Donnerstag , 20. September 2018
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Zuletzt gefordert waren die Eisbrecher im Winter 2011/12. Damals waren zehn Schiffe im Einsatz und haben das Eis auf der Elbe aufgebrochen wie hier der Eisbrecher „Keiler“. Foto: tja

Geesthacht: Eisbrecherflotte steht bereit

Geesthacht. Leinen los, Väterchen Frost kann kommen – zumindest, wenn es nach den Besatzungen der Eisbrecher-Flotte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WS A) geht. „Unsere Schiffe sind einsatzbereit“, berichtet Andreas Schultz, der Leiter der WSA-Flotte, die in Geesthacht stationiert ist, nach ausgiebigen Tests. Zehn der Spezialschiffe stehen bereit, um notfalls für einen Eisaufbruch auf der Elbe, dem Elbe-Lübeck-Kanal und dem Elbe-Seitenkanal zu sorgen.

Steinbock, Stier und Biber

Als Ersatz für die alten Eisbrecher „Steinbock“ (Baujahr 1954) und „Stier“ (1951) wurden in diesem Jahr die beiden 2014 gebauten Mehrzweckschiffe „Elbe“ und „Biber“ in den Dienst der Eisbrecher-Flotte gestellt. „Wir brauchen also Eis, um zu sehen, ob sich die neuen Schiffe bewähren“, sagt Schultz. Denn die Bundespolitik will verstärkt auf solche Mehrzweckschiffe setzen, um die Baukosten der Schiffe durch einen vielseitigeren Einsatz besser zu rechtfertigen. Schultz: „Außerdem geht uns langsam Wissen der älteren Kollegen verloren, wenn die es vor ihrer Rente nicht an jüngere Kollegen weitergeben können. Eisaufbruch ist eine sehr heikle Aufgabe, da muss man viel Erfahrung mitbringen.“

Bei Tests in den vergangenen zwei Tagen haben die Besatzungen der Spezialschiffe, die auch „Wolf“, „Widder“ oder „Keiler“ heißen, die Maschinen nicht nur bei Probefahrten auf Herz und Nieren geprüft. Natürlich gehörte auch das Fensterputzen zu den Aufgaben, außerdem eine Funktionsprüfung der Küche. Denn während des Eisaufbruchs leben die Besatzungen teilweise wochenlang an Bord. „Ich hoffe nochmal auf ordentlich Eis“, sagt Rainer Schwarck. Für den 64-Jährigen ist es die letzte Saison, bevor er beim WSA aufhört.

Eine Frage der Erfahrung

Er kann von vielen Eisaufbrüchen auf der Elbe erzählen und erinnert sich noch an den Winter 1986/87. „Damals sind wir ohne Kontrolle in die DDR gefahren. Dort saßen wir dann bei Havelberg fest, Pioniere der Volksarmee haben uns freigesprengt“, erklärt Schwarck. 1993 war der „Bison“ am Stauwehr im Eis gefangen. „Das war schon extrem“, so Schwarck.

Die Spezialschiffe fahren immer stromaufwärts gegen das Eis an. Das ist nötig, damit es hinter den Schiffen abfließen kann. Eigentlich arbeiten die Besatzungen nur bei Tageslicht, 2011/12 mussten sie erstmals auch nachts ran – zu gefährlich war die Situation durch Eisbarrieren für die Deiche. Weil der „Bison“ eine neue Maschine bekommt, wird er diese Saison durch den Eisbrecher „Hohensaaten“ aus Eberswalde ersetzt. Denn zehn Schiffe sind nötig, um das Stauwehr bei Geesthacht zu sichern und auch noch den Eisaufbruch starten zu können.

In den vergangenen Jahren war meistens nur ein kurzer Einsatz gefordert, etwa, um die Schleuse eisfrei zu halten oder die schneller zufrierenden Kanäle aufzubrechen. Damit sich Grundeis an der Elbe bildet, muss es einige Nächte und Tage zweistellige Minustemperaturen geben. Das Grundeis steigt dann auf und treibt als Schollen an der Wasseroberfläche. Dort frieren die Schollen bei starkem Frost zusammen. Im Februar 1996 konnte man über die gefrorenen Eisberge die Elbe zu Fuß überqueren.

Von Timo Jann

One comment

  1. Ja, das sind Kraftpakete! Hatte schon mal das Vergnügen im Winter 2010 mit zu fahren! Tolles Foto!