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Vom Yanfeng-Werk an der Lüner Rennbahn werden Autoteile für BMW künftig per Bahn nach Regensburg geliefert. Foto: lz/t&w

Neuer Anlauf für die Goseburgbahn

Lüneburg. Viel Geld hatte die Hafen Lüneburg GmbH 2015 zur Ertüchtigung der sogenannten Goseburgbahn in die Hand genommen, doch dann vermeldete just zu diesem Z eitpunkt ausgerechnet einer ihrer bedeutendsten Bahnkunden, der Automobilteile-Zulieferer Yanfeng Automative Interiors, den Abschied von der Schiene. Nun hat sich das Blatt wieder gewendet, gestern stellten die Unternehmen Yanfeng, Coca-Cola und DB Cargo in einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Pläne für die künftige Nutzung der Industriebahn vor.

„Ab Dezember werden wir sukzessive den Kunden BMW in Regensburg per Schiene beliefern“, erläuterte Michael Oji, Leiter des Lüneburger Yanfeng-Werks an der Lüner Rennbahn, die Pläne seines Unternehmens. Yanfeng produziert seit Kurzem für den Münchner Automobilbauer Instrumententafeln, die in dem rund 500 Kilometer entfernten BMW-Werk montiert werden. Dadurch werden laut Oji künftig Transporte von zwölf Lkw-Fahrten pro Tag entfallen und durch eine Bahnfahrt ersetzt.

„Das ist auch ein Beitrag unseres Unternehmens zur Nachhaltigkeit und Entlastung von Straße und Umwelt“, ergänzte Heinz-Erich Mohrmann, Logistik-Manager von Yanfeng. Zugleich biete man damit seinen Kunden einen „Wettbewerbsvorteil“ an, da auch diese verstärkt auf den Aspekt der Nachhaltigkeit bei ihren Zulieferern achteten. Ein weiterer Vorteil sei die Anbindung an die internationalen Schienenverkehre über den Rangierbahnhof Maschen.

Einsparung von 750 000 Autobahnkilometern

Diesen Aspekt hob auch Holger Holthus, Logistikleiter von Coca-Cola European Partners Deutschland, für sein Unternehmen hervor. Weil Coca-Cola sein Mineralwasser „Vio“ ausschließlich in Lüneburg abfülle und von hier bundesweit vertreibe, sei die Bahnanbindung am Standort Goseburg „besonders attraktiv“. Bereits 2016 habe man deshalb mit ersten Bahntransporten begonnen, inzwischen werden wöchentlich 20 Waggons mit „Vio“-Ladungen nach Fürstenfeldbruck und Mannheim auf den Weg gebracht. Laut Holthus entsprechen diese sechs Prozent sämtlicher von Lüneburg ausgehender Transporte und einer Einsparung von rund 750 000 Autobahnkilometern sowie 620 Tonnen CO₂. „Wir planen aber bereits, den Bahnanteil weiter zu erhöhen, allerdings erfordert dies auch bauliche Veränderungen in unserem Werk hier in Lüneburg.“

Den Vorteil der Nähe Lüneburgs zum Rangierbahnhof Maschen hob auch Horst Heydasch von DB Cargo hervor. Man freue sich, den Verkehrsträger Schiene hier an diesem Standort wieder nach vorn bringen zu können. „Das Angebot ist aber das eine, darauf zuzugreifen, das andere“, sagte Heydasch, der da­rauf hofft, dass noch weitere Unternehmen auf die Schiene umsteigen. „In ein bis zwei Jahren wird sich die Situation ohnehin drehen, denn es wird immer schwerer werden, ausreichend Lkw zu bekommen“, kündigte Kai Maaß, künftig Deutschlandchef der DB Cargo AG, an.

„Heute ist ein schöner Tag“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge zur verstärkten Nutzung der Goseburgbahn. Es sei richtig gewesen, „trotz der Risiken“ in die Bahn investiert zu haben. Allein die Sanierung der Goseburgbahn hatte rund 810 000 Euro gekostet, 510 000 Euro hatte davon das Land übernommen. Und nochmals 160 000 Euro hatte allein die Stadt in die Ertüchtigung der Ilmenaubrücke gesteckt.

Frühere Spitzenwerte werden noch nicht erzielt

Einziger Wermutstropfen: Die Verluste, die durch den damaligen Ausstieg von Yanfeng angefallen waren – auf Wunsch von Opel hatte es 2015 seine Autoteile ins polnische Opel-Werk in Gleiwitz auf Lkw-Transport umgestellt –, werden mit den neuen Bahntransporten noch nicht völlig kompensiert werden, wie Lars Strehse, Chef der Hafen Lüneburg GmbH, erläuterte. Zur Frage, ob noch weitere an der Lüner Rennbahn angesiedelte Unternehmen für die Goseburgbahn gewonnen werden können, wollte er sich gestern nicht äußern.

Von Ulf Stüwe