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Die angedachten Baufelder fürs Gebiet Wienebütteler Weg aus der Luft. Grafik: stadt lueneburg
Die angedachten Baufelder fürs Gebiet Wienebütteler Weg aus der Luft. Grafik: stadt lueneburg

Der Gutachter hat das Wort

Lüneburg. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Am Wienebütteler Weg war jüngst noch mit den Stimmen der Jamaika-Gruppe und der Linken vertagt worden. Nun deutet sich an, dass er im kommenden Bauausschuss am Montag, 11. Dezember, gefällt werden könnte. Abhängig ist das aber davon, ob der von der Stadt beauftragte Gutachter für das Gesamtklimagutachten zu dem Ergebnis kommt, dass weder das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg noch geplante Baugebiete im Osten negative Auswirkungen auf Klimabedingungen in der Innenstadt haben. Der Verwaltungsausschuss (VA) der Stadt hat in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, dass der Gutachter im Bauausschuss vortragen soll.

Laut Informationen der LZ hatte die Verwaltung den Aufstellungsbeschluss im VA erneut zum Beschluss auf die Tagesordnung gesetzt. Ulrich Blanck (Grüne) hatte allerdings Anfang November im Bauausschuss deutlich gemacht: Erst müsse das Gesamtklimagutachten vorliegen, um zu bewerten, ob man das Neubaugebiet realisieren könne. Das hatte Blanck bereits im Juni 2016 eingefordert, nachdem ein Teilgutachten für das Areal vorgestellt worden war. Zuvor war der Aufstellungsbeschluss bereits einmal geschoben worden, weil die damalige rot-grüne Mehrheitsgruppe eine Bürgerbeteiligung gefordert hatte, die inzwischen erfolgt ist.

Aufstellungsbeschluss wurde bereits einmal geschoben

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Salewski hatte den Jamaikanern und der Linken in der Sitzung Anfang November vorgehalten, sie würden „auf Zeit spielen“. Unverständlich mit Blick darauf, das viele händeringend Wohnungen suchten und es dringend geraten sei, das Wohnungsbauprogramm der Stadt umzusetzen. Der Kompromissvorschlag von Birte Schellmann (FDP) lautete: Sobald der Gutachter eine klare Aussage machen könne, gebe es grünes Licht. Oberbürgermeister Mädge konterte da: Das sei nicht gerichtsfest. Nun scheint der Kompromiss doch zum Zuge zu kommen.

Für scharfe Kritik seitens der SPD sorgt in dem Zusammenhang der Antrag von Niels Webersinn, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion und Bauausschussvorsitzender. Der hatte, wie berichtet, in einem Antrag zum VA gefordert, dass die weiteren Schritte für das geplante Neubaugebiet Am Raderbach im nächsten Bauausschuss auf den Weg gebracht werden sollen. Webersinn hatte deutlich gemacht, dass der Aufstellungsbeschluss bereits im September 2015 einstimmig gefasst worden sei. Salewski zeigt sich gelinde gesagt erstaunt darüber, dass einerseits das Gesamtklimagutachten als Grundlage für die mögliche Bebauung Am Wienebütteler Weg gefordert wird, „nun am Raderbach/Ebensberg gebaut werden soll – ohne jede Auskunft über die klimatischen Auswirkungen für die Stadt“. Das ergebe aus Sicht der SPD keinen Sinn und zeige einmal mehr, „dass das Klimagutachten als Argument nur vorgeschoben ist“, so Salewski.

Grundstück Am Wienebütteler Weg ist in städtischer Hand

Auf LZ-Anfrage sagte Webersinn: „Die Forderung nach einem Gesamtklimagutachten ist erst gestellt worden, nachdem wir bereits 2015 der Aufstellungsbeschluss für das Areal Am Raderbach gefasst hatten. Die Beschlusslage innerhalb der Jamaika-Gruppe von Herbst 2016 sieht vor, dass für alle neu aufzustellenden Baugebiete das Gesamtklimagutachten vorliegen muss.“ Das habe er immer so mit dem Oberbürgermeister kommuniziert. „Beim Raderbach hätten wir längst vorangehen können.“ Salewski verweist darauf, dass es sich bei der Fläche um Privatbesitz handele. Das Grundstück Am Wienebütteler Weg sei in städtischer Hand, „bestens geeignet für die im Wohnungsbauprogramm gemeinsam verabredete Schaffung von bezahlbarem Wohnraum“. Und der Gutachter habe im Rahmen des Klimateilgutachtens die Bebauung dort „ausdrücklich für unbedenklich erklärt“. Im VA stimmte die Mehrheit aber dafür, dass im nächsten Bauausschuss über den Stand des Neubaugebiets Raderbach berichtet wird.

Von Antje Schäfer

Mehr dazu:

Widerstand gegen Bebauung „Am Wienebütteler Weg“

Geplantes Neubaugebiet Wienebüttler Weg: Alles nur fürs Protokoll?

„Wir können uns keine Verzögerungen leisten“ — Interview zum Wohnnungsbauprogramm

9 Kommentare

  1. Webersinns Argumentation ist in der Tat verwirrend? Wird Umweltschutz dann hinfällig, wenn ein Baubeschluss VOR der Verabredung von dessen Beachtung getroffen wurde? Sind Lebensqualität und Gesundheit nicht Werte an sich, sondern nur wohlfeile Instrumente wechselseitiger politischer Erpressung? Hält der junge Geschäftsmann vielleicht Aktien im privaten Deal um das geplante Neubaugebiet Am Raderbach?

    Weitere Details zu dem ganzen Komplex erfährt der LZ-Leser im Text von Hans-Herbert Jenckel und den exzellenten Kommentaren darunter: https://jj12.wordpress.com/2017/11/06/lueneburgs-hausgemachtes-sylt-syndrom/#more-271

  2. Mal eine Frage …. was würde passieren wenn wir (Lüneburg) nicht überall neue Baugebiete aufmachen würden ?! Preise würden steigen ?! Tun sie das nicht sowieso ? Man müsste nicht überall Infrastruktur „nachflicken“ … Schulen sind jetzt schon überlastet. Ärztliche Versorgung ist auch nicht besonders gut. Öffentlicher Nahverkehr lässt auch zu wünschen übrig. Viele Neu-Lüneburger werden Ex-Hamburger sein … die müssen nach/von Hamburg kommen zur Arbeit. Westumgehung wird es nicht geben. Schon jetzt sind alle Strassen absolut überlastet. Wo sind die Vorteile für Lüneburg ?! Außer das (ich denke mal ..die üblichen Verdächtigen) einen saftigen Gewinn in die Tasche stecken.

    • Ron, Sie schreiben Quatsch. Wohnraum für Geringverdiener fehlt in großer Zahl. Das ist der Punkt, um den es hauptsächlich geht. Dass sich „alles“ „sowieso“ „irgendwie“ „sonstwohin“ entwickelt, ist eine wenig informative Generalbehauptung, aus der sich jeder bliebige Unsinn folgern lässt, wie man an Ihrer wirren Aufzählung leicht erkennt. Woher wissen Sie, dass „viele Neu-Lüneburger Ex-Hamburger sein werden“? Hat Opa Schowski es Ihnen beim Hühnerknochenlegen geweissagt? Und wer sind „die üblichen Verdächtigen“, von denen Sie „mal denken“, diese würden sich „einen saftigen Gewinn in die Tasche stecken“? Geht’s vielleicht noch ungenauer? Nennen Sie bitte Ross und Reiter oder schreiben Sie einfach „bluberdiblubb“, wenn Sie nicht mehr als „bluberdiblubb“ zu schreiben haben!

      • Sie haben Recht das günstiger Wohnraum benötigt wird. Aber wenn ich mir z.b. das Hanse-Viertel (oder Ilmenau-Garten) anschaue… Ist dort solch Wohnraum entstanden ?! Nein ! Woher kommen die Bewohner dort hauptsächlich ?! Das erste was im Ilmenau-Garten stand, war der Container der HASPA. Gehen sie Mal in die Neubauviertel und schauen sich die Kennzeichen an. Wo gehen die Kinder der Bewohner dort zur Schule ?! Wurden zusätzliche Schulen oder Schulplätze geschaffen (von Kindergärten Mal ganz zu schweigen). Wie sieht die Verkehrslage aus ? Die Bleckede Landstrasse soll in 1-2 Jahren im Bereich Bahnhof saniert werden. Das ist nachträgliches „Geflicke“ !! Achja… Gibt es zusätzliche (dringend benötige) Pendler-Zuge nach HH ?! Die „üblichen Verdächtigen“ !? Wenn die hier namentlich genannt werden, wird solch ein Kommentar schnell Mal nicht veröffentlicht. Aber sie als scharfsinniger Beobachter wissen doch wer gemeint ist. Oder etwa nicht !?

      • Lieber Emil Beck,

        es steht Ihnen frei, eine andere Meinung zu haben als Ron oder wer auch immer und diese auch zu äußern.
        Aber warum sehen Sie es als notwendig an, derart aggressiv und beleidigend zu werden, ohne dass es einen echten Anlass dazu gibt?
        Meinen Sie nicht, dass genau eine solche Form der „Attacke aus dem Nichts“ zu der momentan leider bestehenden, aggressiven Grundstimmung im Netz und auf der Straße beiträgt? Und wenn ja, finden Sie das wirklich gut?

        • Aber warum sehen Sie es als notwendig an, derart aggressiv und beleidigend zu werden, ohne dass es einen echten Anlass dazu gibt?
          dieses hat einen ganz einfachen grund. wer heutzutage nicht übertreibt, wird auch nicht gehört. leider!

        • Detlev Behrens, Sie haben recht. Zwar halte ich meinen Vorwurf an Ron, er schreibe Quatsch, nicht für „derart aggressiv und beleidigend“, wie ganz offensichtlich Sie das tun, sondern nur für flapsig oder allenfalls für frech, aber selbst das war in diesem Fall überflüssig und ungehörig und sollte unter Debattenpartnern nicht vorkommen.

          Ich bitte Ron um Verzeihung.

          Und, nein, ich finde es nicht gut, „zu der momentan leider bestehenden, aggressiven Grundstimmung im Netz und auf der Straße“ beizutragen.

  3. Sehr geehrter Ratsherr Weberinn

    Sie sagten vorgestern der LZ: „Die Forderung nach einem Gesamtklimagutachten ist erst gestellt worden, nachdem wir bereits 2015 der Aufstellungsbeschluss für das Areal Am Raderbach gefasst hatten. Die Beschlusslage innerhalb der Jamaika-Gruppe von Herbst 2016 sieht vor, dass für alle neu aufzustellenden Baugebiete das Gesamtklimagutachten vorliegen muss.“ Das habe er immer so mit dem Oberbürgermeister kommuniziert.

    Aha! Heißt das im Klartext nicht: „Weg da, erst komm ich!“ ?

    Dass der Aufstellungsbeschluss für das Gelände am Raderbach/Ebensbergbereits „bereits im September 2015 einstimmig gefasst worden ist“, der Jamaika-Beschluss, ein vor weiteren Entscheidungen ein Gesamtklimagutachten abzuwarten, aber erst im Herbst 2016, kann doch nicht bedeuten, dass eventuelle Schlüsse aus diesem Gutachten Am Raderbach nicht gelten.

    Kommt es nicht darauf an, was tatsächlich GEBAUT wird, Herr Webersinn, und nicht darauf, was Sie wann dem Oberuli KOMMUNIZIERT haben? Ihnen geht es doch darum, ob eine Bebauung umwelt-, klima- und damit gesundheitsschädlich ist oder nicht. – Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

    Können Sie so gesehen das Toben von Herrn Salewski nicht verstehen, Herr Webersinn, wenn der sich – wie Frau Schäfer betont, „gelinde“, also mit Schalldämpfer über dem Lautsprecher formuliert zu haben – „erstaunt darüber zeigt“, dass einerseits das Gesamtklimagutachten als Grundlage für die mögliche Bebauung Am Wienebütteler Weg vehement gefordert wird, andererseits nun aber „am Raderbach/Ebensberg gebaut werden soll – ohne jede Auskunft über die klimatischen Auswirkungen für die Stadt“?

    Für Ihre Antworten mit Dank vorab, Ihr Dirk Hinrichs

  4. Lieber Ratsherr Webersinn

    Sie sind weiter oben in dieser LZonline-Spalte von zwei LüneBürgernden (w/m) angeschrieben worden.

    Darf ich meine darauf bezogene Frage in die Worte kleiden, die Landeszeitungsstadtredakteur Dennis Thomas am 13. November 2017 für eine Artikelüberschrift fand, nachdem er sein Tête-à-Tête mit Lüneburgs Erstem Kreisrat Jürgen Krumböhmer in der immer mehr und immer schneller ins Unglück rutschenden Arena-Thematik genossen hatte?

    „Kommt da noch was?“

    LG, Ihre Regina Schneider