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Smartphones lenken vom Stadtverkehr ab. Foto: A

Smombies leben gefährlich

Lüneburg. Der Blick aufs eigene Smartphone kann gefährlich werden, jedenfalls dann, wenn man gleichzeitig die Straße überquert. Dass dies keine Seltenheit ist, hat der Auto Club Europa (ACE) ermittelt. Bei seiner bundesweiten Aktion „Finger weg – Smartphone im Verkehr“ stellte sich heraus, dass mehr als jedes vierte Mädchen (27,3 Prozent) und fast jeder vierte Junge (23,5 Prozent) beim Überqueren der Straße aufs Smartphone starren. Bei den Erwachsenen sind es 14 Prozent der Frauen und 16,4 Prozent der Männer.

Gefahren durch Ablenkung werden völlig unterschätzt

Auch in Lüneburg sind diese sogenannten Smombies unterwegs. Hier hatte der ACE das Verhalten von 1900 Fußgängern an der Scholze-Kreuzung und in der Altenbrückertorstraße untersucht. Günter Schwarz, Vorsitzender des ACE-Kreises Nordheide, nennt das Ergebnis „erschreckend“: Danach haben 23,3 Prozent der Mädchen, 46,6 Prozent der Jungen und bei den Erwachsenen 18,4 Prozent der Frauen und 17,5 Prozent der Männer ihr Smartphone, aber nicht den Verkehr im Blick. „Dies zeigt, dass die Gefahren durch Ablenkung völlig unterschätzt werden“, sagt er und appelliert an Politik und Polizei, gegebenenfalls über Strafen nachzudenken. us

15 Kommentare

  1. Und der ADAC hat ermittelt, jedes fünfte Kind in Deutschland (folglich auch in Lüneburg) kann am Ende seiner Grundschulzeit nicht vernünftig lesen und schreiben, und bevor jetzt wieder das allgemeine Gequengel anhebt von wegen Iglu-Schock, Rückschlag im internationalen Bildungswettbewerb usw.: Ich find’s eigentlich ganz gut.

    Weil, es ist doch so. Dieses fünfte Kind ist ja ohnehin keins von uns: Zuhause wird weder richtig (oder überhaupt) deutsch gesprochen, noch stehen (gute!) Bücher im Regal, und die Schule, nicht wahr, kann auch nicht immer alles reparieren, was im Elternhaus verbrochen wird. Die protestantische Idee ist doch, daß der liebe Gott es den Seinen nach deren Mühen zuteilt, und wenn ein Kind nicht lesen lernt, dann ist das nur gerecht; wie es umgekehrt ganz ungerecht wäre, wenn die Kinder, wo zuhause RTL oder Auslandssender läuft, genauso prima lesekompetent wären wie unsere.

    Diese Kinder nach vier Schuljahren voneinander zu separieren ergäbe ja auch gar keinen Sinn, wenn sie alle gleich gut wären, und auf unseren Gymnasien, Entschuldigung, ist weiß Gott genug los, da muß man dann schon sehen, wo man die Mittel konzentriert. Ohne zukünftige Leistungsträger geht es ja wohl nicht! Und braucht denn wirklich jedes Kind ein Abitur? Also, unsere Kinder natürlich schon, das hat was mit der Geschichte des deutschen Bürgertums zu tun, das Leute ohne Abitur für Honks hält. Aber irgendwer muß ja schließlich auch Häuser mauern oder Müll wegfahren, und stand das nicht neulich in der Zeitung, daß in Spanien ein Mangel an Feuerwehrleuten herrscht, weil die Leute reihenweise durch den Eignungstest fallen, und war die berechtigte Frage des Redakteurs nicht, warum man Rechtschreibung können muß, um Häuser zu löschen? In derselben Zeitung war jetzt ein Riesenartikel über Amazon, und da liegen die einen Leute auf dem Sofa und bestellen den ganzen Tag Quatsch, und die anderen stehen, kaum macht irgendwo ein Vertriebszentrum auf, Schlange für einen Job, weil man für den „nichts können muß“ (Zeitung). Und beides gehört zusammen, volkswirtschaftlich, logisch, überhaupt.

    Es muß dieses Kind, das nicht lesen kann, und ein weiteres, das nur halbwegs lesen kann, auch darum geben, weil sonst die anderen drei nicht aus Haushalten kommen könnten, die sich als bildungsnah bezeichnen, auch wenn sie eigentlich von nichts eine Ahnung haben, aber einen Riesenfernseher mit „Alexa“-Steuerung. Super Interview mit Bono heute: „Können Sie denn nachvollziehen … weil alles transparent und nachvollziehbar war … Ich kann das nachvollziehen“, und derart limitiert daherreden und -übersetzen und trotzdem noch Elite sein geht ja nur, wenn andere noch viel weniger können. Oder eben nichts, hurra!

    Also muß man gezielt dafür sorgen, daß die Blöden sogar noch blöder bleiben wie wir: Zu wenige Lehrerinnen hier, „Schreiben nach Gehör“ da, am besten beides, und schon hat man ein überaus nützliches Drittel Bevölkerung: für die stetig wachsende Nachfrage bei Paket- und Lieferdiensten, aber auch fürs Verachtenkönnen, wobei wir, systemisch günstig, bloß uns selbst verachten, weil wir uns sehen, wie wir wären, könnten wir nicht mehr.

    Bis dahin freilich: Alles gut!

    LG, Stefan

    • Die Frage ist nur: wo ziehem Sie jetzt den Bogen zu dem Artikel?

    • Überlegen Sie mal Herr Müller! Was wollte Stefan Ihnen sagen? Auch in Lüneburg sind die sogenannten Smombies unterwegs. An der Scholze-Kreuzung und in der Altenbrückertorstraße haben 23,3 Prozent der Mädchen, 46,6 Prozent der Jungen und bei den Erwachsenen 18,4 Prozent der Frauen und 17,5 Prozent der Männer ihr Smartphone, aber nicht den Verkehr im Blick. Könnte es einen Zusammenhang geben zwischen der rasant wachsenden Zahl somnambuler Google-, Amazon- und Facebook-Konsumenten, den Leseschwächen von ca. 20 Prozent der Lüneburger Grundschüler und der Unfähigkeit der überwiegenden Zahl von Rats- und Kreistagsmitgliedern, in freier Rede grammatikalisch korrekte Sätze zu formulieren?

  2. @ Wilfried Bergmann Müller

    Die Wahrheit ist: Wir leben, ohne es kommen gesehen oder je gemerkt zu haben, längst in einer Diktatur. Der digitalen Diktatur. Die größte Gefahr für unsere westliche Demokratie kommt unscheinbar daher. Ihr Hakenkreuz ist ein angebissener Apfel, ihre Soldaten eine Armada aus Telefonen, die über den großen Teich zu uns herüberschwappen. Das Dritte Reich war verglichen mit dem, was uns heute widerfährt, erst die Vorstufe: personalisierte Banner-Werbung, Spam-Mails, Menschen, die nur noch über Whatsapp und Zwitter kommunizieren. Man muß sich das einmal vor Augen führen: Heute, im Zeitalter des Internets und mit dem Einzug der Technik noch in den allerletzten Winkel unserer Privatsphäre, wäre es vollkommen unmöglich, Flüchtenden Unterschlupf zu gewähren. Dort, wo der Jude früher einmal seinen Platz gefunden hatte – hinterm Schrank oder neben der Telefonanlage – steht jetzt längst ein Modem, ein Drucker oder ein Grammophon. Die Technik ersetzt den Menschen, und die Schwachen trifft es zuerst.

    Warum lassen wir das zu? Weil es so bequem ist. Klar, die Technik hat auch Vorteile. Ich kann heute mit einem Computer theoretisch innerhalb weniger Minuten eine SMS schreiben, das war vor hundert Jahren noch undenkbar. Aber die Technik verblödet uns auch, und wir verlernen das Wesentliche. Wann waren Sie das letzte Mal am Brunnen Wasser holen? Wissen Sie überhaupt noch, wie ein Eimer funktioniert? Wir haben jeden Tag die Möglichkeit, aus dem System auszusteigen. Bio kaufen reicht da nicht. Selber machen lautet die Devise: Einfach mal selbst die Bremsscheiben reparieren, mit Waldkräutern und Fliegenpilzen experimentieren statt zum Arzt zu gehen, Schnaps selber brennen und einfach mal ein paar Jahre im modrigen Kellerloch bleiben, anstatt in den Urlaub zu fliegen. Ich lebe so seit vielen Jahren, und es hat mir nicht geschadet. Mit dem Internet und all den modernen Gadgets kommt eine ganze Kaskade an unmenschlichem Gedöns auf uns zu, und die Demokratie wird Schluck für Schluck ausgehebelt. Versuchen Sie mal mit einem I-Phone und einem Laptop über die einfachsten Grundsatzprobleme unserer Gesellschaft zu diskutieren. Da kommt rein gar nichts von Seiten der Technik, außer dann und wann einmal ein verhaltenes Vibrieren oder irgendein „Pieps“ oder „Tuut“, und am Ende schalten sich die feinen Herren Geräte auch noch einfach selbst ab. Das hat mit Dialog, so wie ich ihn auf dem Gymnasium noch gelernt habe, nun wahrlich nichts mehr zu tun.

    Wer mit moderner Technik kommuniziert, muß zwangsläufig verblöden. Wir merken das aber leider nicht mehr, weil wir längst drauf und dran sind, den Verstand zu verlieren. Das ist durchaus gewollt so. Ein Beispiel: Während ich immer weniger verstehe, wissen die Internetkonzerne alles über mich! Alles! Denn all diese bunten Apps sind nur trojanische Pferde, mit denen die Konzerne meine Gedanken stehlen wollen. Das sollte viel mehr Menschen außer mir angst machen. Die Welt ist in Gefahr, und nur ein klarer Kopf kann uns retten.

  3. Sehr geehrter Klaus Bruns, der Medizin-Nobelpreisträger und Synapsen-Sympathisant Thomas Südhof hat in der FAZ erklärt, warum die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones so ungesund ist für unsere – Moment, jetzt pfeift’s hier gerade … mmh, heute abend Vorglühen bei Kerstin, soso – warum das die Psyche nicht recht verträgt. Unsere exzessive Smartphone-Nutzung und dazugehörige Phänomene wie Suchtgefährdung, Burnout, Angst vor sozialem Ausschluß, Konzentrationsprobleme, das sind alles – jetzt pfeift’s schon wieder: Mensch, die Lara, fast vergessen … sind also alles so Problemchen heutzutage. Und unsere Psyche, so Südhof, halte nicht gerade viel davon, ständig erreichbar zu – och nö, nicht der schon wieder! Die Folge seien Suchtgefährdung, Konzentrationsprobleme, Burnout – und was hat sich Tom eigentlich bei diesem beschissenen Profilbild gedacht? Hey, Anni, bist du’s? Ja, warte mal, muß nur mal schnell diesen Artikel fertig, äh … Dings.

    • Babsi Hübner
      schmunzeln, sie haben mich gerufen? früher ging man in die telefonzelle um wichtiges zu erzählen. dann kamen die handys. sie wurden immer kleiner, der blödsinn, der verbreitet wurde aber immer größer. gottseidank hatten viele menschen zu große hände und nicht jeder buchstabe wurde zielgenau getroffen. bei den smartphones wurde es spannend. es wurde feucht durchgewischt , um in das richtige menue zu kommen. dabei wird aber viel konzentration benötigt. somit wurde schon so mancher laternenpfahl ein opfer. aber schön sind die selfies schon manchmal. besonder, wenn sie am abgrund, oder auf dem klo gemacht werden. es ist dann immer spannend, überlebt diese person, oder nicht?

  4. Nicht nur Lüneburger Rats- und Kreistagsmitglieder haben dieses Problem, Jo. Über 70 Prozent der Kinder im Krippen- und Kita-Alter nutzen Ärzten zufolge das Handy ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich. Das sind die Lieblingsbeschäftigungen der Kleinen:

    ▶ WhatsApp-Krabbelgruppen erstellen
    ▶ Mama und Papa um drei Uhr nachts aus dem Bett klingeln
    ▶ Interessante Kontakte im Darknet knüpfen
    ▶ Spielkameraden unterdrücken
    ▶ Neue Kinderlieder entdecken (Sni-Sna-Snapchat)
    ▶ Ein Mobile(e) basteln

  5. Auf Twitter, Instagram oder Facebook fühlen wir uns zu Hause. Trotz der negativen Aspekte der Plattformen glauben die meisten von uns, dass sie das menschliche Zusammenleben ein Stück besser machen.

    Dieser These kann ausgerechnet der Facebook-Ex-Vizepräsident für Nutzerwachstum, Chamath Palihapitiya, nichts abgewinnen. Im Gegenteil! Er warnte bei einer Podiumsdiskussion an der Stanford Graduate School of Business, dass soziale Netzwerke „die Kernfundamente des menschlichen Verhaltens“ untergraben würden. Die Nutzung von diesem „Scheiß“ verbiete er seinen Kindern. Jetzt wurde ein Video der Veranstaltung, die am 13. November stattfand, veröffentlicht: https://www.youtube.com/watch?v=PMotykw0SIk

    Darin können nun alle mitverfolgen, wie Palihapitiya davor warnt, dass Facebook uns programmiere, indem es die Menschen mit „schnellem Dopamin“ in Form von Likes und Herzchen belohnt. Damit zerstöre es den gesellschaftlichen Diskurs und menschliche Kooperation.

    Noch schlimmer: Die schnelle Belohnung führe dazu, dass wir unser Selbstbild nur noch auf schnelllebiger Popularität aufbauen und das perfekt inszenierte Bild dann mit der Realität verwechseln. Dabei sei alles nur Fake, denn die Freude am digitalen Zucker währe nur kurz. Wir fühlten uns „noch leerer als zuvor“ und landeten in einem Teufelskreis, in dem wir uns ständig fragten, wie wir uns als Nächstes darstellen müssen, um belohnt zu werden.

    Chamath Palihapitiya empfiehlt jedem, den „harten Bruch“ mit Facebook zu machen. Er selbst empfinde große Schuld, an den Instrumenten von Facebook mitgearbeitet zu haben.

  6. Norbert Kasteinecke

    Und bitte nicht vergessen :

    >Schuld für die zunehmende Behinderung von Rettungskräften sei vor allem das Smartphone. (Harald Kreft vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB))
    Also die Smombies.
    Jetzt haben wir den rosa Elefanten doch noch gefunden – puhhh, das war schwer.

    • Klar Kasper Kasteinecke, es gibt wenige Deutsche, bei denen sich der erste Satz im Wikipedia-Artikel so spannend liest wie bei Horst Mahler.

  7. Mehr geht nicht, Plüschflaschenwerfer Kasteinecke?

    Schade!

    Übrigens, in die Kameras der Welt zu rufen: »Ich bin ein intelligenter Mensch!« – würde so etwas ein wirklich intelligenter Mensch von sich behaupten? Ist das nicht so, als würde ein bescheidener Mann seinem Gegenüber erklären: »Ich bin bescheiden, viel bescheidener als Sie begreifen können«?

    Ach, das haben Sie neulich auch schon von sich gegeben? Sie machen es uns langsam echt zu einfach.

  8. Nominiert für das Jugendwort des Jahres war 2017 der Begriff „Selfiecide“ – Tod durch den Versuch, ein Selfie zu machen. Jussi Adler-Olsen hat aus diesem Phänomen einen ganzen Roman gesponnen: „Sonderdezernat Q: Carl Mørck, Fall Nr. 7: Selfies“. dtv, München 2017

  9. Karl Lagerfeld, das wissen wir jetzt auch, haßt Selfies. „Ich hasse Selfies“, soll er im Januar der New York Times versichert haben, um jetzt zu präzisieren: „Ich mache keine Selfies. Aber andere Leute machen das, und sie alle wollen Selfies mit mir machen. Aber Gott sei Dank ist da mein Assistent Sébastien. Er ist fies zu den Leuten auf der Straße, fies und rüde. Ich bin ja eher ein netter Mensch.“ Der Assistent ist ehemaliger Boxer und laut Boulevard „bekannt dafür, nicht lange zu fackeln“ (t-online.de).

    So soll es sein.

    „Mit Tottenham und Arsenal verbieten zwei weitere Vereine [der englischen Premier League] die sogenannten Selfie-Sticks in ihren Stadien. Die ausziehbaren Stöcke, die von immer mehr Touristen und Fans genutzt werden, helfen beim Fotografieren der eigenen Person. Die Vereine begründen das Verbot damit, daß die Stöcke als Waffen eingesetzt werden können“ (faszination-fankurve.de), wo nicht damit, daß man das schöne Eintrittsgeld doch nicht bezahlt, damit hinterher das Internet weiß, daß man bei Tottenham vs Arsenal im Stadion war.

    Gut dem Dinge.

    In den USA haben mehrere große Museen ihren Besuchern die Benutzung sogenannter Selfie-Sticks verboten. „Die Kunst könnte unter dem Fototrend leiden, heißt es“ („Spiegel online“). Auch in den Florentiner Uffizien kann man sich jetzt wieder auf das Gezeigte konzentrieren statt darauf, seine Fresse vorm Gezeigten zu verewigen.

    Es gibt sie noch, die guten Nachrichten.

    Das ist, versteht sich, alles Ressentiment, denn natürlich wollte man im Urlaub auch immer mal mit aufs Urlaubsfoto, wenn hinter einem die Akropolis war. Auf die Idee, mich vor Picassos „Guernica“ ablichten zu lassen, bin ich allerdings nicht einmal mit 17 gekommen, ja nicht einmal darauf, das Gemälde überhaupt zu fotografieren, weil ich, noch ein paar Jahre vor der Benjamin-Lektüre, immerhin die Ahnung hatte, es sei nicht nötig noch sinnvoll, mit dem Zug durch halb Europa zu fahren, nur um ein Artefakt viel schlechter zu reproduzieren als auf der Postkarte im Museumsshop oder, dümmer noch, durch Beigabe meines Aknegesichts zu verunstalten. Jeder, glaubte Beuys, ist ein Künstler, was sicher Schwachsinn ist, aber auch nicht schwachsinniger als die verwandte Annahme, jeder sei ein Kunstwerk, dessen funverzerrtes Adabei-Grinsen neben der Mona Lisa irgend etwas zu suchen habe. Laut sind die Klagen über die Kulturschändereien des Islamischen Staates, und zwar zu Recht, denn wenn er so weitermacht, sind im Mittleren Osten bald keine Kulturschätze mehr da, neben denen sich unterm Dauerfeuer des Seriellen zur Höchstform auflaufende Existenzen ihrer sog. Individualität versichern könnten. Die es primär halt gar nicht mehr gibt, sondern bloß noch als Abziehbild im Sozialnetzwerk.

    Am Aachener Uniklinikum haben sie mittlerweile acht (!) Pflegekräfte entlassen müssen, die sich und wehrlose Notfallpatienten per Selfie verewigt haben. „Nach Informationen von Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung sollen Patienten für die Aufnahmen geschminkt und die Bilder über Whatsapp verbreitet worden sein“ (Zeit.de). Je weniger es zu verewigen gibt, desto besinnungsloser wird’s getan. Gewinnen läßt sich dieser Wettlauf nicht.

  10. Eine begrüßenswerte Seuche
    Nichts dringt ans Ohr,
    Null akustischer Müll.
    Kein Schwafel, kein Brüll,
    das stille Idyll.

    Kam noch nirgends nicht vor,
    meines Wissens nie.
    Wäre aber mal höchste Zeit für diese Pandemie,
    Weltweit keine einzige labernde Lippe
    dank Schweigegrippe.