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Den Mord an sieben Frauen in Lüneburg aufklären sollen die Spieler in einem der beiden Escape Rooms, die derzeit in der Hansestadt entstehen. Foto: lz/t&w

„Schnell raus hier!“: Lüneburg bekommt Escape Room

Lüneburg. Normalerweise steht die Realität Pate für die Kopie in der digitalen Welt. Beim neuen Abenteuer-Trend ist es umgekehrt: Escape-Games heißen die kniffligen Gruppenspiele, bei denen ein kleines Team in einen Raum gesperrt wird und versuchen muss, diesen mit Hilfe der darin versteckten Hinweise und Rätsel innerhalb einer bestimmten Zeit wieder zu verlassen. Im Frühjahr soll es ein solches Angebot auch in Lüneburg geben – im ehemaligen Osaka-Fitnessstudio in der Goseburg.

Nervenkitzel für die Hansestadt

Die Idee, den Nervenkitzel in der kleinen Hansestadt zu etablieren, war bei Betreiber Michael Hintz schon Ende 2016 geboren. „Ich bin lange in gehobener Position für eine große Autovermietungsfirma tätig gewesen“, erzählt der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt, „hatte viel gearbeitet und wenig Zeit für Privates.“ Das wollte der Amelinghausener ändern. Nach einer einjährigen Auszeit in Australien, stellte sich die Frage nach der Zukunft – und die war bald beantwortet.

Eine Einladung in einen Escape-Room nach Hamburg sorgte für die Initialzündung: Begeistert vom Konzept, recherchierte Hintz im Internet, spielte in weiteren Städten und fand bald heraus, dass das Abenteuerspiel nicht nur seine wirtschaftlichen Fähigkeiten, sondern ebenso seine kreative Seite ansprach. In Stuttgart stieß er mit Michael Bierhahn auf den Escape-Room-Experten in Deutschland, informierte sich dort – und fühlte sich in seinem Vorhaben gestärkt.

Mit seinen Escape Rooms hat der Amelinghausener Michael Hintz für sich eine neue berufliche Perspektive gefunden. Gleichzeitig bringt er einen bundesweiten Trend nach Lüneburg.

Mitmachen kann jeder

„Die Frage, die sich als erstes stellte, war natürlich die der Wirtschaftlichkeit“, sagt Hintz. Die Antwort, die er erhielt, war ermutigend: „Wo sich ein großes Multiplex-Kino ansiedelt, gibt es ein ausreichend großes Publikum für Escape-Rooms“, so die Aussage – denn die Zielgruppe sei vergleichbar. Zwischen 18 und 30 Jahre alt ist der Großteil der Abenteuer-Spieler, „mitmachen kann aber jeder“, sagt Hintz, denn gefordert ist, was kein Studium und keine Ausbildung garantiert: „Bauernschläue.“

Kombinieren, kalkulieren, assoziieren – aber auch koordinieren: Alles dies sollten die Teilnehmer können, denn gespielt wird nie allein: „Zwei bis sechs oder auch acht Leute bilden eine Gruppe, nur im Team kann die Aufgabe gelöst werden“, weiß Hintz, und die hat es in sich. Hinweise müssen entdeckt, Codes geknackt, Gegenstände gefunden und ausprobiert werden – und das in einer begrenzten Zeit: 60 Minuten bleiben den Spielern, um den Raum zu verlassen.

Wer stecken bleibt, bekommt Hilfe: Über Kameras und Mikrofone ist jede Spielstätte mit einem Spielleiter verbunden, der zur Not Ratschläge gibt. Dieser ist zudem dafür zuständig, die Abenteurer mit der eigentlichen Aufgabe vertraut zu machen: „Es wird eine Geschichte erzählt, in die die Gäste eintauchen“, erklärt Hintz. „Das ist die große Kunst der so genannten Immersion, bei der die quasi virtuelle Welt als die reale empfunden werden soll. Und das gelingt.“

Mord an sieben Frauen

Helfen werden dabei unzählige penibel ausgesucht und gezielt platzierte Requisiten, eine stimmig gestaltete Umgebung, aber auch Gegenstände, die den Akteuren in die Hand gedrückt werden. So sollen beim Spiel „Salzstreuer“, das Hintz für seine Kunden konzipiert hat, die als Bürgerwehr fungierenden Abenteurer mit Handschuhen und Taschenlampen durch ein Fenster in den Escape-Room einsteigen, um dort zurückversetzt in das Jahr 1977 den Mord an sieben Frauen aufzuklären.

Alternativ – und weniger düster – dreht es sich im „Filmriss“ um die Suche nach einem verloren gegangenen Bräutigam. „Die Geschichte ist in Anlehnung an den Film ‚Hangover‘ entstanden“, sagt Hintz, „die Spieler kommen in den Raum, in dem noch alles an den turbulenten Junggesellenabschied der vergangenen Nacht erinnert, mit einem Problem: Der Ehemann in spe ist verschwunden, und die Braut erwartet ihn in einer Stunde.“

Zwei Räume, zwei Geschichten: Damit wird Hintz zunächst starten. Wird das Angebot angenommen, soll mit „bei Hempels unterm Sofa“ mittelfristig eine weitere dazu kommen. Zudem kann auch das Trainingscamp gebucht werden: „Hier gibt es drei beispielhafte Missionen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad, von denen eine gelöst werden muss“, so der Unternehmer, „dadurch bekommt jeder ein Gefühl für das Spiel und seine Anforderungen.“ Und das mit weniger Druck – denn es zählt nicht, was für die wahren Spielstätten gilt: „Schnell raus hier!“

Von Ute Lühr

Hintergrund: Die Ursprünge des Spiels

„Escape the Room“ heißt das virtuelle Abenteuer-Spiel, das Pate stand für die Live Escape-Rooms. Diese fanden bereits vor zehn Jahren in Japan ihren Ursprung und 2011 den Weg nach Europa: In den zahlreichen Ruinenkellern Ungarns bietet ein Unternehmen seitdem Spielräume an.

Die ersten Escape-Rooms in Deutschland wurden 2013 in München ins Leben gerufen – seitdem schießen sie wie Pilze aus dem Boden.