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Eine Menge Holz wurde jetzt nordwestlich des Ortes Wetzen geschlagen, um Platz zu schaffen für neue Heideflächen. (Foto: be)

Wetzen: Rodungen sorgen für Irritationen

Wetzen. Für Irritationen sorgt eine große Baumfällaktion bei Wetzen. Auf einer mehr als 15 000 Quadratmeter großen Fläche nordwestlich von Wetzen wurden jetzt große Teile eines Kiefernwaldes entfernt, um dort eine Ausgleichsfläche zu schaffen, als Kompensation für den Bau der Windkraftanlagen des Windparks Wetzen. Doch Sinn und Zweck wollen Oliver Zeeck aus Wetzen nicht ganz einleuchten: „Was für eine Ironie, Wald- beziehungsweise Rückzugsflächen der Tierwelt zugunsten der Windkraft zu zerstören“, schreibt der Sprecher des Vereins „Bürgerinitiative Wetzen/Oerzen/Südergellersen (Biwos) in einer E-Mail. Doch der Kreis Lüneburg als Genehmigungsbehörde widerspricht, es soll gerade neuer Lebensraum geschaffen werden.

„Sowohl der Umfang als auch die Wertigkeit dieser Ausgleichsmaßnahmen stehen im deutlichen Widerspruch zum oberflächlichen Deckmantel der Windenergie: dem Umweltschutz“, ärgert sich der Sprecher der Bürgerinitiative, die sich jahrelang gegen die Ansiedlung der Windräder ausgesprochen hatte. Auf LZ-Nachfrage bezieht Kreissprecherin Katrin Holzmann Stellung zu den laufenden Arbeiten für die Ausgleichsfläche: „Das sind starke Auslichtungen und das ist auch richtig so, dort sollen Flächen für Sandmagerrasen und Heide als Lebensraum für seltene Tierarten entwickelt werden.“ Und: „Zusätzlich sollen lichte Waldbiotope entstehen.“ Außerdem sei gar nicht der Landkreis auf diese Idee gekommen.

„Waldauflichtung und Entwicklung von Heideflächen“

Tatsächlich geht diese Ausgleichsmaßnahme auf einen Vorschlag des Beratungsbüros „Planungsgruppe Umwelt“ aus Hannover zurück, die die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 8 „Windpark Wetzen“ bei der Gemeinde Oldendorf/Luhe begleitet hatte. Dabei war die „Waldauflichtung und Entwicklung von Heideflächen“ nur eine von insgesamt fünf Maßnahmen, die zur Umsetzung vorschlagen worden waren. Sie wurden mit dem Bebauungsplan vom Gemeinderat Oldendorf/Luhe vergangenes Jahr auf den Weg gebracht. Allerdings verlaufe die Umsetzung in enger Abstimmung mit dem Fachdienst Umwelt des Landkreises Lüneburg.

In dem damaligen Bericht der Planungsgruppe Umwelt heißt es dazu: „Die Maßnahmen tragen zu einer höheren Vielfalt der Landschaftsstruktur, zur naturnäheren Gestaltung der Übergänge zwischen Wald und Feldflur und durch das Einbringen von gebietsheimischen Pflanzenarten zur besseren Repräsentanz der natürlichen Eigenart der Landschaft bei.“ Die Nadelwaldfläche soll nach der „Auflichtung stellenweise abgeplaggt werden, wenn die Humusauflage eine Mächtigkeit von drei Zentimetern oder mehr aufweist und/oder stark vergrast ist“. Die spätere Pflege der entstehenden Heidefläche könnte beispielsweise durch Beweidung mit Heidschnucken erfolgen.

Biwos haben kein Verständnis für Aktion

Doch die Biwos kommt in ihrem Rundschreiben zu einem anderen Schluss: „Auch mit langjähriger Erfahrung in Sachen Umwelt- und Naturschutz kann die Biwos keine Sinn- und Ernsthaftigkeit in derartigen Maßnahmen (…) erkennen.“ Sprecher Oliver Zeeck urteilt: „Nach dem Fauxpas vom Landkreis Lüneburg in der Gemarkung Oerzen, Waldflächen in Blaubeerfelder umzuwandeln, um Vorranggebiete für Windkraft zu ermöglichen, also der nächste Alleingang.“ Anfang 2014 hatte der Landkreis Lüneburg die Rodung von Waldflächen an der Kreisstraße zwischen Südergellersen und Oerzen genehmigt (LZ berichtete). Bereits 2012 hatte ein Landwirt die sogenannte Waldumwandlung beantragt, um auf den Flächen Blaubeeren anbauen zu können. Zwar erhielt er zur Auflage, auf anderen Teilflächen als Ausgleich eine Aufforstung vorzunehmen. Doch durch die Rodung von Wald zugunsten von Blaubeerfeldern wurde 2014 weiterer Platz für die Ausweisung von Windenergie-Flächen geschaffen. dth

3 Kommentare

  1. „Was für eine Ironie, Wald- beziehungsweise Rückzugsflächen der Tierwelt zugunsten der Windkraft zu zerstören“, … „Doch der Kreis Lüneburg als Genehmigungsbehörde widerspricht, es soll gerade neuer Lebensraum geschaffen werden.“ Bedeutet das die einen müssen weichen damit andere (vielleicht) kommen können?
    „… Kreissprecherin Katrin Holzmann …“ . „Das sind starke Auslichtungen und das ist auch richtig so, dort sollen Flächen für Sandmagerrasen und Heide als Lebensraum für seltene Tierarten entwickelt werden.“ Na ob die seltenen Tierarten dann auch kommen? Wurden sie schon eingeladen?
    Und jetzt kommt der schönste Satz. Ein Satz den man immer wieder liest wenn Stadt oder Landkreis auf Problematiken angesprochen werden: „Außerdem sei gar nicht der Landkreis auf diese Idee gekommen.“ Verantwortlich ist man scheinbar nie. Man genehmigt und begleitet das dann nur. Och wie schön.
    Bezogen auf den letzten Abschnitt in dem Artikel sollten wir in den kommenden Jahren aufmerksam verfolgen was weiter auf dieser Ausgleichsfläche geschieht.

    • das ganze stinkt tatsächlich. ist wie in reppenstedt.dort wurde gefällt um die hochspannungsleitung nach krümmel frei zu bekommen. es wachsen dort jetzt vereinzelt eine erika. und weil birken sehr hartnäckig sind, wird die ,,ausgleichsfläche,, regelmäßig platt gemacht. tiere sieht man dort keine mehr. früher war es ein paradies für vögel. das gezwitscher war lauter, als im vogelpark walsrode. der wirtschaft wird gern die umwelt , sprich natur, geopfert. nicht vom bürger, nur von lobbisten.

  2. Aber die Befürworter dieser Aktion wissen schon das die Lüneburger Heide durch Menschenhand entstanden ist,oder?
    Naja, vielleicht will einfach noch mehr Touristen anlocken mit einer noch größeren Heide.