Mittwoch , 26. September 2018
Aktuell
Home | Lokales | Igel gefunden – was tun?
Herbstzeit ist Igelzeit: Um sie zu schützen, sollte man Laub am besten liegen lassen – als Winterquartier und Nahrungsquelle. Foto: a/lz/t&w

Igel gefunden – was tun?

Lüneburg. Gabriele Soetbeer hat schon viele schwache und verletzte Igel gesehen. Jahrelang hat sie sich in Ahrenschulter ehrenamtlich um die k leinen Stacheltiere gekümmert, sie in der kalten Jahreszeit aufgenommen und aufgepäppelt. Doch die Erinnerung an den kleinen Igel, den ein Finder am Sonntag bei ihr abgegeben hatte, lässt ihre Stimme noch immer zittern. Augen, Nase und Oberkiefer des Tieres waren abgeschnitten, der Unterkiefer hing nur noch in blutigen Fetzen herunter. „Ein schrecklicher Anblick“ – denn der junge Igel war trotz seiner schwersten Verletzungen noch am Leben. „Ich bin noch immer traurig, entsetzt und wütend“, sagt die 67-Jährige. „Welche Schmerzen dieses Tier gehabt haben muss. Unvorstellbar.“

Igel mit Werkzeug verletzt

Offensichtlich war der kleine Igel, der in einer Tierklinik in Hamburg von seinem Leiden erlöst wurde, durch einen elektrischen Rasentrimmer oder eine Motorsense verletzt worden, nimmt Gabriele Soetbeer an. Für sie derzeit unverständlich. „Wieso muss man jetzt noch seinen Rasen mähen? Eigentlich weiß man doch, dass die Igel jetzt einen Unterschlupf suchen, um Winterschlaf zu machen.“ Die Ahrenschulterin ärgert sich vor allem über die Achtlosigkeit vieler Menschen. Ihr Eindruck: „Viele denken ‚Ist ja bloß ein Igel, da gibt es ja genug von‘. Sie haben einfach keinen Respekt vor den Tieren.“

Auch Thomas Mitschke, der Erste Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Lüneburg, erlebt immer häufiger, dass „viele Menschen kein Bewusstsein mehr für Tiere haben“. Wie Gabriele Soetbeer, wünscht auch er sich ein Umdenken – nicht nur im Bezug auf die Igel. Aber gerade, um die in der jetzigen Jahreszeit zu schützen, rät der Experte, momentan heruntergefallenes Laub liegen zu lassen – als Winterquartier und Nahrungsquelle für Igel, aber auch Insekten.

Haufen zusammenschieben

„Damit der Rasen unter dem Laub nicht vergammelt, kann man die Blätter zu Haufen zusammenschieben und unter Sträuchern verteilen.“ Dabei solle man jedoch vorsichtig mit Rechen und Ähnlichem umgehen, da sich Überwinterer unter der Blätterdecke verstecken könnten.

Besonders verheerend für Igel und Co sind zudem jedes Jahr wieder Laubbläser und -sauger, sagt Thomas Mitschke. Die Tiere werden mit eingesogen und bei automatischen Häckslern zerstückelt. Außerdem werden die lauten Geräte mit einem Verbrennungsmotor betrieben und stoßen somit Abgase aus, die gesundheitsschädlich für Mensch und Tier sind. Laubsauger und -bläser rauben Würmern, Insekten, Igeln und Vögeln die Lebensgrundlage (LZ berichtete).

„Igel haben heutzutage kaum noch eine Überlebenschance in unseren Gärten“, sagt Thomas Mitschke, „weil niemand mehr irgendwo Laub haben will. Wenn man sich mal umsieht – überall aufgeräumte Gärten, wo kein einziges Blatt rumliegen darf.“ Von zehn Igeln komme noch nicht einmal die Hälfte durch den Winter – und schuld daran sei meistens der Mensch, mahnt der Naturschützer. Um darüber zu informieren, was genau zu tun ist, wenn man einen Igel findet, hat der Nabu Lüneburg auf seiner Homepage eine ausführliche Info-Grafik hochgeladen. Diese Übersicht ist im Internet zu finden unter der Adresse www.nabu-lueneburg.de.

Von Patricia Luft

Hintergrund: Erste Maßnahmen
▶ Gegebenenfalls Fliegeneier und Maden entfernen.
▶ Unterbringung: Box mit Zeitung ausgelegt, handwarme Wärmflasche und Handtuchnest anbieten, umgedrehter Karton als Schlafhäuschen.
▶ Nichts füttern, solange das Tier nicht aufgewärmt ist (Bauch muss warm sein), Futter: Katzennassfutter, ungewürztes Rührei, Wasser nicht vergessen.
▶ Keine Milch, Milchprodukte, Obst oder Gemüse füttern.
▶ Igelkundigen Tierarzt und/oder kompetente Igelstation kontaktieren. Kontakt zum Beispiel über Facebook in der Gruppe „Wildtier-Notfälle“.