Mittwoch , 26. September 2018
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Zu viele Stiefel, zu wenige Erzieherinnen: In der Kita der Mariengemeinde haben die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt nun Konsequenzen. Der Träger findet keine Erzieherinnen mehr, eine Gruppe muss geschlossen werden. Foto: phs

Lüneburg: Mariengemeinde schließt Kita-Gruppe

Lüneburg. Eltern, die ihre Kinder am Nachmittag in der Kita der Mariengemeinde untergebracht haben, stehen vor einem Problem: Aus Personalnot schließt die katholische Kirche zum Monatswechsel eine der beiden Nachmittagsgruppen. „Das ist schlecht für Familien, in denen Vater und Mutter arbeiten“, sagt eine Mutter. „Ich müsste mein Kind mit ins Büro nehmen.“ Zwar solle es Plätze für „Notfälle“ geben, doch „ich weiß nicht, ob ich einen bekomme“. Dechant Carsten Menges bestätigt die Schwierigkeiten, verweist aber darauf, dass die Kita-Leitung sich bemühe, eine Lösung zu finden: „Ich bin zuversichtlich, dass es gelingt.“

Was die Mariengemeinde beutelt, lässt sich auf den Stellenmarktanzeigen der Landeszeitung, aber auch bundesweit beobachten: Erzieherinnen sind Mangelware. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet gerade, dass bis zum Jahr 2025 zwischen Flensburg und Fürstenfeldbruck bis zu 300 000 Erzieherinnen fehlen könnten. Noch mal 300 000 weitere Kräfte wären nötig, wenn die Kommunen die Qualität der Betreuung verbessern wollten. Quelle der Zahlen sind das Deutsche Jugend­institut und die TU Dortmund.

„Der Markt ist wie leergefegt.“
Carsten Menges, Dechant

In St. Marien erklärt Menges, warum man in die Bredouille geraten ist: „Einige Kolleginnen sind weggezogen und mussten daher die Kita verlassen. Die frei gewordenen Stellen sind leider aktuell trotz intensiver Bemühungen nicht zu besetzen. Unsere Vertretungskräfte arbeiten im roten Bereich. Zwei Bewerberinnen, die zunächst zugesagt und mit denen wir fest gerechnet hatten, haben uns nun eine Absage erteilt. Und der Markt ist wie leergefegt.“ Daher könne man den gesetzlich vorgegebenen Betreuungsschlüssel nicht ein­halten.

Es gebe zwei Gruppen, in denen je 23 Kinder bis 16 Uhr betreut werden, berichtet der Geistliche. Das könne man nur noch in einer Gruppe gewährleisten. Daher habe man die Eltern gebeten, nach anderen Möglichkeiten zu schauen, ihre Töchter und Söhne zumindest für eine überschaubare Zeit anders unterzubringen. Dass Verträge geändert werden sollten, habe damit zu tun, dass Betroffene dann weniger zahlen müssten. Eltern, die sich bei der LZ gemeldet haben, befürchten allerdings, dass sie ihren Nachmittagsanspruch mit einer Unterschrift verlieren könnten.

Menges widerspricht: „Uns war wichtig, damit auch ein Zeichen zu setzen, dass wir so nicht einfach weitermachen können. Zum einen verstoßen wir gegen geltende gesetzliche Vorschriften, zum anderen können wir den Personalmangel nicht unbegrenzt auf dem Rücken unserer Mitarbeiterinnen abladen.“ Eine Hoffnung liegt nun darin, dass die langfristig erkrankten Kolleginnen zurückkehren und eben neue Kräfte in der Gemeinde-Kita anfangen wollen: „Dann reagieren wir.“ Einige Eltern hätten auch Verständnis gezeigt und könnten ihren Nachwuchs anderswo unterbringen.

Am Montag hieß es von Eltern, dass die Kita-Leitung erklärt habe, man könne sich Plätze teilen und den Nachmittagsplatz in Zukunft vollständig erhalten.

Von Carlo Eggeling

3 Kommentare

  1. Nun ja, so läuft das halt, wenn die Politik Plätze für alle verspricht, so einen Bedarf erzeugt und nicht bedenkt, dass auf Grund des geringen Gehalts und der wenig attraktiven Arbeitsbedingungen das ausgebildete Personal fehlt.
    Es handelt sich um einen massiven, politisch verursachten, Planungsfehler, den die Betroffenen nun ausbanden müssen.

    Das Gleiche blüht den Schulen. Da ist zwar die Bezahlung gut, die Arbeitsbedingungen werden durch die teilweise hanebüchenen, politischen Entscheidungen aber immer schlechter und auch dort fehlt massiv Personal.

    • Denkt man diesen Gedanken weiter, müssen demnächst dann Seniorenheime schließen. Die Arbeits- und Verdienstbedingungen in der Pflege sind ja ähnlich prekär wie jene in der Kinderbetreuung.

  2. Ob wohl die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche eine Einstellungsvoraussetzung ist? – Früher war es ohne Mitgliedschaft in einer der christlichen Kirchen schwierig, irgendwo im sozialen Bereich unterzukommen – die katholischen Einrichtungen stellten damals praktisch sogar nur Katholiken ein. Besonders gut ausgebildete Arbeitssuchende aus Ostdeutschland hat dies damals immer wieder getroffen. In unserer doch immer stärker säkularisierten Gesellschaft fällt dies jetzt möglicherweise auf die konfessionell gebundenen Einrichtungen zurück. Da der Staat die Einrichtungen letztlich voll finanziert, sollte er die Einrichtungen selbst übernehmen und dem Einfluss der Kirchen entziehen. Das gilt natürlich nicht nur für christliche Einrichtungen.