Donnerstag , 22. Februar 2018
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Hauke Scheuermann füllt Äpfel in den Schredder. Aus der Maische wird später leckerer Apfelsaft gepresst. Foto: lz/kre

In der Pause ab ins Grüne

Scharnebeck. Unterricht zum Anfassen, Riechen und Schmecken – für die Schüler des Bernhard-Riemann-Gymnasiums gehört das zum Schulalltag: Denn auf dem Areal der Schule liegt ein gut 5000 Quadratmeter großer Biogarten mit Streuobstwiese, Ackerfläche, Teichen und Sitzmöglichkeiten für Unterricht im Freien. Das Besondere an der kleinen Schuloase aber ist, dass sie auch Heimat für acht Legehennen ist und sich dort bis vor wenigen Tagen auch noch zwei Schweine suhlen durften. Quasi ein kleiner Bauernhof mitten auf dem Schulgelände.

Das Engagement der Biologielehrer Matthias Block und Hauke Scheuermann macht es möglich. Die beiden kümmern sich nicht nur um die Wissensvermittlung, sondern auch um den Biogarten und das Tierwohl – auch über die Dienstzeit hinaus.

„Weil es Spaß macht“

„Weil es Spaß macht“, sagt Block, der selbst auf einem Bauernhof groß geworden ist und dessen Geschwister Landwirtschaft betreiben. „Lernen durch Anfassen“, nennt Scheuermann sein Credo. Er ist überzeugt: „Durch das Sammeln praktischer Erfahrungen lernen die Kinder mehr, als wenn man den Stoff nur theoretisch im Klassenzimmer vermittelt.“

Donnerstag vergangene Woche: Wohl einer der letzten schönen Herbsttage. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind angenehm – ein Tag also wie gemacht für die letzten Unterrichtstunden im Freien. Block und Scheuermann wollen Fünftklässlern zeigen, wie man Apfelsaft herstellt, haben dazu eine kleine Saftpresse im Biogarten aufgebaut. Doch bevor die ersten Äpfel im Schredder zu Maische gehäckselt werden, aus der anschließend der leckere Apfelsaft gepresst wird, lernen die Fünftklässer, dass es Äpfel, aber auch Birnen, Pfirsische oder Kirschen nur dann gibt, wenn genügend Bienen unterwegs sind, die die Bestäubung der Bäume übernehmen. „Ohne Bienen und andere Insekten gibt es kein Obst“, sensibilisieren die Bio-Lehrer die Fünftklässler. „In der sechsten Klasse steht als ein Thema ‚Von der Blüte bis zur Frucht‘ auf dem Lehrplan“, sagt Scheuermann, „dann können die jetzigen Fünftklässer auf die Erfahrungen von heute zurückgreifen.“

Die beiden Schweine kurz nach ihrem „Umzug“ aus Oldershausen in den Freiluftauslauf des Bernhard-Riemann-Gymnasiums.

Wo kommen Lebensmittel her?

Die Pädagogen sind stolz auf ihren Biogarten – vor allem der Hühnerstall ist für viele Schüler eine echte Attraktion: Und die Hennen haben sich längst daran gewöhnt, dass sie in der großen Pause von Schülern auf den Arm genommen werden. „Wir sind aber kein Streichelzoo und auch keine Arche“, stellt Matthias Block unmissverständlich klar, „wir wollen den Schülern vielmehr vermitteln, woher Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden.“ Hühner und für einige Monate sogar Schweinehaltung in der Schule – das funktioniert freilich nur, nachdem etliche bürokratische und rechtliche Hürden gemeistert sind. So hängt zum Beispiel im Hühnerstall ein Desinfektionsmittel für die Hände, das die Kinder nach jedem Kontakt mit dem Federvieh benutzen müssen.

Und bei der Schweinehaltung waren die Auflagen des Landkreises noch einmal ungleich höher: Für die Freilufthaltung der beiden Borstentiere musste zum Beipiel der 10 mal 10 Meter große Auslauf mit Suhle mit einem doppelten Zaun gesichert werden, „einer davon stromführend“, berichtet Lehrer Block. Zudem gab‘s mehrfach Besuch vom Veterinäramt und vom Tierarzt, „mit dem wir einen Betreuungsvertrag eingehen mussten“, erklärt der Biolehrer mit Landwirtschafts-Erfahrung. Betreten werden durfte das Schweineareal zudem nur mit Schutzkleidung und Schuh-Desinfektion.

Nichtsdestotrotz hatten es die beiden Borstentiere in ihrem gut viermonatigen Leben im Vergleich zu ihren Stallgenossen auf dem Gelände des Gymnasiums richtig gut: Den ganzen Tag an der frischen Luft, Auslauf und eine schöne, große Suhle. Schwein gehabt, könnte man fast schon sagen. Doch am Ende gingen auch sie den Weg einer jeden Sau – zum Schlachter. Für Matthias Block aber ganz normal: „Es sind Nutztiere“. Aber welche mit Gymnasialerfahrung.

Von Klaus Reschke