Donnerstag , 20. September 2018
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Deutlich zu sehen ist am Kämmereigebäudes am Rathaus das Schutzdach, das einen anderen Neigungswinkel besitzt als das historische. Darunter werden die Balken aus dem Jahr 1477 teilweise erneuert. Foto: lz/t&w

Es ist etwas faul unterm Dach

Lüneburg. Das Kämmereigebäude, eines der ältesten Teile des Lüneburger Rathauses, hat sich seit Mai in einen Mantel gehüllt. Hinter der Einrüstung läuft in den letzten Zügen die Restaurierung des historischen Mauerwerks. Aufmerksame Beobachter fragen sich seit einigen Wochen mit Blick aufs Dach, warum sich dort die Neigung geändert hat. Der Grund: des 1477 fertiggestellten Gebäudes.

Marode Hölzer stammen aus dem Jahr 1477

Bereits zur Jahrtausendwende hatte eine dendrochronologische Untersuchung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ergeben, dass die Hölzer für das Dachwerk aus dem Jahr 1477 stammen, also das Baujahr des Gebäudes datiert werden konnte. Im Vorfeld der Sanierung des Gebäudes wurde nun festgestellt, dass 9 von 15 Deckenbalkenköpfen sowie 15 von 25 Sparrenfüßen – das sind die unteren Teile der Balken, die von der Traufe bis zum First gehen – von einem Pilz so stark befallen sind, dass sie ausgetauscht werden müssen.

„Damit die Zimmerleute auch im Winter arbeiten können, wurde ein Wetterschutz installiert.“
Heike Gundermann, Stadtbaurätin

Die Ursache für diesen Fäulnisschaden geht laut Frieder Küpker, Bauingenieur und Betreuer des Projektes bei der Stadt, weit in die Vergangenheit zurück. Dokumentiert ist, „dass es um 1480 in Traufhöhe ein Ziermauerwerk gab. Dahinter befand sich eine Holzregenrinne. Im Verlauf der Jahre kam es durch diese vermutlich zu einem Wasserschaden im Dachbereich“. Um 1780 wurde das Ziermauerwerk entfernt, danach ein neuer Traufabschluss gebaut. Doch am Gebälk machte sich der Pilzbefall über die Jahrhunderte hinweg zu schaffen und setzte ihm unterschiedlich stark zu.

„Damit die Zimmerleute auch im Winter arbeiten und die schadhaften Teile in der Dachkonstruktion austauschen können, wurde ein Wetterschutzdach installiert. Von außen betrachtet wirkt dies so, als wenn die Dachneigung verändert worden wäre“, erläutert Stadtbaurätin Heike Gundermann. Die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten sollen Ende März 2018 abgeschlossen sein.

Instandsetzung der Fassade fast abgeschlossen

Zum größten Teil abgeschlossen ist inzwischen die Instandsetzung der Fassade. Stein für Stein war geprüft worden, ob er erneuert werden muss. „Die Prämisse war dabei, so viel Substanz wie möglich zu erhalten und nur soviel wie nötig zu erneuern. Ganz nach dem Prinzip, nach dem auch in den Jahrhunderten zuvor ausgetauscht wurde“, macht Küpker deutlich. Im Endeffekt waren es 1400 Steine, darunter auch Formsteine, die aufwändig nachgebrannt werden mussten. Die Neuverfugung erfolgte mit dem historischen Material Gipsmörtel. Erst wenn das Gerüst abgebaut ist, können auch im Sockelbereich schadhafte Stellen erneuert werden.

Parallel zu den Arbeiten am Mauerwerk wurde auch der Austausch von fäulnisgeschädigten Holzteilen in den Fenstern vorgenommen. Auch hier gilt, dass die Eingriffe in die historische Substanz möglichst gering gehalten werden.

Die Kosten für die Restaurierung des Kämmereigebäudes belaufen sich auf rund 910 000 Euro. Parallel dazu läuft der Innenausbau des Magazingebäudes, dem ehemaligen Stadtarchiv, Kosten 402 000 Euro. Bei der ehemaligen Gerichtslaube, deren Entstehung auf 1430 datiert ist, wird laut Küpker die Fassade saniert und das Gewölbe statisch ertüchtigt, Kosten rund 1,4 Millionen Euro.

Masterplan soll historisches Rathaus bewahren

Außerdem wird, wie die LZ berichtete, das Gebäude Hinter der Bardowicker Mauer 10 zur Erweiterung der Kinder- und Jugendbücherei umgebaut, Kosten 840 000 Euro. Unterm Strich macht das 3,56 Millionen Euro. „Einwerben konnten wir dafür rund 3 Millionen Euro über das Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus“, berichtet Stadtbaurätin Heike Gundermann. Die Projekte sind ein weiterer Schritt im Rahmen des Masterplans, mit dem das historisch bedeutsame Lüneburger Rathaus für die Zukunft bewahrt werden soll.

Von Antje Schäfer