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Der Hohnstorfer Werner Hinsch leitet das Schifffahrtsarchiv in der Elbestadt Lauenburg, um das sich insgesamt 14 Ehrenamtliche kümmern. In dem Archiv lagern Tausende technische Zeichnungen und Fachbücher. (Foto: tja)

In Lauenburg schlummern Schätze der Schifffahrtsgeschichte

Lauenburg. Das Haus an der Elbstraße 141 in Lauenburg ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Fundgrube. Äußerlich ganz unscheinbar, ist es drinnen bei Wissenschaftlern weltweit von allergrößter Bedeutung. Es ist das Schifffahrtsarchiv des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums. Das international anerkannte Archiv beherbergt mittlerweile auf vier Etagen 50 000 technische Zeichnungen aus dem Schiffbau, 15 000 Fachbücher und 5000 bis ins 14. Jahrhundert zurückreichende Archivalien. Immer wieder wird bei großen Forschungsprojekten auf dieses Wissen aus der Sammlung zurückgegriffen.

Hier schlummert ein Schatz, der vielen Lauenburgern scheinbar nahezu unbekannt ist. Das wurde jetzt bei einer Reise von Politikern aller Fraktionen gemeinsam mit Bürgervorsteher Bernd Dittmer und Bürgermeister Andreas Thiede, die durch Archivleiter Werner Hinsch begleitet wurden, nach Danzig deutlich. „Das Archiv bietet einen wissenschaftlichen Hintergrund, der extrem wertvoll ist und den wir bisher gar nicht so richtig auf dem Schirm haben“, erklärte Thiede nach der Rückkehr aus Polen. Die Gespräche während der Reise hätten nicht nur ihm die Augen geöffnet. Thiede: „Unser Archiv ist international dermaßen anerkannt, da müssen wir mal zusehen, wie wir es auf eine andere Ebene stellen, um es besser nutzen zu können.“

„Müssen Bedeutung des Archivs mehr herausstellen“

Vor den Problemen, die man in Lauenburg aktuell mit einer angemessenen personellen Ausstattung des Elbschifffahrtsmuseums hat, sieht der Bürgermeister in einer verstärkten Nutzung des Archivs große Chancen. „Die Bedeutung des Archivs müssen wir mehr herausstellen, die war uns aber auch in unserer Reisegruppe so gar nicht bekannt“, berichtet der Verwaltungschef.

Bereits Mitte der 1970er-Jahre begann der Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums mit der Forschung und Archivierung. 1982 schlossen Wolfgang Jedeck als amtierender Vorsitzender des Vereins und der damalige Bürgermeister Hauke Matthießen eine wichtige Vereinbarung zur Etablierung des Schifffahrtsarchivs – und mieteten erste Räume im Haus an der Elbstraße 141 an. „Heute sind wir von ganz unten bis ganz oben randvoll“, berichtet Hinsch.

Das Sammlungsgebiet beschränkt sich schon längst nicht mehr nur auf die Elbe, es umfasst alle mitteleuropäischen Wasserstraßen. Was in anderen Museen ein umfangreicher Mitarbeiterstab sicherstellt, ruht in Lauenburg auf den Schultern eines ehrenamtlichen Teams um Hinsch. „Weltweit sind wir eines der größten Spezialarchive“, sagt der Leiter der Einrichtung.

Enger Austausch mit anderen Museen

„Gerade im sozialgeschichtlichen Bereich gibt es in der Forschung zur deutschen Binnenschifffahrt einen großen Nachholbedarf, der anhand unserer Unterlagen recherchiert werden kann“, erklärt der Hohnstorfer, der jahrelang auf der Hitzler-Werft gearbeitet hat. Nicht nur alle technischen Zeichnungen der Hitzler-Werft bis 1959, sondern auch Baupläne für Schiffe von der Boizenburger Werft, der Menzer-Werft aus Geesthacht und vielen anderen Schiffbauern sind in Lauenburg archiviert.

Die Ehrenamtlichen von Archiv und Museum pflegen über das Netzwerk „European Network of River-Museums“ einen engen Austausch mit Kollegen vieler anderer Einrichtungen. So auch zum maritimen Museum in Danzig, das die Lauenburger Delegation jetzt besuchte. „Da ist das, was bei uns kommunal geleistet wird, eine nationale Aufgabe, um die sich 100 Mitarbeiter kümmern“, sagt Thiede beeindruckt. „Ich denke, es ist gut, dass jetzt mehr Lauenburger wissen werden, was wir hier haben. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr dafür sensibilisieren können, diesen Schatz zu bewahren“, berichtet Hinsch.

Interessierte willkommen
Das Archiv ist nur zweimal im Monat geöffnet: Jeden ersten Dienstag, von 15 bis 20 Uhr, und jeweils am letzten Sonnabend. Interessierte sind willkommen.

Von Timo Jann