Donnerstag , 20. September 2018
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Diyar Derwisch und die Ehrenamtliche Rosemarie Ebeling diskutieren über Themen aus der Landeszeitung. Foto: lz/be

Deutsch lernen mit der LZ

Lüneburg. Wenn Diyar Derwisch die Landeszeitung aufschlägt, schaut er sich zuerst die Sportseiten an: „Mich interessiert der Lokalsport, ich spiele selbst Fußball beim MTV Treubund. Und ich finde die Bundesliga interessant und spannend.“ Und er liest den Politikteil: „Politik spielt eine große Rolle in Deutschland und Syrien. Die Flüchtlingsthematik interessiert mich. Und ich möchte mehr über Deutschland erfahren.“ Über das Land, das seine neue Heimat ist.

Integration von Flüchtlingen

Vor zweieinhalb Jahren ist der 23-Jährige mit seiner Mutter und seinem einen Jahr jüngeren Bruder aus Syrien zu Fuß über die Türkei und Bulgarien nach Deutschland geflüchtet. „Ich will die deutsche Sprache besser sprechen können“, sagt der junge Mann, der sich schon ohne große Probleme auf Deutsch unterhalten kann. Nicht zuletzt durch ein Angebot der Evangelischen Familien-Bildungsstätte (Fabs) in Lüneburg: Alle sechs Wochen kommen etwa 15 Flüchtlinge und 13 Deutsche sonnabends für zwei Stunden in der Fabs zusammen, lesen gemeinsam die Landeszeitung, um den Neu-Lüneburgern die deutsche Sprache beizubringen.

Die Idee zu dem Projekt hatte Fabs-Leiter Matthias Skorning 2016: „Bei unseren interkulturellen Angeboten wie etwa dem internationalen Kochen hörten wir von Flüchtlingen immer wieder den Wunsch, dass sie Deutsch sprechen wollen, um der Isolation zu entfliehen. Die Zeitung ist dafür das ideale Medium, weil sich die Flüchtlinge sofort von verschiedenen Themen angesprochen fühlen – vom Sport bis hin zum Immobilienteil oder Stellenmarkt.“ Und die Flüchtlinge kommen in Kontakt mit Deutschen, unterhalten sich mit den Ehrenamtlichen über die Themen, die in der Zeitung stehen.

Architekturstudium als großes Ziel

Die meisten Teilnehmer stammen aus Afghanistan und Syrien. Diyar Derwisch hatte in seiner Heimat Syrien drei Jahre lang Landwirtschaft studiert, war mit seiner Mutter und seinem Bruder zunächst in Harburg untergebracht: „Dort habe ich mich nur auf Englisch unterhalten, das hatte ich in der Schule gelernt. Meine Muttersprache ist Kurdisch.“ Einen großartigen Kontakt zu Deutschen habe er nicht gehabt. Auch nicht, als er nach Neu Neetze umzog. Erst als er im Mai 2016 nach Lüneburg kam, weil die Familie eine größere Wohnung brauchte, da sein Vater und seine Schwester (16) ebenfalls flüchteten, lernte er Deutsch in der Grone Schule. Das Problem aus seiner Sicht: „Ich hatte immer noch keinen Kontakt zu Deutschen.“ Bei der Arbeiterwohlfahrt habe er den Tipp bekommen, zu dem Projekt LZ-Lesen bei der Fabs zu gehen: „Das hilft mir, ich fühle mich nicht mehr isoliert.“ Der Sport beim MTV helfe ihm ebenso.

Diyar Derwisch hat ein hohes Ziel: „Ich will an einer Universität studieren.“ Allerdings nicht wie in seiner Heimat Landwirtschaft: „Das konnte ich mir damals nicht aussuchen. Ich mag Mathematik, Design und Malen. Ich will Architektur studieren. Aber das geht nur, wenn ich sehr gut Deutsch sprechen kann.“ Und dabei hilft ihm das Fabs-Projekt, das übrigens noch Ehrenamtliche sucht.

Von Rainer Schubert