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Eckhard Sudmeyer (l.), Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, begrüßte zum Auftakt der Konferenz ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Foto: lz/be

Handwerk könnte schneller arbeiten

Lüneburg. „Das Handwerk könnte mehr Aufträge abwickeln und auch schneller arbeiten.“ Das sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Voraussetzung dafür: Der Fachkräftemangel muss mit gleich mehreren Instrumenten behoben werden. Holger Schwann­ecke nimmt an der Herbstkonferenz der Hauptgeschäftsführer der 53 deutschen Handwerkskammern teil, die jetzt in Lüneburg läuft. Der Fachkräftemangel ist dabei nur eines von vielen Themen, die das Handwerk beschäftigen.

Fachkräftemangel in alle Bereiche ausgeweitet

„Mehr junge Menschen zu gewinnen, ist essenziell, denn der Fachkräftemangel hat sich in alle Bereiche ausgeweitet und droht sich zur Wachstumsbremse für die gesamte Wirtschaft zu entwickeln“, sagt Schwannecke: „Davon ist auch das Handwerk betroffen, 40 Prozent der Betriebe haben hier Probleme.“ Betroffen seien insbesondere die Lebensmittelhandwerke, etwa Fleischer und Bäcker, aber auch die Bauberufe und der Bereich Sanitär, Heizung, Klima.

Zum Thema Zuwanderung bezieht der Generalsekretär so Stellung: „Sie löst die Fachkräfteprob­lematik nicht, ist aber ein wichtiger Baustein. Wir brauchen ein Einwanderungs-/Zuwanderungsgesetz mit klaren Regeln.“ Eine gesteuerte Zuwanderung qualifizierter ausländischer Fachkräfte sei dabei nicht vom Herkunftsland abhängig, sondern von der Bereitschaft zur Ausbildung und Arbeit.

Solch ein Gesetz „muss zugleich beruflich Qualifizierte in den Blick nehmen und dazu beitragen, dass Nicht-Akademiker und Facharbeiter aus dem Ausland unbürokratisch Arbeit finden“. Alle, die qualifiziert sind oder sich qualifizieren wollen, sollten auf eigene Kosten für sechs bis neun Monate nach Deutschland kommen und sich eine Arbeit oder Lehrstelle suchen: „Diejenigen, die fündig werden und bleiben, können wir gut gebrauchen.“

Bildung als Zukunfts-Schlüssel 

Die berufliche Bildung des Nachwuchses sieht Schwann­ecke als Schlüssel zur Zukunft des Handwerks: „Knapp 4000 mehr Jugendliche als 2016 haben in diesem Jahr eine Ausbildung im Handwerk begonnen, dennoch sind aktuell immer noch fast 17.000 Lehrstellen unbesetzt.“

Hier fordert das Handwerk einen Berufsbildungspakt und entwickelt ein Konzept für eine „Höhere Berufsbildung“, das Jugendlichen die Lehre als attraktive Alternative zum Studium bietet. Aber dafür brauche es Geld. Die ersten Pilotprojekte zum doppelqualifizierenden Bildungsgang „BerufAbitur“ – also der Abschluss eines Gesellenbriefes in Verbindung mit dem Abitur – laufen bereits, unter anderem im Kammerbezirk Braunschweig-Lüneburg-Stade.

Von Rainer Schubert

2 Kommentare

  1. Karlheinz Fahrenwaldt

    Es ist schon eigenartig: Vor kurzem stand in der LZ, dass in Lüneburg auf 39 Ausbildungsplatzangebote fast 200 Bewerbungen eingingen – etwa 150 Jugendliche blieben also ohne Ausbildungsplätze und da wagt es das Handwerk von Fachkräftemangel zu sprechen! Warum bilden die nicht genügend Nachwuchs aus?

    • Herr Fahrenwaldt, die Antwort ist sehr einfach:

      A) möchte man Fachkräfte bitte schön ohne selber dafür etwas zu investieren, b) wird der Schrei „Fachkräftemangel!“ dazu genutzt, dass möglichst viele einen Beruf erlernen oder studieren, damit das Angebot am Markt groß ist und man weniger zahlen muss.
      A) gilt hauptsächlich für Ausbildungsberufe, b) für MINT-Studiengänge.

      Ist alles unterm Strich Meinungsmache in eigener Sache, daher lohnt es sich nicht, sich darüber zu erregen.