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Die Visualisierung zeigt die Umgestaltung der Salzstraße mit Hochboard zur Ilmenauseite sowie einer Radlerfurt auf beiden Seiten mit abgesägten Steinen.

Radlerfurt aus geschnittenem Stein

Lüneburg. Die Salzstraße Am Wasser ist eine Buckelpiste. Radfahrer kritisieren das seit längerem. Viele nutzen die Straße, um den Verkehr auf der Bardowicker St raße zu umgehen. Außerdem liegt sie an der Route des Fernwanderradwegs. Die Stadt will sie nun im kommenden Jahr umgestalten, und zwar in einem Zuge mit einem Teilabschnitt der Baumstraße. Die Planungen stellte Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, im Bauausschuss vor.

Denkmalschutz und andere Bedingungen

Die Umgestaltung sei nicht nur eine Herausforderung, weil die Salzstraße Am Wasser unter Denkmalschutz steht, sondern es gebe auch einige Randbedingungen bei den Planungen zu berücksichtigen, machte Uta Hesebeck deutlich. Auf der Gebäudeseite, wo der Gehweg bereits saniert ist, parken Autos. Auf der gegenüberliegenden Seite haben Lokale ihre Außengastronomie. Dort stehende Bäume sollen möglichst erhalten bleiben.

Im Teilbereich Baumstraße zwischen Im Wendischen Dorfe und Salzstraße muss der Kanal erneuert werden. Dort sollen das vorhandene Material der Straße danach wieder verlegt werden, der Gehweg mit neuen Klinkern versehen werden. Für die Salzstraße schlägt die Stadt zwei Varianten vor. Zum einen könnte eine neben dem bereits neu gestalteten Gehweg sogenannte höhengleiche Straße entstehen mit einem Parkstreifen zur Seite der Gebäude.

Das vorhandene Pflaster soll wieder verlegt werden, in beiden Richtungen jedoch Radfahrerfurten mit geschnittenen Steinen entstehen. Gleiches gilt für die zweite Variante, die aber einen Hochboard hin zur Ilmenauseite bekäme. Der dortige Boulevardbereich für die Außengastronomie soll zudem attraktiver gestaltet werden.

Gute Lösung für Radfahrer

Beide Entwürfe wurden inzwischen den Anwohnern vorgestellt. Anfang 2018, so Uta Hesebeck, wolle man in die Ausschreibung gehen, für Mitte 2018 ist der Baubeginn geplant. Die Kosten für die Baumstraße belaufen sich voraussichtlich auf 240 000 Euro (ohne Kanalerneuerung), für die Salzstraße Am Wasser sind es 480 000 Euro.

Aus Radlersicht eine gute Lösung, meinte Ulrich Löb (Grüne). Er wollte jedoch wissen, wie es mit einer Umgestaltung der Holperpiste in Höhe der Regierungsvertretung aussehe, die zum Treidelweg führt. Stadtbaurätin Heike Gundermann verwies auf das neue Städtebauförderprogramm „Zukunft Stadtgrün“, aus dem in diesem Jahr erstmalig Fördermittel für das Lüneburger Projekt „Grünband Innenstadt“ fließen. Im Rahmen dessen hatte die Stadt jüngst erläutert, dass in den kommenden Jahren auch die Wegstrecke entlang der Regierungsvertretung umgestaltet werden könnte (LZ berichtete).

Als sehr gute Lösung bezeichnete der Bauausschuss-Vorsitzende Niels Webersinn den geschnittenen Granit für die Radlerfurt, diese kann er sich auch zum Beispiel für die Heiligengeiststraße vorstellen. Christian Burgdorff, beratendes Mitglied des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, zeigte sich im Sinne des Denkmalschutz „einigermaßen zufrieden“. Allerdings erinnerte er auch daran, dass vor Jahren, als die Straße am Am Berge mit geschnittenem Granit ausgestattet werden sollte, man davon aufgrund der hohen Kosten Abstand genommen hatte. Ein „Kompliment“ gab es von Heiko Meyer (SPD) für die Verwaltung, die weder Kosten noch Mühen scheue, um die Straße so zu gestalten, dass sie unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werde.

Von Antje Schäfer

2 Kommentare

  1. Warum zwingt man Radfahrer in diesem Entwurf wieder an den Rand der Fahrbahn? Auf der „Boulevardseite“ ist erfahrungsgemäß mit Hindernissen zu rechnen: Abgestellte Fahrräder, Kinderwagen, Rollatoren, Gastronomiemöbel. Auf der rechten Fahrbahnseite werden die Radfahrer zu nahe an den parkenden Autos vorbeigeführt. Da es sich sowieso um einen beruhigten Verkehrsbereich handelt, sollte man die Fahrradspur also ruhig in die Mitte der Fahrbahn verlegen, am Besten in den Bereich zwischen den in der Darstellung abgebildeten Fahrspuren.

  2. Die Frau auf dem Bild der neuen Salzstraße fährt ein schönes weißes Hollandrad. Das können wir als mahnendes ‚Ghostbike‘ aufstellen, wenn sie vom unachtsamen Fahrer des abgebildeten Audis mit der Fahrertür vom Rad geholt wird. Solche Dooring-Unfälle werden von den Planenden sehenden Auges in Kauf genommen.
    Mit etwas Mut zum Fahrrad könnte die Stadt eine Lösung suchen, bei der keine Lebensgefahr durch abgelenkte Autofahrer besteht. Wieso zum Beispiel werden parkende Autos auf ganzer Länge einer denkmalgeschützten (!) Straße einfach hingenommen? Und wieso bekommt der Radweg nur einen Meter Breite? In die Zukunft weist diese Erneuerung nicht – sie ist einfach Bestandsschutz für den Autoverkehr.

    Mit dem weißen Granit beweist die Stadt zumindest ästhetischen Geschmack. Was sie jetzt noch bräuchte, ist der Mut zur Verkehrswende.