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Noch heute prägt das Wohnhaus die Kreuzung am SaLü. Der Entwurf entstand 1929. Foto: sellen

Die Spuren des Franz Krüger

Lüneburg. Sein sichtbares Erbe kennt jeder Lüneburger: den Wasserturm. Doch der Architekt Franz Krüger hat viele Spuren in der Stadt hinterla ssen. Der große Wohnblock am Stern vis-à-vis vom SaLü trägt ebenso seine Handschrift wie die Wandelhalle im Kurpark, Häuser an der Volgerstraße und der Aufgang zum Fürstensaal des Rathauses. Auch der Kämmereiflügel, der gerade saniert und restauriert wird, hat zur Seite der Waagestraße Anfang des 20. Jahrhunderts schon einmal eine Veränderung durch Krüger erlebt. Und das ist nur ein Ausschnitt.

Nun legen der langjährige Schatzmeister des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA), Hans-Herbert Sellen, und der ehemalige Kulturausschussvorsitzende des Rates, Dirk Hansen, ein Buch vor. Schon der Untertitel umreißt das Schaffen des Mannes: „Architekt, Bauhistoriker und Erforscher der Frühgeschichte des Lüneburger Landes.“ In den vergangenen Jahren hat Sellen aus Archiven und im Museum am Wandrahm Quellen zusammengetragen, dabei auch Schriften des Stadtchronisten Dr. Werner Preuß genutzt.

Als Archäologe für das Museum tätig

Krüger, 1873 in Berlin geboren, wuchs in Leipzig auf. Er studierte in Halle an der Saale und in Hannover Architektur. Dort war war er Schüler des Hannoverschen Baurats und Hochschullehrers Conrad Wilhelm Hase, eines Vertreters der Neogotik, schreibt Hansen im Vorwort. Aber auch der sogenannten Heimatschutzarchitektur fühlte er sich verbunden. Abzulesen ist das beispielsweise am Logenhaus an der Hindenburgstraße oder dem Türmchen, das vom Rathausgarten aus zu sehen ist. Als Archäologe war er für das Museum tätig, arbeitete eng mit dem Chef des Museums und Leiter der Ratsbücherei, Wilhelm Reinecke, zusammen. Obendrein engagierte er sich unter anderem im Verein für Denkmalpflege, im Museumsverein und im Verein Naturschutzpark.

Ein Privatleben, zumindest ein bekanntes, scheint der als „einsam und bescheiden“ geltende Mann nicht gehabt zu haben. Der Junggeselle, gern im Mercedes unterwegs, nahm gern Einladungen zum Essen an.

1899 war Krüger auf Anregung des damaligen Stadtbaumeisters Kampf an die Ilmenau gekommen. Erst arbeitete er für die Stadt, dann zog er mit einem Büro an den Altenbrückerdamm 10. Sellen und Hansen schwärmen von der Schaffenskraft Krügers, der die Bauten nicht nur entwarf, sondern auch als Bauleiter vor Ort war.

Erlös aus Buchverkauf fließt in Sanierung

Man kann einen sehr langen Spaziergang durch die Stadt machen und trifft eben immer wieder Krüger: Gebäude der Psychiatrischen Klinik hat er ebenso entworfen wie die Hermann-Löns-Schule im Grimm und das Verwaltungsgebäude der heutigen Avacon an der Lindenstraße. Im Kloster Lüne ist ein Haus nach ihm benannt und auch im Museum gibt es einen Krüger-Bau. Das Brockelt-Haus am Altenbrückerdamm gehört ebenso dazu wie die alte Oedemer Schule, die alte Dienstvilla des Oberbürgermeisters an der Garlopstraße, eine Remise am Lüner Weg.

Zudem hat Krüger, der 1936 starb, sich mit der „Wiederherstellung alter Giebel“ beschäftigt: beispielsweise am Krone-Brauhaus an der Heiligengeiststraße, der heutigen Bäckerei Hesse am Sand und dem Heidkrug-Haus am Berge.

Mit ihrem 158 Seiten starken und vielen Beispielen gespickten Buch wollen Sellen und Hansen, bei dem Museumsverein verbunden, indirekt auch Krüger unterstützen: Bekanntlich wird der Krüger-Bau des Museums in mehreren Schritten in den kommenden Jahren saniert, erste Arbeiten haben begonnen. Der Erlös aus dem Verkauf des Buches soll eben der Restaurierung zugute kommen. Der ALA hat bereits 50 000 Euro zur Verfügung gestellt.

Museumschefin Heike Düselder berichtet, dass der verwinkelte Bau in das Konzept des Hauses eingebunden wird. Energetische und auch barrierefreie Aspekte spielen dabei eine Rolle. Später wolle man das Wirken Krügers durch eine Ausstellung beleuchten. Sie sagt: „Das Buch ist eine gute Grundlage, um auch ein Bewusstsein für den Krüger-Bau zu schaffen.“

Das Werk ist im Lüneburger Museum, im Buchhandel und beim ALA erhältlich und kostet 20 Euro.

Von Carlo Eggeling

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