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Galina Bungert wünscht sich Hilfe für den schwer verletzten Dima. Eine teure Operation kann die Tesperin nicht bezahlen. Das Schicksla des Katers ist kein Einzelfall. (Foto: phs)

Nicht genug Geld für das Haustier

Lüneburg/Tespe. Kater Dima hat ein schweres Los gezogen. Eiter quillt ihm aus der Nase, seit einigen Tagen auch Blut. Manchmal riecht das knochige Geschöpf so stark, dass selbst seine Besitzerin am liebsten einen Meter Abstand halten würde. Vielleicht ist er vom Balkon gefallen. Galina Burgart kann nur mutmaßen, was Dima zugestoßen ist. Fest hingegen steht: Er hat ein Loch im Mundraum und das zu behandeln, das ist teuer – zu teuer für seine neue Familie. „Wir haben gerechnet. Wir schaffen es nicht“, sagt Galina Burgart, sichtlich bestürzt darüber, ihrem Liebling nicht helfen zu können.

Auch das Tierheim ächzt unter Kosten

Kater Dimas missliche Lage ist kein Einzelfall. Viele Haustiere mit kostenintensiven Leiden warten im Tierheim Lüneburg auf einen neuen Besitzer. Geschäftsführerin Frauke Girus-Nowoczyn beklagt in diesem Jahr rund 20 bis 25 Prozent mehr Kosten für die tierärztliche Versorgung ihrer Schützlinge. Und damit nicht genug: 50 Prozent mehr Ausgaben entfallen auch beim Futter, weil die Ernährung kranker Tiere teuer ist.

Doch was tun, wenn die Rettung des Vierbeiners am Kontostand zu scheitern droht? Dr. Uwe Tiedemann, Lüneburger Tierarzt und Präsident der Bundestierärztekammer, rät zum offenen Gespräch mit dem behandelnden Experten. Inzwischen gebe es längst Versicherer, die einen OP-Schutz anbieten, denn operative Eingriffe seien in der Regel die teuersten Maßnahmen. Ein plötzlicher Bandscheiben-Vorfall beim Hund etwa kann laut Tiedemann durchaus mit bis zu 3000 Euro zu Buche schlagen.

Gewissensfrage für den Tierarzt

Hin und wieder werde auch die Einschläferung als letzter Weg aus der Misere vorgeschlagen – vom Besitzer selbst. „Es ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft, dass man nicht weiß, wie man als Tierarzt damit umgehen soll“, erklärt Tiedemann. Denn an ihm bleibe die Entscheidung dann letztlich hängen. Wann darf der Veterinär ein Lebewesen erlösen? Dieser Frage werde man sich im kommenden Jahr unter anderem in der Tierärztekammer Berlin widmen, sagt Tiedemann.

Dima leidet. Nach wochenlanger Behandlung mit Antibiotika verspricht ein Eingriff in einer Fachklinik nun Rettung. Dafür erwartet Galina Burgart eine Rechnung von mehreren tausend Euro. „Das wird teuer, haben die gesagt.“ Dabei haben die Burgarts bereits in Russland über 400 Euro beim Tierarzt gelassen, rund 150 Euro später auch in Deutschland bezahlt. Denn das Paar aus Tespe hatte den abgemagerten Kater während einer Reise in Russland vor einem Baumarkt gefunden.

Verein kann Zuschüsse gewähren

Manchmal lohnt ein Anruf beim Lüneburger Tierschutzverein. Unter Berücksichtigung genauer Kriterien – es muss etwa die Bedürftigkeit nachgewiesen werden – gewährt der Verein in Notfällen einen Zuschuss von maximal 500 Euro. Höchstens 50 Prozent der Kosten werden übernommen, ermöglicht durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. „Das ist für uns quasi ein Nullsummenspiel“, erklärt Jan Pless, Vorsitzender des Tierschutzvereins. Er geht davon aus, dass die kranken Tiere sonst früher oder später im Heim landen: „Über die wahren Abgabegründe können wir ja selbst oft nur mutmaßen.“

Fragt man Frauke Girus-Nowoczyn nach dem Hintergrund der steigenden Tierarztkosten, sagt sie: „Wir haben einfach schwerere Fälle gekriegt.“ Und: „Es wird schwieriger für Menschen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und damit auch ihre Tiere zu versorgen.“ Zudem hätten sich in den vergangenen Jahren die technischen Voraussetzungen in der Veterinärmedizin deutlich verbessert, so Tiedemann. Den meisten Haltern gehe es da wie Galina Burgart: „Wenn man sein Tier sehr lieb hat, wird man darum kämpfen wollen.“

Von Anna Petersen