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Läuft nicht mehr, stehen gelassen und weg: Der rote Kleintransporter steht seit fast drei Wochen an der Bockelmannstraße. Für die Behörden kann das zum Fall illegaler Abfallentsorgung werden. Foto: lz/ina

Schrottmühlen am Straßenrand

Lüneburg. Eigentlich gehören sie auf den Schrottplatz, doch die Besitzer lassen die Kisten einfach stehen. So wie der aktuell auf einem Grünstreifen an der Bock elmannstraße zwischen Lüneburg und Adendorf stehende Kleintransporter. Erstaunlicherweise verfügt er zwar noch über ein Kennzeichen, wirkt aber mit zwei kaputten Blinklichtern und einer mit Klarsichtfolie überklebten Heckscheibe nicht gerade fahrtüchtig. Auf der Unterseite befindet sich neben dem rechten Vorderrad ein einfacher Wagenheber. Die hinteren Scheiben sind mit Folie verklebt.
Es ist kein Einzelfall. Um die die Entsorgung kümmert sich die Stadt. Im Rathaus sagt Sprecher Daniel Gritz: „In Lüneburg wäre das in diesem Jahr bereits der 70. Wagen, der auf diese Weise entfernt werden müsste.“

Seit dem 12. November steht der weinrote Kleintransporter der Marke Renault Master mit dem bulgarischen Kennzeichen gut sichtbar an der Strecke. Ein Fall für die Lüneburger Polizei? „Nur bedingt“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. „Wir überprüft, ob eine Gefahr vorliegt.“ Da es aber weder brennt, umzukippen droht oder die Fahrbahn blockiert, sei kein Eingreifen nötig.
„Die Polizei arbeitet hier quasi wie die Feuerwehr“, so Richter. „Wir kommen zum Gefahrencheck und führen im Ernstfall die entsprechenden Maßnahmen durch. Die weitere Abwicklung ist Sache der zuständigen Behörde.“ Wäre der Wagen auf Privatgelände abgestellt worden, müsste sich der Eigentümer selbst um die Entsorgung kümmern. Die Polizei könnte ihn im Klagefall bei der Halterfahndung unterstützen. Der Transporter steht jedoch auf Lüneburger Terrain, daher ist die weitere Bearbeitung Sache der Stadt.

„Das Ordnungsamt hat am 22. November einen roten Aufkleber an der Windschutzscheibe befestigt“, so Daniel Gritz, Pressesprecher der Stadt. „Hätte der Wagen kein Nummernschild, so wäre das eine Ordnungswidrigkeit. Da er aber noch angemeldet ist und vier aufgepumpte Reifen vorzuweisen hat, wird dem parkenden Halter zwei Wochen Zeit gegeben, das Fahrzeug zu entfernen.“

Die Abholfrist endet am 5. Dezember. Steht der Transporter dann noch immer am Straßenrand, weist der Aufkleber auf die Konsequenzen hin: „Fahrzeuge, die nicht entfernt wurden, werden im Zuge der Ersatzvornahme kostenpflichtig sichergestellt.“ Das bedeutet: Der Wagen muss auf Kosten der Steuerzahler abgeschleppt werden.
Einen Monat wird das Fahrzeug auf dem Hof des Abschlepp­unternehmens geparkt, erst dann droht die Verschrottung. Das kann teuer werden: „Wird der Halter ermittelt, muss er die gesamten Kosten übernehmen.“

Die Abschleppkosten sind kalkulierbar. „Pro Stunde Einsatz unseres Lkws nehmen wir 180 Euro“, erklärt Thomas Wybranietz, Mitarbeiter des Pannen- und Bergungsdienstes Neubecker in der Goseburg. „Und für so einen Einsatz brauchen wir eine bis eineinhalb Stunden.“ Ist der Auftraggeber die Polizei, wird das Fahrzeug in die Sicherungshalle des Unternehmens oder direkt auf das Polizeigelände transportiert. Gibt das Ordnungsamt den Vorgang in Auftrag, bleibt es bis zu einem Monat auf dem Gelände, bis es verschrottet wird. Der Aufbewahrungstag kostet je nach Größe sechs bis zwölf Euro.

„Bisher konnte der Halter noch nicht ermittelt werden“, sagt Polizeisprecher Richter. Denn obwohl Wagen mit osteuropäischen Kennzeichen bundesweit am häufigsten abgestellt werden, ist die Fahndung nach den Besitzern deutlich komplizierter als innerhalb deutscher Grenzen. Der Schriftzug unter dem Kennzeichen könnte möglicherweise helfen: ein Autohaus in Bad Segeberg.

Von Ina Freiwald