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Marion Tiede (v. l.), Dr. Ursel Krämer, Jürgen Enke als Koordinator, Susanne Reinshagen, Uwe Hennecke und Horst Homburg unterstützen Kinder in der Schule beim Lernen, sie sind Bildungspaten. Foto: be
Marion Tiede (v. l.), Dr. Ursel Krämer, Jürgen Enke als Koordinator, Susanne Reinshagen, Uwe Hennecke und Horst Homburg unterstützen Kinder in der Schule beim Lernen, sie sind Bildungspaten. Foto: be

Gute Geister helfen nicht nur bei Deutsch und Mathe

Lüneburg. Sie helfen Kindern in der Schule, die Probleme mit Mathematik oder Deutsch haben. Sie schenken den Kindern, um die sie sich kümmern, bei Bedarf aber a uch Zeit und Aufmerksamkeit, hören zu und geben Ratschläge. Und das schon seit fünf Jahren. In diesen Tagen feiert das Projekt „Bildungspaten“, kurz „BiPaKi“, ein kleines Jubiläum.­

Ganz klein fing es an, und das war sogar schon vor sieben Jahren, im Herbst 2010: Horst Homburg, bis 2005 war er Direktor der Lüneburger Herderschule, begann, an der Anne-Frank-Schule, Grundschülern zu helfen. „Ich wollte etwas von dem zurückgeben, was ich in meinem Leben erfahren habe. Und was lag da für mich als Lehrer näher, als das im Bildungsbereich zu tun?“

Um Homburg herum sammelten sich schnell weitere Mitstreiter, darunter auch eine direkte Kollegin, Dr. Ursel Krämer, die bis 2007 Direktorin des Lüneburger Johanneums war. „Bald habe ich gemerkt, dass es für mich zu viel wird, wenn wir mit unserem Angebot auch an andere Schulen gehen wollen“, erinnert sich Homburg.

Alle Bildungspaten sind über das Projekt versichert

Unterstützung fand er 2012 beim Regionalverband Lüneburg/Uelzen/Lüchow-Dannenberg der Arbeiterwohlfahrt. „Ich habe auf die Anfrage hin gleich ja gesagt“, erzählt Sozialarbeiter Jürgen Enke, der seitdem das Projekt der Bildungspaten koordiniert. Er kümmert sich um die Vermittlung der Ehrenamtlichen an die Schulen, klärt Termin- und Versicherungsfragen, organisiert Fortbildungen und einen monatlichen Austausch.

Die Strukturen des Projekts Bildungspaten haben sich in den letzten Jahren professionalisiert. Wer Pate werden will, muss etwa ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Alle Bildungspaten sind auch über das Projekt versichert. Die „Neuen“ werden eingearbeitet, „und sie gehen am Anfang bei erfahrenen Bildungspaten mit“, erinnert sich Uwe Hennecke an seine Anfänge als Bildungspate.

Rund 80 Bildungspaten sind zurzeit an 15 Einrichtungen, Grund- und Hauptschulen, Horten und Kindergärten unterwegs. Viele davon sind ehemalige Lehrer, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen, und das in verschiedenen Altersklassen, setzen sich für „ihre“ Kinder ein. „Grundsätzlich kann jeder Bildungspate werden. Er braucht keine pädagogische Vorbildung“, sagt Jürgen Enke. Horst Homburg ergänzt: „Wichtig ist uns auch, dass unsere Bildungspaten langfristige Bindungen mit den Kindern eingehen.“

Beeindruckend ist die Gesamtbilanz der Bildungspaten: So unterstützten sie im Schuljahr 2016/2017 immerhin 482 Kinder, leisteten dabei 8854 Schulstunden. Im Schuljahr 2014/15 waren es 142 Kinder und 4224 Schulstunden gewesen.

Betreuung findet parallel zum Unterricht statt

Die Bildungspaten kümmern sich um die Mädchen und Jungen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen im Unterricht gerade nicht mehr mitkommen und die mehr Zeit zum Lernen benötigen als ihre Klassenkameraden – in der Regel findet eine individuelle 1:1-Betreuung parallel zum Unterricht statt. „Aber wir fördern auch Kinder, die mehr Herausforderungen brauchen“, sagt Ursel Krämer.

Horst Homburg: „Ich gehe immer sehr gern zu meinen Kindern in die Schule. Und wenn ich wieder gehe, weiß ich, ich habe etwas Sinnvolles getan.“ Auch Ursel Krämer preist die Tätigkeit als Bildungspatin: „Man ist recht offen in seiner Zeitplanung. Man muss nicht gleich morgens um acht Uhr in der Schule sein.“

So weit von der magischen Zahl von 100 Bildungspaten ist man gar nicht mehr entfernt, aber die fleißigen Helfer sind sich einig: „Der Bedarf wäre auch für 1000 Bildungspaten da.“ Wer mitmachen will, kann sich unter (04131)759614 näher informieren oder eine Mail schicken an enke@awo-lueneburg.de. Einmal im Monat treffen sich die Bildungspaten im Haus zum Hägfeld der Awo, Bülows Kamp 35. Thema beim nächsten Treffen am Mittwoch, 6. Dezember: „Hilfe bei Leseschwächen von Grundschulkindern.“

Von Ingo Petersen