Donnerstag , 20. September 2018
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Strahlende Gesichter bei (v.l.) Laudator Dirk Swinke, Elfi Rosin und Rüdiger Schulz, Vorsitzender des Bürgervereins. (Foto: be)

Elfriede Rosin mit Sülfmeisterring ausgezeichnet

Lüneburg. „Der Sozialverband Deutschland, der ganz praktische Lebenshilfen bietet, war schon immer ein soziales Korrektiv, ein kritischer un d kon­struktiver Mahner.“ Das sagte Dirk Swinke, Landesgeschäftsführer des Sozialverbandes in Niedersachsen, in seiner Laudatio und bezeichnete Elfriede „Elfi“ Rosin als „sozialpolitisches Rückgrat unseres Verbandes“, deren „eingebauter “ den Sozialverband Deutschland (SoVD) schon oft auf so manche politisch wichtige Spur gebracht habe. Die Adendorferin ist Mitglied im SoVD-Bundesvorstand, auf Landesebene aktiv und seit 2006 Leiterin des Kreisverbandes Lüneburg, der 2010 mit dem Kreisverband Lüchow-Dannenberg fusionierte – als Kreisvorsitzende ist sie zuständig für rund 9000 Mitglieder, die durch Ehrenamtliche in 26 Ortsverbänden betreut werden.

Der Bürgerverein Lüneburg hatte Elfi Rosin zur „Bürgerin des Jahres 2017“ erkoren, beim Bürgeressen am Sonnabend in der Kronendiele überreichte ihr der Vorsitzende Rüdiger Schulz den Sülfmeisterring. Die Auszeichnung wurde bereits zum 37. Mal verliehen, Elfi Rosin ist die 18. Dame, 19 Herren wurden geehrt. Sie selbst fühlte sich „sehr dankbar und gerührt“: „Ich versichere Ihnen, dass ich den Sülfmeisterring mit Stolz tragen werde.“

Aktiv im Adendorfer Gemeinderat

Ehrenamtliche Arbeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Geehrten, die im Jugendamt des Landkreises Lüneburg beschäftigt war: „Als junge Mutter zweier Söhne war für mich schon die Mitarbeit in Elternbeiräten im Kindergarten und Schulen selbstverständlich.“ Als ihr jüngerer Sohn Pfadfinder werden wollte, es bei der Christlichen Pfadfinderschaft in Adendorf aber keinen Betreuer für Kinder gab, war sie zur Stelle. Über ihre Jugendamts-Stelle kam sie auch in Kontakt mit der Kreisbildstelle, rief zusammen mit dem Leiter Hans Lenz die Kinderfilmwochen für Grundschulklassen ins Leben. Bei der Landkreisverwaltung war sie Vertrauensfrau der Gewerkschaft und Personalratsmitglied.

Zu ihrem politischen Engagement sagt Elfi Rosin: „Meine Arbeit im Jugendamt führte mich in den 80er-Jahren zu der Erkenntnis, dass im Bereich der Politik in der Familien- und Kinderarbeit manches im Argen lag. Mit der Wahl in den Gemeinderat Adendorf habe ich mich aktiv dieser Themen angenommen. Den Jugend- beziehungsweise Sozialausschuss habe ich dann 20 Jahre in Folge geleitet. Ein erster Erfolg war seinerzeit, dass Kindergartenplätze geschaffen wurden. Als Sofortmaßnahme wurde eine Hausmeisterwohnung beim Kindergarten in einen Gruppenraum umgewandelt und ein zweiter Kindergarten gebaut. Es waren damals gut 80 Adendorfer Mädchen und Jungen ohne Kindergartenplatz, es gab ja noch keinen Rechtsanspruch.“

Kämpferin für die Rechte der ‚kleinen Leute‘

Als der SoVD-Ortsverbandsvorsitzende in Adendorf sein Amt aus Krankheitsgründen nicht mehr ausüben konnte, wurde Elfi Rosin im Frühjahr 2005 gefragt: „Es traf sich gut, dass ich zu dieser Zeit gerade die Freizeitphase der Altersteilzeit antrat. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit lag darin, Mitgliedern zu helfen, den Inhalt von Bescheiden zu erklären und Wege aufzuzeigen, wie sie zu ihrem Recht kommen konnten. Wichtig ist es auch, älteren Menschen zu zeigen, dass sie nicht einsam sein müssen. Gemeinsam mit meinem Ehemann Gerhard und anderen Mitgliedern wurden viele Aktivitäten geplant.“ Und schon im Sommer 2006 wurde sie zudem Vorsitzende des Kreisverbandes. Schnell folgten dann ihre Berufungen in den Landes- und Bundesvorstand.

Elfi Rosin selbst sieht sich als „Kämpferin für die Rechte der eher ,kleinen Leute‘, für einen auskömmlichen Lebensunterhalt im Alter, für Chancengleichheit von Kindern und für Erleichterungen im Leben von Menschen mit Behinderungen“. Für Laudator Dirk Swinke ist sie das „sozialpolitische Rückgrat unseres modernen und professionellen Sozialverbandes“: „Wir verstehen uns als eine Organisation, die gesellschaftspolitische Themen aufgreift, Missstände anprangert und konstruktive Lösungsvorschläge unterbreitet. Wir setzen uns für eine gerechte und solidarische Gesellschaft ein, die soziale Ungleichheiten beseitigen will. Elfi Rosin ist dafür unser Sprachrohr. Im Bund. Im Land. Und hier vor Ort in Lüneburg und drumherum.“
Musikalisch umrahmt wurde das Bürgeressen von der Jazzband „3+1“ mit Leonie, Mathis und Jakob Wroblewski sowie Johann Greve.

Von Rainer Schubert

Die Geschichte des Reichsbundes

Der Bürgervereins-Vorsitzende Rüdiger Schulz ging auf die Geschichte des Sozialverbandes ein, die nach dem Ersten Weltkrieg begann: „Das Töten wurde automatisiert, die Kanonen immer größer. Die Verwundungen übertrafen das bis dahin bekannte Maß bei weitem. Fast drei Millionen deutsche Soldaten kehrten dauerhaft kriegsbeschädigt aus dem Krieg zurück. Häufig waren die Verletzungen derart gravierend, dass an eine Ausübung des bisherigen Berufs nicht mehr zu denken war.“ Die staatliche Unterstützung war äußerst mangelhaft. Auf das Heer der Kriegsbeschädigten war die gesetzliche Fürsorge nicht eingerichtet.

„Nur eines bleibt den Kriegsbeschädigten übrig: Selbsthilfe durch das Mittel des Zusammenschlusses“, schrieb im Dezember 1916 Erich Kuttner, selbst schwer kriegsverletzt, Jurist und Redakteur beim „Vorwärts“. Gemeinsam mit anderen engagierten Bürgern gründete er am 23. Mai 1917 den „Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten“, den Reichsbund, mit dem Ziel, eine gerechte und umfassende Versorgung der Opfer des Ersten Weltkrieges zu erreichen.

Die Erfolgsgeschichte endete mit der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten, sie verboten den Reichsbund 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 29. November 1946, wurde der „Reichsbund der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen“ gegründet. Heute gehe es um die soziale Verantwortung, das lässt sich im Namen ablesen. 1999 erfolgte die Umbenennung in Sozialverband Deutschland. rast