Aktuell
Home | Lokales | „Kawuppdich“ – ein Synonym für Stärke
Felix Thönnessen berät Gründer für die TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Foto: lz/t&w

„Kawuppdich“ – ein Synonym für Stärke

Lüneburg. Am Anfang stehen Zweifel, existenzielle Sorgen, aber auch Bequemlichkeit. Ist es die richtige Entscheidung, das Beamtenverhältnis für eine Idee aufzugeben? Wer Felix Thönnessen fragt, bekommt den nötigen Schubser. Er ist selbstständig und erfolgreich – als Trainer, Start-up-Coach, Dozent, Autor. Der 37-Jährige berät seit vielen Jahren Teilnehmer der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“ beim TV-Sender vox und all jene, die ihren Traum in die Tat umsetzen möchten. Jetzt war er in der Lüneburger Industrie- und Handelskammer zu Gast – zum Startschuss einer Finanzierungsplattform.

IHK holt sich Fernseh-Coach 

„Heidecrowd“ ist ein Projekt, das die IHK gemeinsam mit der Leuphana, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen, den Sparkassen Lüneburg und Harburg-Buxtehude, der NBank und der Volksbank Lüneburger Heide entwickelt hat. Die Internetseite, erreichbar unter www.heidecrowd.de, ist als Regionalplattform innerhalb des größten deutschen Crowdfunding-Portals angelegt: „Startnext“ hat bislang mehr als 5400 erfolgreiche Projekte auf den Weg gebracht, fast 49 Millionen Euro einsammeln können. Die Idee dahinter: Potenzielle Gründer stellen auf der Plattform ihr Projekt vor und können es mit der Unterstützung vieler Menschen finanzieren. Gleichzeitig bauen sie so auch eine Community, also eine Öffentlichkeit, auf.

Sönke Feldhusen, IHK-Bereichsleiter Unternehmensgründung und -förderung: „Wir wollen damit Gründungen sichtbarer machen. Der Arbeitsmarkt brummt, die Demographie schlägt zu. Jugendliche haben heutzutage die Auswahl, den Wandel in Richtung Start-ups möchten wir mit unterstützen.“ Zunächst sei das Projekt nur auf Lüneburg und Harburg ausgelegt. „Das sind die beiden gründungsstärksten Landkreise.“

„Die meisten Unternehmen scheitern am Geld“

Wie wichtig eine vernünftige Finanzierung ist, weiß Felix Thönnessen. „Die meisten Unternehmen scheitern am Geld.“ Banken benötigen Sicherheiten, bevor sie Kredite vergeben. Da soll Heidecrowd Abhilfe schaffen. Markus Streichhard von Startnext sagt: „Die Crowdfunding-Kampagne ist quasi ein Markttest. Die Leute müssen überzeugt werden, ein Produkt zu kaufen. Und wer es wirklich haben will, ist auch bereit, dafür Geld auszugeben.“

Als Beispiel führt er die Entwicklung der Unverpackt-Läden in Deutschland an. „Der Original-Laden ist vor drei Jahren in Berlin entstanden. Eine 22-Jährige wollte ihr Gemüse nicht mehr in Plastikverpackungen kaufen. Über Crowdfunding hat sie 4000 Unterstützer und Kunden gewonnen, einen Bankkredit dazu.“ Der Markttest hätte gezeigt, dass die Gesellschaft bereit sei für einen Laden ohne Verpackungen. „Auf startnext.de wurden seitdem mindestens 20 solcher Läden erfolgreich finanziert. Crowdfunding kann also auch als Inspiration dienen“, sagt Streichhard.

Vor allem braucht aber jeder, der gern selbstständig sein möchte, eine gehörige Portion Zweifel. Thönnessen glaubt, dass man nur dann in der Lage sei, die eigene Idee auch kritisch zu betrachten. Für jeden Gründer hat er außerdem einen ganz persönlichen Tipp: „Kawuppdich“. Der Experte erklärt: Das Wort stamme aus seiner Heimat, dem Rheinland. „Das ist ein Synonym für Stärke und bedeutet, dass jeder mit ausreichend Motivation an ein solches Projekt herangehen sollte.“

Von Anna Paarmann