Dienstag , 18. September 2018
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Kfz-Meister Sven Jentsch (v.l.) führt Botschafter Dr. Ganbat Bontoi Damba und Munkhbaatar Davaasambuu, Sekretär für Wirtschaftsangelegenheiten, durch eine der Schulungswerkstätten des TZH an der Dahlenburger Landstraße. Foto: lz/phs

Mongolischer Botschafter besucht Lüneburg

Lüneburg. Sie wollen es unbedingt: das duale Ausbildungssystem, für das Deutschland so bekannt ist. Binnen nur drei Monaten war zum zweiten Mal eine mongolische Delegation zu Besuch. Im August war es Terbishdagva Dendev, Abgeordneter des mongolischen Parlaments (LZ berichtete). Jetzt wurde Dr. Ganbat Bontoi Damba in Lüneburg in Empfang genommen. Der Botschafter, der erst seit September im Amt ist, hat in Lüneburg unter anderem das Technologiezentrum der Handwerkskammer (TZH) besucht. Es war das erste Mal, dass ein mongolischer Botschafter die Hansestadt besucht.

Interesse am dualen Ausbildungssystem

Die Mongolei sei ein Entwicklungsland, das erst vor knapp 27 Jahren zur Demokratie gefunden habe. „Vor den 90er-Jahren gab es kaum private Firmen, heute macht der Privatsektor 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus“, sagt Damba. „Deshalb brauchen wir dieses Ausbildungssystem dringend, es würde unsere Wirtschaft mächtig ankurbeln.“ Um in der Mongolei Grundlagen für eine duale Ausbildung zu schaffen, sei es aber zunächst wichtig, das Prinzip zu verstehen. „Wir brauchen Lehrer, die entsprechende Technologie und jede Menge Material. Und wir müssen lernen, wie die Handwerkskammern in Deutschland arbeiten.“

Ein erstes Konzept für die deutsch-mongolische Kooperation gibt es bereits, es trägt den Namen: „Der fleißige Mongole“. Es soll dazu beitragen, dass sich mehr Mongolen für eine Berufsausbildung entscheiden. Martin Beyer, Geschäftsführer der A&A Ausbildung und Arbeit Plus GmbH, hat das Konzept gemeinsam mit dem Abgeordneten Dendev erarbeitet. Es sieht vor, dass Mongolen, die bereits Deutsch sprechen, hier eine Ausbildung absolvieren und ihre Expertise dann in ihrer Heimat einbringen.

24 deutsche Kammern sind beteiligt

Das war der Stand im August. Inzwischen hat Beyer mehr zu berichten: „Der Zentralverband des deutschen Handwerks arbeitet an einer Handreichung für Drittstaaten, die Interesse daran haben, ihr eigenes Ausbildungswesen nach dem Muster des deutschen Systems zu modernisieren.“

Daran seien auch 24 deutsche Kammern beteiligt, der Abschluss soll im nächsten Jahr erfolgen. „Dann ist auch ein Symposium in der Mongolei geplant. Dort sollen sich alle Institutionen treffen, die mit dem Ausbildungswesen zusammenhängen, und gemeinsam einen Instrumentenkoffer erarbeiten.“ Denn um das duale System in fremden Ländern auch unterstützen zu können, müsse zunächst eine entsprechende Rechtsordnung geschaffen werden. „Das ist das Fundament für alle Aktivitäten“, sagt Beyer.

Befürworter einer solchen Kooperation ist auch Wolfgang Goralczyk, Abteilungsleiter im TZH. „Ein solcher Austausch ist wichtig, denn er kann gegen den Fachkräftemangel helfen. Wir dürfen uns mit unserem Ausbildungssystem nicht verschließen.“ Er hat dem Botschafter, der gemeinsam mit Munkhbaatar Davaasambuu, dem Sekretär für Wirtschaftsangelegenheiten, aus Berlin angereist ist, einige Zahlen genannt. Ein Beispiel: „Im Kfz-Bereich müssen die Lehrlinge zwölf Wochen überbetriebliche Ausbildung absolvieren. Wir haben ein Internat, sie schlafen dann also in der Zeit hier.“

Insgesamt komme man im Jahr auf 30 000 Übernachtungen. Wer einen handwerklichen Beruf erlernen möchte, muss sich aber nicht auf den Kfz-Bereich festlegen. 124 verschiedene Berufe gibt es in Deutschland, die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade verfügt allein über 101 Werkstätten. 40 gibt es in Lüneburg.

Von Anna Paarmann