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Die Arbeiten am Zentralgebäude sind nicht abgeschlossen, die Endabrechnung liegt noch nicht vor. Fest steht aber schon jetzt dass mindestes 11,5 Millionen Euro in der Finanzierung fehlen. Foto: lz/t&w

Libeskind-Bau: Wer begleicht die Rechnung?

Lüneburg. Die Arbeiten sollten bis Ende September abgeschlossen sein, die Endabrechnung für das Zentralgebäude im Herbst vorliegen. Eingetreten ist nichts von alldem. Die Bauarbeiter sind noch zugange, zu den Kosten äußert sich niemand – die Leuphana nicht und auch das Ministerium nicht. Dass niemand so recht weiß, wie das Loch in der Finanzierung, das mindestens 11,5 Millionen Euro umfasst, gestopft werden soll, wurde jetzt auch bei einem Besuch des neuen Wissenschaftsministers deutlich. Eigentlich war Björn Thümler zur Landeshochschulkonferenz nach Lüneburg gekommen. Für ihn eine gute Gelegenheit, die Präsidenten der 21 Mitgliedshochschulen kennenzulernen.

Björn Thümler zu Gast in Lüneburg

Veranstaltungsort war ein Sitzungsraum im ersten Stock des Libeskind-Baus. Die Pressevertreter wollten natürlich auch erfahren, worüber Niedersachsens Hochschulführerschaft bei dem Treffen so diskutiert. Spannender war jedoch die Frage, wann feststeht, wie viel der Libeskind-Bau nun kostet. Wie berichtet, sind 88,5 Millionen Euro im Wesentlichen durch Zuschüsse des Landes (36 Mio.), den Leuphana-Anteil (27) und durch Geld der EU (14) sowie Stadt und Kreis Lüneburg (7) gesichert. Nur rechnet die Uni am Ende mit Kosten von mehr als 100 Millionen Euro. Woher soll das Geld kommen?

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU).

Darauf antworten musste Thümler – ehemaliger Fraktionschef der CDU-Landtagsfraktion, seit sechs Tagen im Amt. Er hat Gabriele Heinen-Kljajić abgelöst. Bei der Übergabe war natürlich auch das millionenschwere Bauwerk der Leuphana Thema. „Ich habe Hinweise dazu erhalten, mich mit dem alten und neuen Finanzminister unterhalten. Wir sind uns einig, dass mein Ministerium in seiner Finanzstruktur nicht belastet wird“, sagte er.

„Abgestimmter Prozess“ mit dem Wissenschaftsministerium

Bereits im August hatte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur verlauten lassen, dass es Aufgabe der Uni sei, einen Finanzierungsvorschlag vorzulegen. Diese beruft sich weiter darauf, dass noch Rechnungen von am Bau beteiligten Unternehmen ausstünden. „Sobald diese vorliegen, wird die Endabrechnung erstellt.“ Das war die Antwort auf eine LZ-Anfrage von Anfang November.

Zum gleichen Zeitpunkt hieß es von Ministeriumssprecherin Dr. Margit Kautenburger: „Nach Angaben der Universität Lüneburg ist die Abrechnungsphase aufgrund der Komplexität des Gebäudes und der Vielzahl an Einzelgewerken noch nicht abgeschlossen. Die genaue Höhe der Kosten kann erst danach benannt werden.“ Klarheit soll die nächste Nachtragsbauunterlage schaffen, die die Uni dem Ausschuss für Haushalt und Finanzen vorlegen wird. Der wolle sich im zweiten bis dritten Quartal 2018 damit befassen.

Uni-Präsident Sascha Spoun sagte jetzt, dass es einen „abgestimmten Prozess“ mit dem Wissenschaftsministerium gebe, der über den Regierungswechsel hinaus gelte. „CDU, SPD und Grüne tragen die Aussage mit, dass die Baukosten Forschung und Lehre nicht belasten dürfen.“ Mit einer Endabrechnung sei im Laufe des nächsten Jahres zu rechnen, den erneuten Aufschub begründete Spoun mit dem Motto „Gründlichkeit vor Geschwindigkeit“. 2018 wolle man Gespräche mit dem Finanzminister führen. Welche Meinung Reinhold Hilbers vertritt, hat Parteikollege Thümler deutlich gemacht. Zahlen will niemand, bleibt nur der Steuerzahler. Die Aussage stellte gestern einer der anwesenden Journalisten in den Raum. Protest blieb aus.

Von Anna Paarmann

Hintergrund: Landeshochschulkonferenz
Es ist ein Zusammenschluss von 21 Hochschulen, Vorsitzender ist Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Universität Hildesheim. Im Rahmen der Sitzung in Lüneburg sagte er: „Der Koalitionsvertrag ist für uns eine exzellente Grundlage für eine Zusammenarbeit.“

Im Vorwege hätte die LHK mit fünf Eckpunkten Erwartungen an die Landeshochschulpolitik formuliert. „Alle tauchen im Koalitionsvertrag auf.“ Besonders wichtig sei das Kapitel zur Digitalisierung, betonte Wissenschaftsminister Thümler. Eine Milliarde Euro soll in den nächsten Jahren investiert werden. „Ein wichtiges Thema ist auch die Internationalisierung der Hochschulen. Wir müssen vom Westen lernen, wollen wir an die Spitze.“

Künftig soll mehr Geld für die Förderung der Hochschulen bereit stehen. Wie viel sagte der Minister nicht. Er verwies auf den Haushaltsplan des Landes und den Bund. „Der muss sich stärker im wissenschaftlichen Bereich engagieren, Landesmittel gegenfinanzieren.“

39 Kommentare

  1. Den „erneuten Aufschub begründete Spoun mit dem Motto ‚Gründlichkeit vor Geschwindigkeit‘.“

    So ist es von Beginn an. Alle Vierteljahre, wenn neue „Finanzierungsplanungen“ gefragt waren, also eigentlich immer seit dem 8. Mai 2011, eierte das Unipräsidium mit Dr. (HSG) Spoun an der Spitze stets mehrere Mahnungsmonate hinterher. Nur wenn’s ums Lügen und Faktenschaffen ging, waren die Drei von der Baustelle allen anderen jedesmal um Längen voraus und das Motto hieß ‚Geschwindigkeit vor Wahrheit‘.

    • Am Rande des 13.000 Quadratmeter großen Finanzierungslochs unter dem Libeskind-Bau hat sich Björn Thümler (CDU), der vor neun Tagen frisch gekürte niedersächsische Wissenschaftsminister und vollkommen ahnungslose Nachfolger der völlig überforderten Gabriele Heinen-Kljajić, am Montag während der Landeshochschulkonferenz in Lüneburg in die Brust geworfen und aus den Tiefen derselben herausbramabarsiert, eine Gesellschaft, die sich solch herrlich umlogenen Protzmonumente der Großmannssucht nicht mehr in das Silikon-Dekolleté kleinstädtischer Eitelkeiten zu betonieren traue, sei seiner Ansicht nach ganz arm dran, — schob aber unmittelbar hinterdrein, dass die mutmaßlich fehlenden fünfzig Millionen Euro zum Begleichen der eines schönen Tages doch präsentierten Schlussrechnung AUF KEINEN FALL aus dem Budget seines Ressorts genommen werden dürften.

      Zwei Fragen: Lässt sich wirklich jedes beliebige Quantum von Inkompetenz durch pausbackig zur Schau getragenes Selbstbewusstsein übertünchen? Wie lang können Nasen eigentlich wachsen, bis sie einen am Laufen hindern?

      • Klasse Kommentar zur leuphigen Lüneburger Lügenbude. Über unsern neues bauernschlaues Ministerle Björn Thümler musste ich auch laut lachen, als ich seinem einfältigen Gerede im NDR-Video zugehört habe. Generös, als würd er den ganzen Schotter aus seinem privaten Sparschweinchen fingern.

    • Das eigentliche Unglück, das aus solchen schauderhaften Dauerschauspielen folgt, ist, dass jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht, dass es auch anständige Menschen gibt.

  2. Tja, die Rechnung. Spoun wird gewiss nicht dafür gerade stehen. Wer annimmt, „das Loch in der Finanzierung“ werde bloß 11,5 Millionen Euro umfassen, der glaubt auch, dass Holm Keller jemals etwas anderes gewesen ist als ein Theatermann. Mit fünf wird „man“ diese Summe mindestens malnehmen müssen. Und wie schreibt am Schluss Anna Paarmann so schön bitter und wahr? „Zahlen will niemand, bleibt nur der Steuerzahler. Die Aussage stellte gestern einer der anwesenden Journalisten in den Raum. Protest blieb aus.“

    Wenn sich dereinst an der Schaumschlägertwiete die deliberierenden Geister fragen, warum die Demokratie dieser Tage so schwer, ja, „nachhaltig“ unter Druck geriet, wird ihnen dann wohl einfallen, dass auch offiziöse Propagandamärchen, verdrückte Unaufrichtigkeiten und empörendes Heuchlertum, dazu könnten beigetragen haben, wie sie etwa mit dem Lüneburger Libeskind-Bau unauslöschlich verbunden sind?

  3. Die Antwort auf die Überschrift:
    „Wir alle , auch die die diesen Protzklotz in ihrer Stadt niemals haben wollten, geschweige denn überhaupt gefragt wurden!“

    • @ Era
      So ist das nun mal in Ihrer gelobten Demokratie,wenn Ihre favorisierten Politiker der tollen Parteien zu sagen haben.*schmunzel*

      • Ach Andreas,

        Werfen Sie wieder alles in einen Topf und rühren kräftig durch?
        Weil eine Rebe faul ist, ist der ganze Weinstock dahin?
        Machtsucht,Gier,Korruption und Imponiergehabe sind menschlichen Ursprungs und keine politischen Doktrinen irgendwelcher Parteien.
        Glauben Sie wirklich bei Ihren „heiligen“ von der AfD wäre es anders?
        Denken Sie an Nietzsche:“… Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

  4. „CDU, SPD und Grüne tragen die Aussage mit, dass die Baukosten Forschung und Lehre nicht belasten dürfen.“

    Der zweite Halbsatz „…Forschung und Lehre nicht belasten…“ war bislang in nahezu jedem Statement zu hören und lesen. Langsam kommt mir diese Aussage fast wie ein Erpressungsversuch vor bzw. wird sie mehr und mehr zu einer leeren Worthülse.

    • Und das aus dem Mund von Spoun!!! Hat er uns nicht über Jahre mit laufenden Falschbehauptungen das gigantische € 150-Millionengrab beschert? Jetzt macht er Generationen von Studierenden zu Geiseln seiner Prunksucht. Das klingt wie das Gequatsche des missratenen Schwiegersohns, der sich zu Lasten des ohnehin klammen Familienkontos einen Porsche 918 Spyder hat herstellen lassen, aber nun rotzfrech verlangt, dass ihm zum Abstottern der phallisch gleißenden Protzmöhre nicht ein Cent vom Taschengeld weggekürzt werde.

      • … @ Hat er uns nicht über Jahre mit laufenden Falschbehauptungen das gigantische € 150-Millionengrab beschert? ..

        … als ich damals zu Beginn der ersten Planungszeichnungen die Gesamtbaukosten auf 150 Millionen errechnete , einen entsprechenden Leserbrief mit den von mir geschätzten Baukosten dazu in der LZ geschrieben hatte , wurde ich belächelt und es wurde ignoriert. Ein Projektleiter eines Bauprojektes muß ständig und zu jeder Zeit in der Lage sein , seine Baukosten und Auftragslage incl. Finanzierung abzurufen. Aber der Projektleiter wird wohl ein entsprechendes Schweigegebot verordnet bekommen haben.
        Die wirklichen Gesamtbaukosten wird keiner erfahren , der nicht dazu befugt ist.
        Wenn Baufirmen ihre Rechnungen nicht bezahlt bekommen , müßte doch eine Flut von Klagen beim Gericht eingegangen sein. Oder hat man andere böse Fallen gestellt um nicht zahlen zu müssen ?

    • Zur Kostenerhöhung

      Lieber Andy, werte Geschöpfe des Bockelsberges und Europas,

      kommen wir direkt zur Sache. Ja, das Zentralgebäude wird ein gutes Milliärdchen teurer als gedacht, und bis 2021 werden wir für Studierende nur im Keller zwischen den Geräten der Maschinenhalle Schwimmunterricht geben können. Und ja, die Zahlen, von denen jeder denkende Mensch seit dem ersten Tag sagt, sie seien falsch, waren falsch. Und ja, auch diesem Großprojekt ergeht es nun, wie es allen Großprojekten in Deutschland ergeht. Ich bin ebenso wenig schockiert wie Sie.

      Allein: Was soll ich nun tun? Das Vamos ist so gut wie weg, der neue Bau wird so gut wie nie fertig werden. Wir können uns in Larmoyanz suhlen, uns die Augen ausheulen wie damals am Schwarzen Donnerstag in Stuttgart, als einem alten, gegen S21 protestierenden Mann die Glotzböbbel seitens polizeilicher Augenärzte aus den Höhlen gespült wurden. Oder wir richten den Blick, sofern wir noch einen haben, nach vorne.

      Ich begreife die Verzögerung der Fertigstellung des Audimax als gutes Omen, umstellt mit Pfeilen, die senkrecht zur Uelzener Straße in die Zukunft weisen. Eine große Chance, die Leuphana vom Rest der Stadt und des Kreises weiter abzukapseln. Wo nie einer hinwollte, wird fortan auch gar keiner mehr hinkommen. Das wiederum löst den Reiz des Verbotenen aus – und macht den Campus und das Hanseviertel für betuchte auswärtige Tagungsreisende endlich attraktiv. Sie sehen: Es gibt keinen Grund, sich um Lüneburg zu sorgen, ich habe hier alles im Griff. Mit dieser Form der umgekehrten Psychologie habe ich vor ein paar Jahrhunderten übrigens auch das Herz von Klaus Hoppe gewonnen, der unsere erste Begegnung bis zum heutigen Tag verflucht.

      Gebiß, Quatsch, gewiß: Womöglich werden wir den Libeskind-Bau irgendwann doch fertigstellen und entgegen aller Versprechen abermals in die Steuerkasse greifen müssen. Es gibt da diese saublöde Sprechklausel, die wir in den Vertrag gesetzt haben: „Im Fall weiterer Kostensteigerungen nehmen Holm Kellers Hochschulinfrastrukturunternehmungen und das Land Gespräche auf.“ Aber wer hätte denn bitte ahnen können, daß jemand, der weiß, wie mir die Silben langsam von den Lippen humpeln, allen Ernstes mit mir sprechen will?

      Nicht jedenfalls:
      Ihr Wahnfried H.Esgeh

  5. Der postfaschistische Überwältigungsklotz am südlichen Stadtausgang gleicht dem Fass der Danaiden. Stadt, Kreis und Land bzw. deren Steuerbürger können Euros noch und nöcher reinbaggern, das Geld wird nie genügen. Die ganze Sache stinkt zum Himmel und hört einfach nicht damit auf. Würde sie gerichtlich aufgearbeitet, müsste sich sicherlich der eine oder andere Dauergrinser von der Kommandobrücke auf eine längere Besinnungskur hinter schwedischen Gardinen gefasst machen.

  6. Lug und Trug in zinkgepanzertem Beton verewigt. Ein Denkmal der Schande. Ein Produkt dreister Taschenspielerei. Ein Dauersymbol Lüneburger Lächerlichkeit und aufgeplusterter Bürgerferne.

    Aufdringlicher, modernistisch verkitschter Winkelwilhelminismus traurigsten Angedenkens.

  7. Die genaue Höhe der Kosten könne noch nicht benannt werden. Klarheit soll die nächste Nachtragsbauunterlage schaffen, die die Uni dem Ausschuss für Haushalt und Finanzen vorlegen wird. Der wolle sich im zweiten bis dritten Quartal 2018 damit befassen.

    Mindestens bis Oktober nächsten Jahres zieht sich diese jammervolle Bettelgeschichte also noch hin. Nachhaltiger kann man den Ruf einer Stadt nicht schädigen, als es Spoun und seinen politischen Liebedienern seit zehn Jahren und auf Jahrzehnte hinaus mit dem monumentalen Architekturgeschwür am Bockelsberg gelungen ist.

  8. Solche Sätze sind heutzutage nichts weiter als schöne Nester von ausgeflogenen Wahrheiten. Es ist ein Vorurteil unseres Jahrhunderts in Deutschland, täglich zu sehen, wie Leute zum Namen Genie kommen wie die Kellerasseln zum Namen Tausendfuß, nicht weil sie so viel Füße haben, sondern weil die meisten nicht bis 3 zählen wollen

  9. Karlheinz Fahrenwaldt

    Lieber Nico, ein Genie ist Holm Keller: Mit der Landung des verzinkten Ufos in Lüneburg hat er sich den Rang eines millionenschweren Fondsmanagers auf der Insel der Falken ergattert. Das muss man erstmal hinkriegen!

    • Kalle, der malteser Rang des millionenschweren Fondsmanagers war ein PR-Bluff, wie alles, was von Keller kam. Das „Projekt auf der Insel der Falken“ ist eine längst verscharrte Totgeburt, nicht mehr als eine Briefkastenadresse mit viel werblichem Lametta behängt. Bewegen tut sich da nüscht. Vor allem kein Geld!

    • Karlheinz,bei den politikern heutzutage ist das doch keine kunst. es braucht nicht viel genie, um politikern etwas vor zu machen.

    • Das ist nichts weiter als eine prahlhänsisch ins Gigantomane aufgepumpte elektronische Visitenkarte, hinter der sich ein Türschild und ein turmhoch gestapelter Haufen von Imponiervokabeln und Farbfotografien verbirgt. Eine Fassade ohne jeden Informationswert und von total unseriöser Anmutung.

      Lachhaft!

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Lieber Nico, ich habe mal gegoogelt: Als CEO der kENUP Foundation gingen 120 Mio durch seine Hände. Da wird schon das eine oder ander Milliönchen auf seinem Konto hängen geblieben sein.

        • Karheinz, ich bitte um Quellennachweis.

          Meines Wissens ist da nicht ein einziger Cent geflossen und nullkommanichts geschehen. Es handelt sich um einen kelleresken Schlag ins Wasser. Und alles, was man wahrnimmt, ist Schaum.

        • Gähn, Karlheinz, ohne positive oder negative Heldenverehrung geht es wohl nicht? Ist einer groß, nur weil er großen Unfug angerichtet hat?

          Wiki sagt, „die KENUP Foundation, eine Stiftung zur Beförderung von Innovation in Europa“, habe „in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank (EIB)“ bislang „öffentliche Investitionen im Umfang von über € 120 Mio., meist in Life Science Unternehmen, ermöglicht“.

          „Ermöglicht“! Was genau wollte der Dichter uns damit eigentlich sagen?

          Da steht NICHT, wie SIE behaupten, Holm Keller, dem „CEO der kENUP Foundation gingen 120 Mio durch seine Hände“.

          Wenn ein notorischer Aufschneider auf seiner persönlichen Wikipedia-Seite, gestützt auf ausschließlich von ihm selbst verfasste und lancierte Referenzen, schreibt, er, „eine Instanz zur Beförderung von Innovation in Reppenstedt und Südostasien“ habe „in Zusammenarbeit mit Lüneburger Investitionsbanken“ irgendwas für irgendwen „ermöglicht“ (sagen wir für Klaus Bruns das Sparkassendarlehen über achthundert Euro zur Anschaffung von dessen Profi-Laubbläser BR 450 C-EF von STIHL, indem er ihm beim Ausfüllen des Kreditformulares half), dann können Sie doch nicht in die Welt setzen, „der eine oder andere Hunderter“ sei dabei „auf dem Konto jenes Wichtigtuers hängen geblieben“.

          Keller ist als Förderkulissenschieber von einem Subventionstheater ans andere gewechselt. Das Koordinieren von Antragsschreibern hat er am Bockelsberg ja gelernt. Was hätte er denn tun sollen, als für ihn am 8. Januar 2016 (das „Milliarden!!-Projekt“ KIC war ein Jahr zuvor krachend gescheitert: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/205159-leuphana-geht-leer-aus-uni-pleite-bei-milliarden-projekt, wichtige von der EU geförderte Inkubator-Projekte verläpperten im Juni 2015) wie aus heiterem Himmel „die Zeit für neue berufliche Herausforderungen reif“ geworden war?

  10. Das Zentrallügengebäude des Leuphanapräsidiums macht seinem Namen erneut alle Ehre: „Die Arbeiten sollten bis Ende September abgeschlossen sein, die Endabrechnung für das Zentralgebäude im Herbst vorliegen. Eingetreten ist nichts von alldem.“

  11. Wie Andy oben schon angedeutet hat, die Aussage von Herrn Spoun, der momentane Kostenstand könne nicht beziffert werden, ist sicher nicht der Wahrheit entsprechend – es sei denn, der Bau des Gebäudes würde von keinem einigermaßen fähigen Projektleiter betreut. Ausschließen kann man es nicht, wahrscheinlich ist es eher nicht, ergo ist die aktuelle Summe bekannt (aber wohl etwas hoch).

    Was mich irritiert, ist dass es zur Zeit so aussieht, als kämen insbesondere die politisch verantwortlichen Protagonisten auch in der öffentlichen Wahrnehmung komplett davon.
    Dass Herrn Spoun seine größenwahnsinnigen Träume erfüllt worden sind, liegt doch einzig und allein in der Verantwortung der Politik. Politiker der Stadt und des Landes wollten sich (wider besseren Wissens, denn für dumm halte ich niemanden) unbedingt im Glanze der Zinkfassade des apokalyptischen Raumschiffes aus der Feder eines „architektonischen Weltstars“ sonnen, es sollten Eitelkeiten bedient werden!
    Da vergisst man schon mal, was das kosten kann – und ist sich bewusst, dass man selber die Rechnung nicht zu bezahlen hat. Da werden Kosten von Anfang an wissentlich klein veranschlagt – denn wenn erst mal gebaut wird, dann gibt es kein Halten mehr und es ist egal, wie hoch die Gesamtsumme wird.

    Und siehe da, sie kommen alle damit durch, werden wieder gewählt, umschmeichelt und hofiert. Wie sagt man heute so schön: „Läuft!“

    Unterm Strich sind wir alle, die wir Wähler sind, daran Schuld! Wir haben und die Politiker gewählt, die wir verdienen…

    • Detlev Behrens, Sie und Ihre Freund „Andy“ kommen ein wenig altbacken dahergeschlichen. Dass auf Spouns öffentliche Auskünfte wenig bis nichts zu geben ist, dass Mädge 2006 der Leuchtturm-Megalomanie verfallen war und sich bis heute nicht davon erholt hat, dass die Bauprojektleitung nur soviel taugt, wie der Bauherr (die Leuphanastiftung mit Sascha Spoun und dem Stiftungsratsvorsitzenden Volker Meyer-Guckel an der Spitze) es zulässt, dass die komplette Lüneburger Politprominenz lange vor der Grundsteinlegung von 2011 in den Skandal verwickelt ist, usw. usf. — das alles wird hier schon seit mehr als zehn Jahren diskutiert.

      Die Tricks, wie das Kommunikationskartell aus Hannoveraner Zahlmeistern, Lüneburger Interessierten und Bockelsberger Begünstigten erst Fakten schafft, dann immer wieder blöde in der Runde herumglotzt und anschließend jedesmal aus allen Kanälen: „Augen zu und durch!“ ausschreien lässt, ist ebenfalls seit Jahren bekannt.

      Auch weiß jeder, der es wissen möchte, dass sich NICHTS von den verquasten Deutungsangeboten erhärten, verifizieren oder wenigstens plausibel machen lässt, was allenthalben und besonders von der Leuphana-Werbemaschine über die angeblich „positiven wirtschaftlichen und/oder kulturellen Effekte“ des hässlichen brutalistischen Betonpanzers am südlichen Stadtausgang mit nervtötender Regelmäßigkeit behauptet, wiederholt und eingehämmert wird.

      Und trotzdem, Herr Behrens, weder die frei erfundenen Behauptungen Ihres Kumpels Andy (A. H. (?)) über seine seherischen Fertigkeiten (die ich solange anzweifle, bis er mir Datum und Seite der LZ-Ausgabe mitteilt und Herr Jenckel beides bestätigt, in der sein Leserbrief gedruckt ist, welcher dokumentiert, wie er 2006/07 aus den „ersten Planungszeichnungen die Gesamtbaukosten auf 150 Millionen errechnete“) noch Ihr eiliges Aufspringen und Trittbrettfahren auf der unter Dampf stehenden Eisenbahn der empörten Beobachter des abstoßenden Bubenstücks auf der Leuphana-Bühne — wird mich oder irgend jemand anderen zum AfD-Sympathisanten oder -Wähler machen.

      Bitte ersparen Sie sich, mir und allen Mitleidenden künftig doch bitte Ihre plumpen Versuche der Pro­se­ly­ten­ma­che­rei in diesen Spalten!

  12. eine frage: was soll die künstliche aufregung hier bringen? denkt beizeiten an euren blutdruck. die hoch- blutdruckliga beobachtet euch. schmunzeln.

  13. „Zentrallügenbau an der Schaumschlägertwiete“, der Name gefällt mir.

  14. Lieber Karheinz Fahrenwaldt,

    wieviel hätte der Libeskind-Bau kosten müssen, daß er nicht trotz der ungezählten Bezahlskandale jedesmal gleich sofort wieder vergessen gewesen wäre? Dreihundert Millionen? Achthundert? Vor ein paar Jahren, die „Läufi-Zentrale“ war noch im Bau, rechnete die Lüneburger IHK-Kampagne „Gerecht geht anders!“ vor, ziemlich exakt die 57 Millionen, die das weltbeste Hochschulgebäude des Universums damals noch kosten sollte, wollten der Lüneburger Rat und Kreistag in den Haushalten der kommenden Jahre an Ausgaben für den Mietwohnungsbau streichen, weshalb das „Prestigeprojekt“ (NDR) das „Lüneburger Symbol für die ungerechte Verteilung und die soziale Spaltung in der Stadt“ (Kampagne) sei.

    Vergangenheit; und schließlich soll es, Demokratie!, jetzt darum gehen, „mehr klassik- und bildungsferne Menschen in die Leuphana-Veranstaltungen zu locken. Und zwar nicht nur in für Junge, Arbeitslose und Asylanten angebotene Konzerte, sondern in das reguläre Programmangebot“ (LünePost) für Studierende und Gutachtenproduzenten, das, ich vermute es mal, dann doch etwas umfangreicher sein wird als das kulturelle Almosen für die, die im Zweifel sowieso andere Probleme haben und für die das „Stadthallen-Audimax“ (Spoun) sowenig gebaut worden ist wie sonst irgendein Kulturtempel.

    Auch in Lüneburg, wußte die Bürgerillustrierte „Spiegel“ schon im Januar 2006, werde bald an einer „Freiheitsstatue des hanseatischen Bürgertums“ gebaut (gemeint war natürlich nicht die Darchauer Elbbrücke), und genau elf Jahre und elf Monate später befinden Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) und Faz.net-Leser Marcus Oehler: „Wenn die Kleingeister das Sagen hätten, gäbe es keinen Eiffelturm, keine Elbphilharmonie und keine Libeskind-Herrlichkeit.“ — Sondern, horribile dictu, erst das Fressen und das Obdach für alle und dann die Moral und den Beethoven fürs sogenannte Bildungsbürgertum, das, glauben wir Hermann L. Gremliza, „weder gebildet noch bourgeois“ ist, sondern aus „ambitionierten Kleinbürgern, Ärzten, Rechtsanwälten, Studienräten und ihren Gattinnen“ besteht, „die durch Tischdekoration und Konzertbesuch vom ordinären Pöbel sich abzuheben bemühen“. Der halt auch von den Milliarden, die der künftige sozialdemokratische Finanzminister übrig hat, nichts abbekommen wird, weil Steuersenkungen eher die treffen, die was zum Versteuern haben.

    Oder was sagen Sie?

  15. Karlheinz Fahrenwaldt

    Die Leuphana ist eine Eliteuniversität im Dienste der Wirtschaft. Das Leufi-Zentralgebäude bietet weniger Platz als die jetzt vorhandenen Räumlichkeiten, wenn die zur Finanzierung notwendigen Gebäude im Roten Feld und Volgershall verkauft sind, also müssen Studiengänge aufgegeben werden. Die Ingenieure kommen in den Keller, können da aber wohl nicht alle Maschinen wieder aufbauen. Ich schätze, dass Lehramt und Ingeneurswesen auslaufende Modelle sind. Die Politik in Stadt und Landkreis Lüneburg setzt voll auf die elitäre mittlere und obere Mittelschicht: zum Wohnen Wischenbruch, Hanseviertel und Ilmenaugarten; zur Ausbildung die Eliteuniversität und zur Bespaßung Military in Luhmühlen und Muke in der Arena. Und Adendorf setzt noch eins drauf: Baugebiet für Multimillionäre!

    • Es werden Bücher über die Interessen der Wirtschafts- Eliten geschrieben, die besonders studiert werden sollen – war jemals die Rede vom Studium der Interessen der Völker?

    • Lieber Kreistagsabgeordneter Fahrenwaldt,

      wie kommen Sie darauf, dass die Leuphana eine „Eliteuniversität“ sei? Outen Sie sich mit dieser lachhaften Zuschreibung nicht als unreflektiertes Opfer der leuphanatischen Reklamemaschinerie, die dieses Label mit anhaltend großem Lärm fortwährend nach innen und außen „kommuniziert“? Von „Universität“ kann ohnehin nicht die Rede sein, da es das Universale nicht gibt, sondern nur das immer „fokussierter“ Spezialistische. Meines Wissens handelt es sich um eine kleine Provinzhochschule, die in der wissenschaftlichen Community außerhalb Lüneburgs kaum Beachtung findet und hinsichtlich der Qualität ihrer akademischen Leistungen und mit ihrem inhaltlichen Profil weder im Kreis der rund 100 Universitäten in Deutschland geschweige denn international (sofern wir von den persönlichen Urlaubs- und Studienbekanntschaften einiger weniger Lüneburger Professoren absehen) eine irgend erkennbare Rolle spielt.

      Womit Sie recht haben, ist, dass Lehramt und Maschinenhalle über kurz oder lang weggeschwemmt werden – spätestens beim nächsten Starkregen – und dass die Reise in Richtung der seriellen Produktion bestellter „Gutachten“ sowie anderer „Dienstleistungen“, der „Beratung“, „Evaluation“ und „Empfehlung“, zugunsten oder im Auftrag von privaten Wirtschaftsunternehmungen geht, die des Abgreifens staatlicher (auch „europäischer“) Fördermilliarden halber der „aufwertenden“ Gütesiegel (vermeintlich) „unabhängiger“ akademischer Testatgeber bedürftig sind.

      Was die „Ausbildung“ in dieser Kadettenanstalt für „digital Natives“, also idealistisch verträumte Kinder betriftt, die später einmal alle irgendwas mit Money, Marketing und Medien machen wollen, frage ich mich, was Lüneburg mit den Hundertschaften, die jedes Jahr aus dem riesigen Haifischmaul (senkrecht zur Universitätsallee an der Uelzener Straße) rauskarnickelt werden, auf die Dauer anfangen soll. Der Bedarf im heimischen Immobiliensektor wurde von Michèl Pauly, Alexander Schwake und Niels Webersinn doch auf Dezennien hinaus bereits vollständig gedeckt. Und bei Heiko Meyer in der Schröderstraße können auch nicht mehr als drei- oder viertausend KuWis und WiPsys am Tag ihren zehntausend Kolleg*inn*en die heiße Schokolade mit Schlagsahne und Schokostreußeln servieren.

      Was denken Sie? Werden die Myriaden von Läufi-Absolventen später Fahrradtaxi über die Lüneburger Bicycle-Highways chauffieren oder wird der größere Teil von ihnen als Platzanweiser im Camping- und Ferienpark am Wulfener Hals auf Fehmarn bei Malte Riechey unterkommen?

    • Was sagen Sie jetzt, Herr Fahrenwaldt?

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Lieber Olli Schmitt, Sie haben Recht: Das Gütesiegel „Universität“ scheint tatsächlich für die Leuphana nicht zuzutreffen – alleine: mir fehlt eine andere Bezeichnung. Ich bin für das Humboldtsche Bildungsideal: Ausbildung der Fähigkeiten des Zusammendenkens anstelle der Produktion von „Fachidioten“. Wie Sie vielleicht der örtlichen Presse entnommen haben, ist Michèl Pauly nicht mehr im Immobiliensektor tätig, da wäre also ein Platz frei und Malte Riechey kann für sein Kulturprogramm sicher den einen oder anderen KuWi-Absolventen beschäftigen aber der Wulfsener Hals nimmt keine Dauercamper!

  16. Der Lobbyist vermittelt zwischen Politk und dem Volk … Ja, wie der Jagdhund vermittelt zwischen dem Jäger und dem Hasen.

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