Donnerstag , 15. November 2018
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Piroschka Kaal, Erzieherin in der Paul-Gerhardt-Kita, hat das Programm „JolinchenKids“ die Jahre über mitbegleitet. Foto: lz/t&w

Fitness für Kinder: Karamellkäse statt Süßem

Lüneburg. Carl weiß jetzt, dass er am Tag mindestens sechs Becher Wasser trinken sollte. Und auch wenn der Fünfjährige für sein Leben gern Süß igkeiten isst: „Eine Portion reicht.“ Noch häufiger als sonst greift er jetzt vormittags in der Kita beim Obst und Gemüse zu. Helene (5) hat durch das AOK-Programm „JolinchenKids“, das jetzt nach drei Jahren Laufzeit seinen Abschluss gefunden hat, viele neue Milchprodukte kennengelernt. „Ich habe Ziegenmilch probiert und so braunen Käse mit Karamell“, erzählt sie stolz. „Wir haben uns auch fit gehalten und viel Sport gemacht.“ Auf einer sogenannten Fühl-mich-gut-Insel sei sie sogar massiert worden.

Programm findet seinen Abschluss

Jetzt mussten die 85 Kinder der Evangelischen Kindertagesstätte Paul-Gerhardt vorerst Abschied nehmen von dem grünen Drachen mit Namen „Jolinchen“. Er ist das Maskottchen des Fitness- und Ernährungsprogramms, das Kita-Leiterin Elisabeth Ritter gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Doris Beckmann, Präventionsberaterin bei der AOK Niedersachsen, durchgeführt hat. Zum Abschluss des Projekts hat die Ökotrophologin der Lüneburger Tagesstätte jetzt ein Zertifikat überreicht. Ein entsprechendes Schild soll draußen am Eingang angebracht werden.
Die Kita Paul-Gerhardt war die erste hier in der Region, die bei dem bundesweiten Programm mitgemacht hat. Der Startschuss fiel im Mai 2015 (LZ berichtete). In der Zwischenzeit haben sich mit Barendorf, Deutsch Evern, Handorf und Vögelsen auch andere Einrichtungen im Landkreis angemeldet.

JolinchenKids richtet sich an Kitas mit Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren, an einzelnen Projekten können aber auch die Kleinsten aus der Krippe mitwirken. Es soll dazu beitragen, dass das Thema Gesundheit möglichst früh zum gelebten Alltag gehört. Innerhalb der drei Jahre werden in der Kita fünf Module bearbeitet: Ernährung, Bewegung, seelisches Wohlbefinden, Elternpartizipation und Erzieherinnengesundheit. Beckmann: „Unter seelischem Wohlbefinden können sich viele erstmal nichts vorstellen, uns geht es dabei um ein positives Selbstbild, um Gewaltprävention und Entspannung.“

Ein Gewinn für die Kinder

Auch für die 14 pädagogischen Mitarbeiter, die an der Bunsenstraße tätig sind, soll sich etwas ändern. Denn die körperliche und psychische Belastung ist hoch, krankheitsbedingte Ausfälle sind heutzutage in Kindertagesstätten keine Seltenheit. Die Arbeitsbedingungen wurden genau unter die Lupe genommen: Nun sollen Schallmaßnahmen im gesamten Haus durchgeführt werden. Und vor einigen Tagen sei auch die Entscheidung gefallen, eine Betriebssportgruppe zu gründen. Zudem hat die Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde als Träger Supervisionen über das gesamte Jahr bewilligt.

Die Eltern haben nicht nur von ihren Kindern von den verschiedenen Aktionen erfahren, sie wurden auch durch einen monatlichen Newsletter und spezielle Veranstaltungen aufgeklärt. Die Tochter von Maren Michals­ki besucht noch die Krippe, dennoch ist JolinchenKids nicht an ihr vorbeigegangen. „Sie ist beim Essen entdeckungsfreudiger, das Teestübchen hat zum Beispiel dazu geführt, dass sie zu Hause jetzt die unterschiedlichsten Teesorten probiert“, erzählt die Mutter, die auch dem Elternrat angehört.

Rund 10 000 Euro hat die AOK in die Lüneburger Kita investiert. Damit die Inhalte des Programms weiter „gelebt“ werden können, wie es Doris Beckmann formuliert, bleibt ihr das Material erhalten. Leitfaden-Ordner, Poster und Kartenboxen halten jede Menge Informationen, Anleitungen für Spiele, Übungen und Rezepte bereit.

Von Anna Paarmann