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Dr. Peter Pez, Verkehrsexperte aus Lüneburg, will den Stadtring als Einbahnstraße. (Foto: A/be/nh)

Wird der Stadtring zur Einbahnstraße?

Lüneburg. Was ist schneller, Auto oder Fahrrad? Wenn man Prof. Dr. Peter Pez fragt, ist die Antwort eindeutig: Letzteres natürlich. Zumindest, wenn man die Zahlen richtig präsentiert. Und darin hat der Radverkehrs-Experte der Leuphana Talent. Das bewies er auch am Dienstagabend wieder. Beim Geographischen Kolloquium der Uni Lüneburg nahm Pez dieses Mal aber nicht nur neue Radler-Routen in den Blick. Er zog auch einen gewagten Vorschlag aus der Tasche: Er will den Stadtring zur Einbahnstraße machen.

„Noch fließt der Verkehr, aber was ist, wenn die Einwohnerzahlen weiter steigen?“, fragte Prof. Pez in den vollbesetzten Hörsaal hinein, um die Antwort gleich mitzuliefern: „Man könnte beispielsweise den Stadtring zur Einbahnstraße machen.“ Der Vorteil aus Sicht des Verkehrsexperten: Der Stadtring wäre einfacher zu strukturieren und dadurch vermutlich flüssiger befahrbar. „Eine Reihe von Richtungs- und Abbiegeverkehren würde es plötzlich nicht mehr geben, so dass auch die Ampeln dazu wegfallen würden“, sagt Pez.

Frei gewordene Spuren für Bus und Fahrrad

Doch damit nicht genug: Auch auf wichtigen Hauptverkehrsstraßen sieht Pez den Verkehr künftig nur noch in eine Richtung fließen: „Auf der Dahlenburger Landstraße beispielsweise stadteinwärts, auf der Bleckeder Landstraße stadtauswärts.“ Dies könne auch für die anderen parallel verlaufenden Strecken gelten wie Soltauer Straße und Uelzener Straße oder Oedemer Weg und Auf der Höhe. „Die dann frei werdenden Spuren könnten für einen schnelleren und komfortableren Bus- und Radverkehr genutzt werden“, schlägt Pez vor.

„Das sind radikale Forderungen, die nicht umsetzbar sind“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge zu den Pezschen Ideen. Schon in den neunziger Jahren habe man im Zuge der Umsetzung des 1990 beschlossenen Verkehrsentwicklungsplans (VEP) ausführlich über diese Einbahnstraßen-Varianten diskutiert, „sie aus gutem Grund aber verworfen“. Schließlich sei Lüneburg für das Umland eine wichtige Einkaufsstadt, „Herr Pez kann nicht wollen, dass die Bäckerstraße geschlossen wird“, sagt Mädge mit Hinweis auf mögliche Einbußen für die hiesigen Händler. Außerdem würde eine solche Einbahnstraßenregelung die Fahrzeiten der Autos nur verlängern und so der Umwelt schaden. Mädge: „Mit mir ist das nicht zu machen!“

Mehr Mut für visionäre Schritte

Dass die Wegelängen zunähmen und Umwege provoziert würden, ist auch Pez bewusst. Doch er wäre nicht Pez, wenn er nicht auch darin noch einen Vorteil fürs Fahrrad erkennen könnte: „Das ist ein Effekt, der sicher zugunsten eines umwelt- und sozialverträglicheren Verkehrssystems ginge“, etwa, indem dann auf einen deutlich besser getakteten ÖPNV umgestiegen „oder besser gleich ganz das Fahrrad genutzt wird“.

Pez wünscht sich aber nicht nur die Rückbesinnung auf das vom Rat 1990 beschlossene VEP-Motto „Fahrrad vor Auto!“, für den Umgang mit den Verkehren der Zukunft sei mehr gefordert: „Wir brauchen mehr Mut zu unkonventionellen, vielleicht sogar visionären Schritten.“

Von Ulf Stüwe

6 Kommentare

  1. „1990 beschlossene VEP FAHRRAD VOR AUTO“ !?! 1990??!!!? Da ist in den letzten 27Jahren ja wenig passiert. LEIDER!!!

  2. Norbert Kasteinecke

    Irgendjemand hat mal gesagt „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

    Warum wird die von mir favorisierte U-Bahn nicht endlich geplant und gebaut?

  3. Gebt den Prof die Emeritierung in die Hand. Das passiert, wenn man einem Theoretiker einen Stift in die Hand drückt.

    So ein Blödsinn!

    Allein die Aorta Lüneburgs (Bockelmannstr./Schiessgrabenstr./Willi-Brandt-Ring) zur Einbahnstrasse zum machen ist vollkommener Schwachsinn.

    Wohin soll der Gegenverkehr umgeleitet werden? Und die Anwohner? Wie sollen die auf ihre Grundstücke kommen? Und was ist mit dem Busverkehr? Etliche Haltestellen können dann nicht mehr angefahren werden.

    Und um nur die Radfahrer zu stärken (die sich eh schon im Lüneburger Verkehr nicht benehmen können) und den ganzen anderen ökologischen Bärks zu unterstützen werden dann immense Nachteile in Kauf genommen (die restliche Bevölkerung wird nicht gefragt, wie so immer).

    Wie gesagt: Schickt solche Leute in den Ruhestand. So früh wie möglich.

  4. Warum können sich eigentlich Autofahrer nie vorstellen, dass es Alternativen zum „Car-First“ geben könnte? Zumindest fände ich es interessant, mal ein genau ausgearbeitetes Konzept zu sehen. Dann kann man beurteilen, ob es Sinn ergibt oder nicht…

  5. Der Stadtring von Neubrandenburg (~ 63000 Einwohner) ist seit Jahrzehnten Einbahnstraße (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Engels-Ring). Scheint also zu klappen, sonst hätte man das längst wieder rückgängig gemacht, oder?

  6. Es sind nur Gedankenspiele, die sowieso bald von ganz anderen Problemen verdrängt werden wenn erstmal die Umgehung ausgebaut worden ist. Ich sage nur „unfallbedingte Vollsperrung der A39“ mit Umleitung des kompletten Verkehrs durch die Stadt. DAS wird noch ein Problem, darüber sollten sich die „Experten“ mal lieber Gedanken machen!