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Nach den Vorstellungen der Gutachter sollen künftig alle Buslinien aus dem Lüneburger Ostkreis am Lüneburger ZOB enden und nicht mehr am Platz Am Sande halten. Symbolbild: lz/t&w

Ideen für mehr Mobilität

Lüneburg. Die Gutachter sollten jetzt ihre abschließenden Ergebnisse vorstellen, wie ein Zukunftskonzept für die Mobilität in Stadt und Landkreis aussehen kann. Von engerer Vertaktung der Buslinien über eine Ausweitung der Fahrpläne in die Abendstunden bis hin zu einem flexiblen Rufbus-Angebot in der Fläche.

Dass die Vertreter des Beraterbüros „PTV Transport Consult“ im Forum der Berufsbildenden Schulen I in Lüneburg noch einmal den gleichen Vortrag hielten wie bei der mehrstündigen Präsentation der Zwischenergebnisse vor anderthalb Wochen, störte wohl die wenigsten der rund 80 Zuhörer. Diesmal kamen allerdings auch Bürgermeister und weitere Verkehrsexperten zu Wort, äußerten Lob und Kritik am „Integrierten Mobilitätskonzept“ (IMK).

…nicht in Stein gemeißelt

Rimbert Schürmann von PTV relativierte mehrmals die eigenen Ergebnisse, „dass das Konzept nicht in Stein gemeißelt“ sei und „es ist schwer, ein in sich schlüssiges Konzept zu erarbeiten“ in Anbetracht der vielen Faktoren. Da müsse im Zuge der Umsetzung noch viel Detailarbeit geleistet werden, unterstrich auch immer wieder sein Kollege Christian Reuter. Doch das wäre nicht mehr die Baustelle von PTV, sondern von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen (VNO), die im Auftrag des Landkreises Lüneburg den neuen Nahverkehrsplan erstellen soll.

Landrat Manfred Nahrstedt sagte eingangs, es sei Aufgabe des Landkreises, Maßnahmen aus dem PTV-Paket zur Umsetzung auszuwählen. Das kann die Trennung von Stadt- und Regionalbusverkehr sein, eine engere Bustaktung beispielsweise im Abstand von 15 Minuten beim Stadtteil Kreideberg bis hin zu den Rufbus-Angeboten in der Fläche, die kleinere Buslinien ersetzen könnten. Auch die Aufwertung bestimmter Bushaltestellen mit Fahrradstationen könnte eine Rolle spielen. Noch liegt das abschließende Gutachten aber in Schriftform nicht vor. Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer rechnet damit im Januar.

Entlastung des Sandes 

Keine eindeutige Aussage treffen die Gutachter zur Entlastung des Platzes Am Sande vom Busverkehr. Das sei Sache der Stadt Lüneburg, welche Entwicklung sie dort anstrebe. Einzige konkrete Empfehlung: Die Busverkehre aus dem Osten sollten alle am ZOB beim Bahnhof enden. Zudem solle es eine bessere Verzahnung mit den An- und Abfahrtszeiten der Metronomzüge geben.

„Wir kommen seit 25 Jahren mit dem ÖPNV nicht mal von Neuhaus nach Bleckede.“
Grit Richter, Bürgermeisterin Amt Neuhaus

Grit Richter, hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus, rechts der Elbe, sagte: „Ich freue mich, dass wir überhaupt im Boot sind.“ Bisher finde, abgesehen vom Schülerbusverkehr, ein ÖPNV in Amt Neuhaus nicht statt. Sie hoffe, dass es nicht nur blanke Theorie bleibe. „Wir kommen seit 25 Jahren mit dem ÖPNV nicht mal von Neuhaus nach Bleckede.“ Krumböhmer versprach ihr als vorweihnachtliches Geschenk, dass bei der Anschaffung einer neuen Elbfähre die Möglichkeit eines ÖPNV berücksichtigt werde. Zudem sei es politischer Willle, das bereits bestehende Rufbus-Angebot im Nachbarkreis Ludwigslust-Parchim nach Amt Neuhaus auszuweiten, so Krumböhmer.

Hoffnung auf Verbesserungen

Auch Bleckedes Bürgermeister Jens Böther unterstrich seine Hoffnung, dass die angekündigten Verbesserungen alle so kämen. Wie eine vorgeschlagene neue Ringlinie für die südöstlichen Bleckeder Stadtteile. Landrat Nahrstedt beteuerte, dass er dafür sei, zusätzliches Geld in die Hand zu nehmen. Die Mehrkosten für ein kreisweites Rufbus-Angebot und die Anpassungen im regulären Busverkehr bezifferte PTV, abzüglich möglicher Erlöse, diesmal auf 1,49 bis 2,32 Millionen Euro pro Jahr.

Hans-Christian Friedrichs vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) bemängelte zum Abschluss, dass die Bahnhaltepunkte bei den Überlegungen der Gutachter zu kurz gekommen seien. Und Professor Peter Pez von der Uni Lüneburg sagte schließlich: „Der größte Verdienst dieses Verfahrens ist es, dass wir alle darüber geredet haben.“ Es sei ein großer Schritt hin zu einem „lebenden Konzept“.

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. Abends und an Sonntagen ist in Lüneburg der Busverkehr schon extrem schlecht. Man muss bedenken, dass die Stadtbusse ein Gebiet mit 100.000 Einwohnern bedienen. Städte mit ähnlicher Größe haben abends einen 30 Min-Takt (z. B. Weimar, Görlitz etc). Selbst in Stade oder Elmshorn gibt es ab 21 Uhr Ringlinien. Die abendlichen Sammeltaxis sind hingegen keine Alternative, da sie viel zu teuer nicht. Da gibt es nicht mal Ermäßigungen für HVV-Fahrkarten.
    Man könnte ja einfach mal versuchsweise für zwei Jahre einen Abendbus nach Kaltenmoor fahren lassen und diesen Betrieb auswerten. Das ist günstiger als immer neue Gutachten, die dann sowieso nicht umgesetzt werden.

  2. Guenter Schaefer

    … was ich mir dringend wünsche,
    ist ein funktionierendes – P+R – System.