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Ein knappes Dutzend Besucher nutzte die Gelegenheit, sich auf der Baustelle der Landwind GmbH über den Fortgang der Arbeiten an den beiden Windenergieanlagen zu informieren. Foto: nh

Umzingelt von Windrädern

Oerzen. Der Wind pfeift lausig kalt über die abgeernteten Felder bei Oerzen. Kein Wetter für einen gemütlichen Spaziergang im Freien. Doch trotz der nasskalten Witterung sind neun Männer und eine Frau der Einladung der Landwind-Gruppe zur Baustellenbesichtigung des Windparks Oerzen gefolgt. Die meisten von ihnen sind Rats- und Verwaltungsmitglieder aus Embsen. Aber auch aus Gellersen sind Neugierige gekommen. Sie wollen mehr wissen über die beiden Windanlagen, die die Monteure an der Kreisstraße 20 errichten. Schließlich hatte es im Vorfeld etliche Diskussionen um die Errichtung der Windquirle gegeben. Die beiden Landwind-Anlagen sind nämlich nicht die einzigen, auf die die Anwohner nun schauen müssen. Acht weitere Windmühlen drehen sich in unmittelbarer Nachbarschaft auf Südergellerser Gebiet und auch Richtung Wetzen stehen sieben Anlagen. Sie gehören zum Windpark Wetzen.

Beide Windenergieanlagen befinden sich noch im Bau

Stefanie Mertz, bei der Landwind Verwaltungs GmbH & Co. KG mit Sitz in Gevensleben zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, begrüßt die Besucher auf der Baustelle – und erklärt, warum sich die beiden Windenergieanlagen noch im Bau befinden. Denn eigentlich sollten die Arbeiten schon vor drei Monaten beendet sein und die beiden Quirle Windstrom produzieren. „Wir mussten eine Zwangspause einlegen, weil wir keine Teile auf die Baustelle liefern konnten“, berichtet Mertz. Das aber sei ein bundesweites Problem, mit dem auch andere Windkraft-Betreiber zu kämpfen hätten. Grund dafür seien die zögerlichen Genehmigungen der Behörden für die Schwerlasttransporte – „wohl nicht zuletzt auch wegen der vielen Baustellen auf den Autobahnen“, vermutet Mertz. Eine Erklärung, die so manchen Baustellenbesucher staunen lässt: Schließlich ist die Energiewende oberste Prämisse der Bundesregierung. Dass dieses Ziel ausgerechnet durch ein marodes Straßennetz erschwert wird, können sich die Besucher nur schwerlich vorstellen.

„Wir mussten eine Zwangspause
einlegen, weil wir keine Teile auf
die Baustelle liefern konnten.“
Stefanie Mertz
(Landwind-Sprecherin)

Auf der Baustelle aber haben Betreiber und Monteure die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die beiden Anlagen noch bis zum Jahresende in Betrieb zu nehmen: Für die Landwind GmbH & Co. KG hat das handfeste finanzielle Gründe: „Bei Inbetriebnahme noch in diesem Jahr erhalten wir gemäß dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz eine Vergütung von 7,68 Cent pro Kilowattstunde“, rechnet Mertz vor. Drehen sich die Anlagen erst im neuen Jahr im Wind, sinkt die Vergütung auf 7,58 Cent/kWh.

Auch wenn es zurzeit auf der Baustelle für Laien nicht so aussieht, als seien die Anlagen rechtzeitig fertig, ist Mertz optimistisch: „Wenn das Wetter mitspielt, der Wind nicht zu sehr auffrischt, dann müsste es klappen“, hofft die Pressesprecherin. Für eine Windenergieanlage sind bereits alle Teile vollständig auf der Baustelle vorhanden, die noch fehlenden Rotorblätter für die zweite Anlage sollen am morgigen Freitag angeliefert werden.

Zuerst werden zwei Stahlrohrsegmente montiert

Dann sind Kranführer Josef Lindemann und seine Kollegen gefragt, die letzten Komponenten in schwindelnder Höhe zu montieren. Für Lindemann kein Problem. Seit mehr als 30 Jahren steuert er den Kran, der mit seinem Ausleger 152 Meter in die Höhe ragt: 80 Tonnen könne der Koloss maximal anheben, die schwerste Last bei diesem Auftrag auf der Baustelle bei Oerzen betrage 73 Tonnen: „Da sind wir also noch auf der sicheren Seite“, sagt der Kranspezialist.

Auf die beiden rund 80 Meter hohen Betontürme werden zuerst zwei Stahlrohrsegmente montiert. Anschließend werden die Maschinenhäuser und die Triebstränge installiert. Danach erfolgt in 134 Meter Höhe die Montage der Nabe und der rund 65 Meter langen Blätter. „Ein Blatt wiegt knapp 15 Tonnen“, erklärt Mertz. Nach kompletter Errichtung erreichen die beiden Anlagen des Hersteller Nordex eine Gesamthöhe von knapp 200 Metern mit einem Rotordurchmesser von 131 Meter.

Der Windpark hat eine Gesamtnennleistung von 6,6 Megawatt und produziert jährlich rund 16 Millionen Kilowattstunden. „Genug, um rund 11 000 Menschen mit Energie zu versorgen“, heißt es von Landwind: „Dabei werden jährlich über 12 000 Tonnen CO₂ eingespart.“ Die beiden Windanlagen haben eine Betriebsgenehmigung von zunächst 20 Jahren.

Von Klaus Reschke