Donnerstag , 20. September 2018
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Das Baugebiet Wienebütteler Weg kommt – mit den Ideen der Anwohner? Foto: a/lz/t&w

Baugebiet Wienebüttler Weg: Was wird aus dem Gutachten?

Lüneburg. Es war ein Mammutprojekt: Ein halbes Jahr lang saßen Stadtplaner, Verkehrsexperten, Klimaschützer, skeptische Anwohner, erwartungsfrohe Bauwillige, üb erzeugte Radfahrer und langjährig Verkehrsgeplagte zusammen, zerbrachen sich in zahlreichen mehrstündigen Workshops den Kopf und berieten unter Mitwirkung eines 18 000 Euro teuren Moderators, wie das neue Baugebiet am Wienebütteler Weg aussehen soll. Mitte Juni das Ergebnis: Lüneburgs erstes Bürgergutachten, eine Zusammenfassung der Wünsche und Vorschläge aus den gemeinsamen Arbeitsrunden. Nun soll im Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss für das künftige Baugebiet gefasst werden. Welche Rolle spielt dabei das Bürgergutachten?

„Der Aufstellungsbeschluss ist der Startpunkt der beiden parallelen Bauleitplanverfahren, der Flächennutzungsplanänderung und der Aufstellung des Bebauungsplans. Üblicherweise liegen dafür bereits erste Vorentwürfe vor. In diesem Falle waren Planungswerkstätten und das Bürgergutachten vorgeschaltet“, sagt Daniel Gritz, Pressesprecher der Stadt, und listet auf, welche gutachterlichen Aussagen für die Baugebietsplanung bereits vorliegen: Ein klimaökologisches Gutachten mit Aussagen zu Auswirkungen der geplanten Bebauung auf Kalt- und Frischluft sowie das Empfinden der Menschen auf Witterungseinflüsse vom Areal bis zur Innenstadt, eine Untersuchung zu Flora und Fauna mit Hinweisen zu weiteren Untersuchungserfordernissen während des Verfahrens sowie Verkehrszahlen im Gebiet und in der näheren Umgebung.“

Die Euphorie des Anfangs scheint inzwischen gewichen

An der Erarbeitung des Bürgergutachtens hatte auch die Bürgerinitiative Brockwinkler Weg mitgewirkt, in der sich Bewohner des Gebiets um den Wienebütteler Weg zusammengetan haben. Sie haben sich im Ergebnis auch positive Auswirkungen auf die problematische Verkehrssituation im westlichen Lüneburg erhofft. Inzwischen aber scheint die anfangs euphorische Stimmung der Beteiligten einer nüchternen Betrachtung zu weichen. Stefan Pröhl, Mitglied der Bürgerinitiative:: „Die großen Erwartungen aus der vorzeitigen Bürgerbeteiligung werden nach und nach begraben. Die alten Abläufe werden offenbar wieder eingehalten: Erstmal bauen und die Verkehrsentwicklung beobachten, bis keiner mehr nachfragt.“

Das sieht die Stadt anders. Sie erklärt, dass in enger Abstimmung mit dem Klimagutachter ein städtebauliches Konzept erarbeitet wurde, in das auch Anregungen aus dem Bürgergutachten eingeflossen seien. „Damit liegen in diesem besonderen Fall bereits zum Aufstellungsbeschluss detaillierte Erkenntnisse zum Plangebiet und den Entwicklungsvorstellungen vor“, sagt Gritz.
So sollen aus dem Bürgergutachten unter anderem die Anregungen zur verkehrlichen Optimierung der Erschließungs-Vorplanung und zur Verkehrsberuhigung mit einfließen, die Versiegelung soll begrenzt und es soll auf eine Blockrandbebauung zugunsten von Einzelhäusern verzichtet werden. Auch soll das angeregte „Lebendige Quartierszentrum“ mit kleineren Läden, Gemeinschaftsflächen oder Kleingewerbe planungsrechtlich ermöglicht werden. „Es wird ein Mix aus 40 Prozent sozialem Wohnungsbau, Wohnprojekten/Baugruppen sowie Selbstnutzern/Familien angestrebt und es wird ein Energiekonzept geben“, sagt Gritz. Außerdem wird der sogenannte Grüngürtel West erhalten.

Ob es aber auch so kommen wird, ist damit noch nicht ausgemacht. Gritz: „Die Inhalte des städtebaulichen Konzepts sind jedoch im weiteren Planverfahren, ebenso wie die eines groben Vorentwurfs, nach den Vorschriften des Baugesetzbuches abzuwägen und gegebenenfalls zu verändern.“ us

One comment

  1. Regina Schneider

    Hallo Herr Stüwe,

    ich verstehe das nicht. Hatten Herr Blanck (GRÜNE) und Herr Webersinn (CDU) nicht das Gesamtklimagutachten gefordert, BEVOR im Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss für das künftige Baugebiet gefasst werden kann?

    Das liegt doch noch nicht vor, ja, es ist meines Wissens noch nicht einmal beauftragt, oder?

    Und dass die Energie der am Bürgergutachten mitwirkenden Einwohner abgenommen zu haben scheint, sollte für den Rat und die Verwaltungsleitung kein Grund sein, dessen Ergebnisse zu missachten oder kleinzureden. Trotz der etwas verschlafenen Initiative Brockwinkler Weg, in der viele Anwohner zur Zeit vemeintlich bloß noch nominell mitmischen, existiert das Interesse der unmittelbar Betroffenen und mittelbar Beteiligten weiter. Der gegenüber der Ratsvertretung und der Verwaltung geringere Organisationsgrad von engagierten Bürgern sollte die Organe nicht dazu verführen, deren Anliegen und die Aufmerksamkeit zu unterschätzen, mit der jene verfolgen, ob diesen auch entsprochen wird.