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Die BHZP schafft die züchterischen Grundlagen für die deutsche Schweinehaltung. Jetzt plant sie einen Neubau, doch dagegen klagt die Bürgerinitiative. Foto: A/lz/t&w

Ellringen: Schweinezuchtanlage bleibt umstritten

Ellringen. „Der Landkreis Lüneburg hat die Genehmigung für den Bau einer neuen Schweinezuchtanlage der BHZP GmbH in Ellringen erteilt“, berichtete die Landeszei tung am vergangenen Sonnabend. Doch einen schnellen Baubeginn sieht Thomas Behr noch lange nicht. Jetzt hätten die Gerichte das Wort: „Es gibt bereits zwei Klagen“, berichtet der Vorsitzende der Bürgerinitative (BI) Region Dahlenburg – „eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan und eine Klage gegen das sogenannte Zielabweichungsverfahren.“

Bürgerinitiative reicht Klage ein

Geklagt habe eine Anwohnerin – „und wir als BI unterstützen sie dabei“, sagt Behr, der auch schon die nächste Klage ankündigt: Gegen die immissionschutzrechtliche Genehmigung des Landkreises. „Das werden wir jetzt ebenfalls prüfen.“ Anwohner und BI seien mit ihrem Protest gegen das Millionen-Projekt in Ellringen nicht allein: „Der Landesverband Bürgerinitiative Umweltschutz hat sich uns angeschlossen und ebenfalls eine Klage gegen die Realisierung des Projekts eingereicht“, berichtet Behr.

„Nach über fünf Jahren haben wir jetzt die Baugenehmigung. Natürlich fangen wir an, ganz klar.“
Dr. Conrad Welp, Geschäftsführer

Wie berichtet, will die BHZP GmbH – die Abkürzung steht für Bundeshybridzuchtprogramm – ihre Marktposition weiter ausbauen und die in die Jahre gekommenen alten Stallanlagen durch moderne ersetzen und damit gleichzeitig die Kapazitäten am Standort Ellringen nahezu vervierfachen. Die geplante Tierhaltungsanlage umfasst 746 Sauen, vier Eber, 2 393 Ferkel und 3 168 Jungsauen. Das Unternehmensgelände der BHZP GmbH liegt wenige Hundert Meter außerhalb von Ellringen am Ende einer Sackgasse.

Nichts als industrielle Produktion von Zuchtschweinen?

Seit mehr als 35 Jahren schafft das BHZP hier die züchterischen Grundlagen für die deutsche Schweinehaltung und entscheidet, wie fett oder mager, wie stressresistent oder -anfällig, wie groß oder klein die Schweine auf den Bauernhöfen im Land sind. Das BHZP arbeitet in der sogenannten Basiszucht, sucht durch gezielte Anpaarungen nach dem Schwein, das mit seinen Merkmalen den Anforderungen des Marktes am besten gewachsen ist.

Für Behr und seine Mitstreiter handelt es sich dabei allerdings um nichts anderes als um eine industrielle Stallanlage, die am Waldrand von Ellringen neu gebaut werden soll. „Das BHZP betreibt keine Landwirtschaft, sondern die industrielle Produktion von Zuchtschweinen“, kritisieren die BI-Mitglieder.

105 Seiten umfasse alleine die Normenkontrollklage gegen die Gemeinde Dahlenburg, die den Bebauungsplan aufgestellt hat, und der im November 2016 rechtskräftig wurde. Doch die Rechtmäßigkeit des B-Plans zweifeln die BHZP-Kritiker an: „Der B-Plan zeigt erhebliche Mängel und Fehler auf“, ist Behr überzeugt, deshalb auch die Normenkontrollklage.

„Das hätte so gar nicht passieren dürfen“

41 Seiten dick ist die Klageschrift gegen den Landkreis, die sich gegen das aus Sicht der BI fehlerhafte Zielabweichungsverfahren richtet: Dabei handelt es sich um ein im Raumordnungsgesetz verankertes Verfahren, mit dem es vor allem den planenden Kommunen, aber auch Fachplanungsbehörden möglich ist, von einem verbindlichen Ziel der Raumordnung abzuweichen.

„Das hätte so gar nicht passieren dürfen“, ist Behr überzeugt, schließlich sei das Gebiet, in dem die BHZP bauen möchte, „der Erholung in Natur und Landschaft vorbehalten“. Für die Kläger ist klar: Die geplante Anlage gehört nicht nach Ellringen, „sondern als industrielle Stallanlage in ein Industriegebiet“. Jetzt müssen die Gerichte urteilen, ob sie das genauso sehen. Ein Verfahren ist bereits terminiert: Am 15. März wird das Verwaltungsgericht Lüneburg das Zielabweichungsverfahren juristisch überprüfen.

„Natürlich kann das BHZP jetzt schon bauen“, sagt Behr abschließend, „aber dann auf eigenes Risiko“. Sollten die Kläger die Prozesse gewinnen, müsse die Schweinezuchtanlage zurückgebaut werden. BI-Vorsitzende Behr jedenfalls ist vom Erfolg der Klagen überzeugt: „Wir werden das jetzt durchziehen.“

Und was sagt BHZP-Geschäftsführer Dr. Conrad Welp? „Nach fünfeinhalb Jahren haben wir jetzt die Baugenehmigung erhalten. Natürlich fangen wir an, ganz klar.“ Dr. Welp ist sich auch keiner Versäumnisse bewusst: „Wir haben ein Verfahren gewählt, das auf allen Ebenen alle Beteiligten einbezogen hat. Wir haben alles transparent dargestellt, was wir vorhaben und deshalb auch nach über fünf Jahren Wartezeit die Baugenehmigung bekommen.“ Als erstes werde man jetzt mit der Zuwegung beginnen, „und dann sukzessive die anderen Dinge in Angriff nehmen“.

Von Klaus Reschke

One comment

  1. Wilfried Bergmann

    Tut mir Leid, aber solch ein Schweinedrecksbetrieb gehört nicht nach Ellringen. Er gehört nach nirgendwo in Deutschland. Vielleicht wäre es sogar an der Zeit, weltweit Tiermästerei zu verbieten! Das würde nicht nur der Umwelt gut tun, sondern auch den Menschen! Hoffentlich gewinnen die Ellringer den Kampf gegen diese Schweinemästerei! Viel Glück beim Kampf! Der Landkreis hat genehmigt. Soso, die Bürgerinteressen stehen hinter den Schweinenmästerinteressen. Das ist doch keine „industrielle Produktion von Zuchtschweinen“, nein für jedes Schwein wird eine Betreuerin eingestellt, die das Schwein kitzelt, wenn es Vergnügen braucht, das Schwein an die frische Luft führt. Ist doch logo! Und so ein bisschen Schweinequieken, dient doch auch der Erholung in Landschaft und Kultur! Der Bürger fühlt sich wieder in die 50er zurück versetzt. Nun ja, ein bisschen größer halt alles. Statt 20 sind es jetzt einige tausend Schweine, die laut Naturschützern „zu Tode gequält werden“. Nein dieser Sicht kann ich mich natürlich nicht anschließen! Der Landkreis hat weise entschieden, dort wissen die Entscheider wo Bartel den Most, ähm das Schwein in diesem Falle, holt! In Ellringen, so ein kleines Kaff, da gibt es doch bestimmt keinen Widerspruch. 40 Einwohner, das ist doch mal einen Versuch wert! Möge dieser widersinnige Bau doch noch scheitern. Alles Gute für die BI! Der Entscheid ist einfach widerlich.