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Die Gasthaus-Brauerei Nolte an der Dahlenburger Landstraße veranstaltet eine Handvoll Konzerte im Jahr, hat den Saal gut schallisoliert, trotzdem beschwert sich ein Anwohner. Foto: lz/ca

Fall "Nolte" landet vor Gericht

Lüneburg. Richter Horst-Dieter Müller wirkt ein wenig ratlos: Worüber er denn entscheiden solle, wenn selbst der Kläger und dessen Anwalt Alexander Blume einräumten, alles sei in den vergangenen Jahren besser geworden, und auch ein Gutachten zu dem Schluss komme, ruhestörender Lärm sei eigentlich nicht festzustellen. Na ja, sagt Blume, „es bleiben nach wie vor Problembereiche, die nicht hinreichend geklärt sind“. Aber es sind andere Schauplätze, nicht der angeblich lärmige Saal, mit dem alles begann.

Stadt Braurechtsvorschriften besser umsetzen

Das Verwaltungsgericht beschäftigt sich mit Brauhaus Nolte an der Dahlenburger Landstraße. Beklagte ist allerdings die Stadt, der Nachbar moniert, sie setze Vorschriften des Baurechts nicht ausreichend um. Die Noltes, deren Familie seit 111 Jahren an dieser Stelle Bier und Korn serviert, haben hinter dem Lokal einen Saal, da wird bei Hochzeiten getanzt, bei der Weihnachtsfeier Grünkohl mit Bregenwurst serviert, und ab und an steht eine Band auf der Bühne und rockt. Nun fühlt sich seit Jahren ein Nachbar gestört, der einen ordentlichen Steinwurf entfernt an der Frauenhoferstraße wohnt: Es sei zu laut. Ins Jahr 2013 reicht seine Klage zurück. Das Gericht hat sich mit der Causa schon einmal beschäftigt und hatte daraufhin ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis in Kurzform: Halten Noltes die Vorgaben, nämlich von 22 Uhr an geschlossene Fenster und Türen, ein, hört man in der Wohnung des Klägers nichts. Vor dessen Fenster sei ab und an lediglich ein Rauschen zu vernehmen. Allerdings: Die Dahlenburger Landstraße mache mehr Radau.
Hans-Walther Nolte, seine Frau Hannelore und Sohn Carsten haben aber nicht nur Fenster und Türen quasi verrammelt, sie haben mehr getan. Die Familie verweist auf eine Lüftungsanlage, Schallschutzfenster. Und eben auf das Gutachten.

Kläger moniert Biergärten und Parkplätze 

Noltes Anwalt, Dr. Ernst Ludwig Nell, ergänzt: „Ich war jetzt bei einem Konzert der Beatles Beat Band. Das war laut, richtig laut – im Saal. Draußen war nichts zu hören.“ Wenn er sich gestört gefühlt hätte, hätte der Anwohner sich doch gemeldet: „Hat er aber nicht.“

Hans-Walther Nolte wundert sich und sagt: „Wir haben 80 Nachbarn drumherum, mit keinem haben wir Ärger. Bis auf einen. Und wir wollen mit allen in Frieden leben.“ Der Kläger, der nicht erschienen ist, hat im Vorfeld schriftlich über seinen Anwalt nun den Biergarten und Parkplätze moniert. Richter Müller sagt: „Als ich um konkrete Vorfälle gebeten habe, ist da so richtig nichts gekommen.“ Anwalt Blume muss sich sichtlich bemühen, kritische Punkte zu benennen. Im Biergarten sei eben nicht um 22 Uhr Schluss, wie vorgegeben, und die Stellplätze werden „bei Veranstaltungen benutzt und das führt zu den typischen Auswirkungen und Geräuschemissionen“.

Viel Lärm um nichts

Nolte schüttelt den Kopf und sagt: „Meinem Sohn gehört ein Haus mit neun Wohnungen, dazu fünf Garagen. Die Mieter bekommen Besuch, die Leute parken da.“ Man könne doch niemandem vorschreiben, wann er nach Hause komme.

Anwalt Blume startet einen letzten Versuch, ob man sich nicht einigen könne, dass noch einmal explizit festgeschrieben werde, dass Fenster und Türen des Saals geschlossen werden müssten. Nolte und Nell winken ab. Warum, wenn alles laufe?

Auch Wolfgang Sorger, Leiter des Rechtsamts der Stadt, sieht keinen Sinn mehr in dem Verfahren: Alle Vorgaben würden eingehalten. Die Klage solle abgewiesen werden. Blume zieht die Klage zurück, allerdings werde man die Biergarten-Problematik im Blick behalten. Richter Müller stellt das Verfahren ein. Am Ende: viel Lärm um nichts.

Ein Nachbar stört der Saalbetrieb bei Nolte. Der Fall landet vor Gericht, auch wenn er nun einräumt: Alles nicht so schlimm

Von Carlo Eggeling