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Um eine Gefährdung von Menschen durch Arsen-Reste aus dem ehemaligen Flugaschezwischenlager auszuschließen, ist dieser Weg im Oktober bepflanzt und eingezäunt worden.

Der Weg des Arsens in den Boden

Alt Garge. Als 2012 bei Deichbauarbeiten eine Arsenbelastung im Boden der Elbhalbinsel in Alt Garge entdeckt wurde, schlugen die Wogen hoch. Doch bald war klar: Die Rückstände des ehemaligen Flugaschezwischenlagers sind längst nicht so gefährlich, wie zunächst befürchtet. Jetzt legte Boris Reisgies von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg im Bleckeder Bauausschuss eine abschließende Einschätzung vor. „Ich sehe keine Gefahren, die von den Altablagerungen ausgehen könnten“, lautete sein Urteil.

Ziel der Untersuchungen war es, herauszufinden, wo sich Flugascherückstände des alten HEW-Kraftwerkes befinden und wie viel Arsen darin noch enthalten ist. Weiterhin sollte das Areal nach organischen Verunreinigungen untersucht werden. Denn bis zum ersten Abfallgesetz 1973 durfte jeder seinen Müll in der Natur entsorgen. „Ganze Autos und Farbeimer sind keine Seltenheit“, so Reisgies. Die Untersuchungen ergaben jedoch keine relevanten Ergebnisse.

Als dritte Aufgabe mussten die Wirkstoffpfade der Gifte ermittelt werden, das heißt, wie sie sich vom Boden auf den Menschen auswirken und vom Boden zum Grundwasser bewegen. „Der Arsengehalt im Oberboden bis zehn Zentimeter Tiefe überschreitet die Prüfwerte der Bodenschutzverordnung nicht“, sagte Reisgies. Tiefere Bodenschichten zeigten jedoch eine höhere Belastung. Deshalb war bereits im Oktober der westliche Weg entlang der Halbinsel mit einem Erd-Samen-Gemisch zugeschüttet und das Gelände eingezäunt worden (LZ berichtete).

Die Frage, wie sich das Arsen zum Grundwasser bewegt, konnte jedoch bis heute nicht abschließend geklärt werden. „Arsen wandert“, machte Reisgies deutlich. „Deshalb untersuchen wir mit zwei Brunnen im Norden und Süden der Halbinsel, wohin es sich bewegt.“ Das Problem dabei ist die Elbe. „Sie führt in den Schwebstoffen viermal soviel Arsen mit sich, wie in den Altablagerungen enthalten ist“, so Reisgies. Herauszufinden, wie viel Arsen aus den Altablagerungen stammt und wie viel die Elbe möglicherweise hinterlässt, gestaltet sich schwierig.

„Wir dokumentieren seit zweieinhalb Jahren die Pegelstände und proben regelmäßig“, so Reisgies. Aber: „Die Untersuchungen für den Grundwasserabstrom zeigen, dass keine wesentlichen Arsenausträge stattfinden.“ Trotzdem sind die Arsenwerte im Grundwasser oberhalb der zugelassenen Werte. Deshalb soll jetzt noch ein dritter Brunnen gebohrt werden. Grundsätzlich gibt Reisgies jedoch Entwarnung: „Es ist unwahrscheinlich, dass wir da etwas unternehmen müssen“, sagte er dem Ausschuss. Wegen der Bodenbeschaffenheit, bleibe das Arsen im Bereich des ehemaligen Zwischenlagers. Außerdem werde der Bereich auch bei Hochwasser nicht überflutet, so dass kaum ein Risiko von den verbleibenden Ascheresten ausgehe. Er machte aber auch klar, dass sowohl die Firma Vattenfall als Grundstückseignerin, als auch der Landkreis und das Landesamt für Boden, Energie und Geologie am Ball bleiben müssen, um den Weg des Arsens im Auge zu behalten.

Von Claudia Wesch