die E-Fahrzeuge wieder an die Ladestation. „Das ist das nächste Problem“, erläutert KVG-Mitgeschäftsführer Michael Fastert. Denn derzeit reiche die Stromversorgung am Betriebshof an der Dahlenburger Landstraße nur für eine einzige Ladestation. Auch Einrichtungen für Wartung und Reparatur müssten angepasst werden, „schließlich sind die Batterien auf dem Dach untergebracht“.

Auf leisen Sohlen

Für den Testbetrieb werden zwei Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller eingesetzt, die von der KVG auch nur für diesen Zweck ausgeliehen wurden: ein Bus des türkischen Herstellers Sileo, der andere von der polnischen Firma Solaris, „daher auch die ausländischen Kennzeichen“, erklärte KVG-Marketingchef Oliver Blau. Beide Fahrzeuge sind niederflurige Gelenkbusse mit vollständig elektrischem Antrieb. Die Fahrzeuge sollen bevorzugt auf der Linie 5001 zwischen Bahnhof/ZOB und Universität eingesetzt werden. Die Testphase ist auf vierzehn Tage begrenzt.
Stadt und Kreis wollen E-Busse spätestens 2030

Doch wann das Stader Busunternehmen Elektro-Busse auch tatsächlich dauerhaft einsetzen wird, ließ das Unternehmen gestern noch offen: „Das hängt nicht allein von uns ab“, sagte Jan Behrendt. Bei dem 400 Fahrzeuge umfassenden KVG-Fuhrpark ginge das ohnehin nur Schritt für Schritt, „der Finanzbedarf ist enorm“. Ein weiteres Problem: Selbst wenn Finanzierung und Infrastruktur geklärt seien, müssten auch ausreichend Busse zur Verfügung stehen. „Aber auch das ist derzeit noch nicht erkennbar, die Technik ist noch nicht so weit.“

Klarere Vorstellungen, wann es mit den E-Bussen in Stadt und Kreis losgehen soll, haben dagegen Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt. „Unsere Vorstellung ist, dass bis 2030 die Hälfte der eingesetzten Fahrzeuge Elektro-Busse sind und Diesel-Busse dann gar nicht mehr fahren“, sagte Mädge. Voraussetzung dafür aber sei, dass baldmöglichst auch private Busunternehmen wie die KVG Fördermittel von Bund und Land bekämen, „denn auch für die Unternehmen muss der Einstieg in die Elektromobilität wirtschaftlich bleiben“. Er setze daher darauf, dass die neue Landesregierung von SPD und CDU die in ihrem Koalitionsvertrag festgelegte Förderung privater Busunternehmen auch zügig umsetzt.

Von Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. E-Busse werden von der Politik und den Medien immer als ganz große Lösung dargestellt. Aber wie ist denn wirklich die gesamte Umweltbilanz so eines Busses: Schwere Akkus, Herstellung, Stromverbrauch, Recycling der Batterien, Lebensdauer etc. Angeblich soll selbst bei einem modernen Tesla-PKW die Ökobilanz schlechter sein, als bei einem konventionellen Fahrzeug. Bei Bussen gibt es derzeit nur mehr oder weniger funktionierende Prototypen mit immens hohen Betriebskosten. Wer bezahlt das denn alles?

  2. Ich verstehe nicht, warum denn niemand wasserstoffbetriebene Busse in Erwägnung zieht.