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Diese Linde an der Uelzener Straße ist eine von insgesamt 250 Bäumen, die von der Stadt auf die Baumfäll-Liste gesetzt wurden und weichen müssen. (Foto: phs)

Drei Bäume erhalten eine Gnadenfrist

Lüneburg. Es ist ein jährliches Ringen: Welcher Baum muss weichen, welcher darf bleiben? Wenn die Stadt zum Jahresende ihre Baumfäll-Liste vorlegt , schauen die Mitglieder des Umweltausschusses gern genauer hin, schließlich kommen Bäumfällungen bei den Bürgern der Stadt nicht gerade gut an. Entsprechend kritisch fiel auch im jüngsten Umweltausschuss wieder der Blick in die Liste aus. Neben Kritik gab es aber auch unverhoffte Zustimmung.

„Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit von Herrn Rosin und die weiteren Baumsachverständigen, man kann diesen Listen vertrauen“, sagte Thomas Mitschke, Vorsitzender des Naturschutzbunds Lüneburg (Nabu). Er reagierte damit auf bohrende Nachfragen anderer Ausschussmitglieder, die auch in diesem Jahr wieder genaue Aufklärung darüber forderten, ob die von der Stadt vorgelegten Fällungen auch wirklich nötig seien. So hakte etwa Ralf Gros (Grüne) nach, ob denn auch Maßnahmen zum Erhalt einzelner Bäume geprüft wurden, bei Kronenbruch etwa eine „baumchirurgische Pflege“ zum Erhalt der Restkrone, oder ob bei Pilzbefall wirklich gleich eine Fällung angesagt sei. „Andere Kommunen greifen auch nicht gleich zur Säge“, sagt Gros. Oder Birte Schellmann (FDP), die mehr „präventive Maßnahmen“ zum Erhalt von ­Alleen als Naturdenkmale forderte.

Neue Standorte für Ersatzpflanzungen

„Natürlich prüfen wir das“, sagte Lüneburgs Baumkontrolleur Ralf Rosin, selbst kronenlose Stämme würden stehengelassen, sofern die Standsicherheit gegeben sei, „aber eher nicht in der Innenstadt“ – eine Maßnahme, um auch Kleinstlebewesen eine Lebensgrundlage zu belassen.

Wie berichtet, sollen 250 Bäume fallen. Warum die Liste in diesem Jahr besonders lang ausfällt, erläuterte Peter Zurheide, Leiter Grünplanung, Friedhöfe und Forsten, in der Sitzung. „Wir haben dieses Jahr besonders viele Stürme gehabt, das blieb nicht ohne Auswirkung.“

„Man kann diesen Listen vertrauen.“
Thomas Mitschke, Nabu Lüneburg

Auswirkungen auf den Baumbestand haben aber auch die knapper werdenden Flächen innerhalb der Stadt, wie Zurheide deutlich machte: „Wir müssen für Ersatzpflanzungen neue Standorte suchen, denn nicht immer kann an der Stelle eines gefällten Baumes auch ein neuer gepflanzt werden.“ Gemeinsam mit den Umweltverbänden sei man daher auf der Suche.

Nicht Bäume, sondern fehlende Blühflächen seien das Problem, sagte Mitschke und forderte: „Wir müssen umdenken!“ Dem konnte sich Dr. Monika von Haaren (Grüne) anschließen, die aber bemerkte: „Auch Blühflächen brauchen Flächen.“

Sieben Bäume bereits gefällt

Eher einen pragmatischen Blick richtete Stefan Minks (SPD) auf die anstehenden Baumfällungen: „Hier wird ja nicht Tabula rasa gemacht, sondern wir reden gerade einmal von 0,8 Prozent des städtischen Baumbestands.“

Am Ende folgte der Ausschuss dem Vorschlag von Stadtbaurätin Heike Gundermann. Danach wurde der weitaus größte Teil der Liste – 232 Bäume – freigegeben, sofern es nicht noch berechtigte Bedenken gibt, die von den Ausschussmitgliedern nachgereicht werden können. Lediglich in der Kategorie „Städtische Bauvorhaben“ gab es noch einmal Überraschungen, da von den insgesamt 18 aufgeführten Bäumen sieben bereits gefällt wurden, wie Uta Hesebeck, Leiterin des Fachbereichs Straßen- und Grünplanung, erklärte. „Das erwischt mich jetzt auch kalt“, räumte Gundermann ein. Ob die beiden Linden an der Salzstraße Am Wasser und der stattliche Ahorn in einem Innenhof der Rotehahnstraße stehen bleiben dürfen, soll jetzt bei einem Ortstermin geklärt werden. Alle übrigen dürfen gefällt werden.

Fürs nächste Jahr kündigte Gundermann ein neues Verfahren an. Dann sollen die Ausschussvorsitzende und ihr Stellvertreter bereits im Laufe des Jahres in die Entscheidung eingebunden werden.

Von Ulf Stüwe

3 Kommentare

  1. Sehr erfreulich: die Stimmen der professionell mit den Stadtbäumen befassten Personen klingen wirklich so, als sei sich Lüneburg seiner Verantwortung bewusst, als hätte Baumschutz eine hohe Priorität. Leider wird in dem Artikel kaum erwähnt, wie wir die Gesundheit unserer Bäume erhalten und verbessern könn(t)en. Denn Bäume leiden nicht nur unter der Belastung durch Abgase, Salz und Bodenverdichtung, und es sind auch nicht nur Stürme, die ihnen zu schaffen machen. Auch das sogenannte „Ausasten“ bzw. die jährliche „Baumpflege“, bei der vor allem die unteren Äste der Städtbäume radikal abgeschnitten werden, darf man einmal kritisch hinterfragen. Denn dies geschieht in einem Maße, der mit dem lapidaren Hinweis auf die „Verkehrssicherheit“ m. E. leider längst nicht immer zu rechtfertigen ist, und der die natürliche Widerstandkraft der Bäume schwächt. Man hat den Eindruck, oft wird solange an den Bäumen herumgeschnitten, bis diese krank werden und gefällt werden müssen. Übrigens kann man dies auch auf dem Land, entlang der landwirtschaftlicheh Nutzflächen beobachten, wo die Angst vor versicherungstechnischen Implikationen doch eher gering sein dürfte. Immer mehr Landwirte übertragen hier das Ordnungsprinzip der „guten Stube“ und ihrer Maschinenparks auf die Natur: Wildwuchs hat keine Chance, hohe Schlehenhecken oder Bäume mit natürlichen Kronen sind vielerorts eine Seltenheit geworden; es überwiegt ein trauriges und symbolträchtiges Bild: verstümmelte Restbaumbestände, umgeben von mit dem Laubbläser gereinigten Grasflächen, ohne Wert für unsere Mitgeschöpfe. -Ich wünsche uns allen eine schöne, und vor allem besinnliche Weihnachtszeit!

  2. Wo kann man diese Baumfäll-Liste denn im Internet finden?