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Deutsche und britische Pioniere haben an dr Elbe ihre Partnerschaft mit einem Brückenschlag gefeiert -- und da mit auch vielen Zivilisten den Weg über den Strom geebnet. Foto: lz&kre

Zu Fuß über die Elbe

Artlenburg. „Die Fahrzeuge erinnern an kleine Wohnhäuser. Dass so etwas überhaupt schwimmen kann…!“ Carola Jörns ist schwer beeindruckt. Und die Melbeckerin war gestern Morgen nicht die einzige, die der Bundeswehr-Technik und der Leistung der Soldaten Respekt zollte. Keine Frage, der Brückenschlag über die Elbe mit 24 Amphibien-Fahrzeugen, gemeinsam mit Reservisten des britischen 28th Amphibious Engineer Regiment, war nicht nur für die Soldaten eine spektakuläre Aktion.

Mehrere Hundert Bürger hatten sich am und auf dem Deich bei Artlenburg eingefunden, um das Spektakel live miterleben zu können. Wie berichtet, hatten die Pioniere des Panzerpionierbataillons 130 aus Minden seit Anfang der Woche für diesen Tag geübt. Dabei konnten sie gestern ihren eigenen Rekord unterbieten. Nur etwas mehr als 24 Minuten benötigen die Spezialisten, um die 24 Schnellschwimmbrücken Amphibie M3 zu einer Brücke zusammenzukoppeln. Beim Probelauf am Mittwoch dauerte das noch 28 Minuten.

Andrea Gantzke (52) und Sarah Loose (26) gehören zu denen, die sich den Gang über die Militärbrücke auf keinen Fall entgehen lassen wollen: „Endlich ist mal was los in Artlenburg“, scherzen die beiden Frauen, die die 242 Meter lange Amphibien-Brücke mit „Hope“, ihrem Husky, ablaufen. „Das letzte Mal, als ich zu Fuß über die Elbe gehen konnte, war, als der Strom zugefroren war“, erinnert sich Sarah Loose. „Und damals war ich noch ein Kind.“

Carola Jörns ist eigens mit Tochter Greta aus Melbeck an die Elbe gekommen, um den Brückenschlag mitzuerleben. Foto: kre

Als ein „wunderbares Erlebnis“ empfindet auch Gerda Brügmann den ungewöhnlichen Brückenspaziergang. Gemeinsam mit Enkelin Alva-Johanna hat die Artlenburgerin bereits dem Aufbau der Brücke zugeschaut. Dass Kinder auf diese Weise spielerisch an militärisches Großgerät herangeführt werden könnten, diese Sorge hat die Art­lenburgerin nicht: „Ach was, die Kinder finden einfach nur die Technik und das Erlebnis toll.“

Auf der Tribüne hat neben deutschen, britischen und niederländischen Soldaten auch eine Abordnung der US-Streitkräfte Platz genommen. Zwei US-Offiziere sind eigens zum Brückenschlag über die Elbe aus ihrem Europa-Hauptquartier mit Sitz in Wiesbaden nach Artlenburg gekommen. Deutsche Pionier-Offiziere wundert das nicht: „Die zeigen größtes Interesse an unserem Brückensystem. So schnell wie wir bekommen die mit ihrem Gerät nämlich keine Brücke über einen Fluss gebaut.“

„Endlich was los in Artlenburg“, finden Andrea Gantzke und Sarah Loose (r.). Der Brückenschlag sei „spektakulär“.

Artlenburg: An diesen Ort hat Generalleutnant Carsten Jacobson eine ganze besondere Erinnerung: „Vor zehn Jahren stand ich hier als Brigadekommandeur am Deich“, berichtet der stellvertretende Inspekteur des Heeres. Denn damals kämpften auch Soldaten aus Munster gegen das Hochwasser, packten Sandsäcke auf den Damm. Jetzt ist Carsten Jacobson also wieder vor Ort – und ganz entspannt: Auf die Frage einer Journalistin, warum eine solche Übung notwendig sei, antwortet der Generalleutnant: „Es ist immer wichtig, dass befreundete Nationen auch zusammen üben.“ Der Bau einer Amphibien-Brücke sei zudem eine hochkomplexe Aufgabe für Spezialisten. „So etwas kann man nicht nur in der Kaserne üben.“

Seit nunmehr 40 Jahren besteht die amphibische Partnerschaft zwischen den Streitkräften Großbritanniens und Deutschlands. Und das Zusammenspiel beider Streitkräfte auf dem Strom beeindruckte am Ende nicht nur Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn (CDU): Der Rathauschef findet es gut, dass die Streitkräfte eine solche Gelegenheit nutzen, um der Bevölkerung zu zeigen, über welche technischen Möglichkeiten sie verfügen.

Für Gerstenkorn eine gelungene Veranstaltung, die zudem eindrucksvoll untermauert habe, dass aus ehemaligen Kriegsgegnern heute Freunde und Verbündete wurden.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Ja, wenn das auch ohne Militär zivil mal gemacht würde, sähen wir das solcher Brückenschlag auch unmilitärisch möglich sein könnte. Und wenn das Militär gar nationenübergreifend sich zivil für unmilitärische Großflussüberquerung einsetztz zeigt es sich auch demokratiestimmig zivil.

    Als Notverteidigungsarmee sieht das Grundgesetz die Bunsdeswehr, nicht als Kampfarmee in der Welt gar noch ohne UNO-Auftrag.