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Eine Ruine – mehr ist nicht geblieben vom einstigen Hotel in der Göhrde. Der Landkreis will die Reste aus Sicherheitsgründen abreißen lassen. Jetzt muss darüber das Verwaltungsgericht in Lüneburg befinden. Foto: kre
Eine Ruine – mehr ist nicht geblieben vom einstigen Hotel in der Göhrde. Der Landkreis will die Reste aus Sicherheitsgründen abreißen lassen. Jetzt muss darüber das Verwaltungsgericht in Lüneburg befinden. Foto: kre

Streit um Brandruine in der Göhrde

Göhrde/Lüneburg. Mit seiner Geduld ist Manfred Haacke am Ende: „Einen Vergleich mache ich nicht mit“, teilte der Fachdienstleiter Bauordnung beim Landkreis Lüchow-Dannenberg am Donnerstag der Richterin der II. Kammer am Verwaltungsgericht (VG) Lüneburg, Dr. Alexandra Heliosch, am Ende der einstündigen Sitzung mit. Der Fachdienstleiter will ein Gerichtsurteil. Darüber, ob die Ruine des alten Hotels zur Göhrde endlich abgerissen werden darf. Gegen diese Anordnung des Kreises Lüchow-Dannenberg hatte der Besitzer der verfallenen Brandruine, ein Architekt aus Berlin, vor dem VG geklagt. Am Donnerstag nun fand die Verhandlung statt. Das Urteil wird allerdings erst Anfang Januar verkündet.

Der Architekt selbst war während der Gerichtsverhandlung nicht zugegen, ließ sich durch seinen Anwalt Dr. Ernst Ludwig Nell vertreten: Und der rügte die „mangelnde Bestimmtheit“ der vom Kreis verhängten Abrissverfügung. Sein Mandant will nämlich Teile des Gebäudes erhalten, unter anderem das hintere Bettenhaus, in der Gerichtsverhandlung als „Turm“ bezeichnet.

Dass die Abrissverfügung des Landkreises Lüchow-Dannenberg zunächst nur das vordere Fachwerkgebäude betrifft, machte Haacke in der Sitzung deutlich. Den hinteren Teil des Gebäudes müsse man getrennt betrachten.

„Es mag sein, dass der
Kläger viel machen möchte, allein
mir fehlt der Glaube.“
Manfred Haacke
(Bauamtsleiter)

Aus der Verfügung des Landkreises sei diese Differenzierung allerdings nicht ersichtlich. „Die Abrissverfügung des Landkreises betrifft alle Gebäude“, stellte Richterin Dr. Alexandra Heliosch fest und fragte Manfred Haacke: „Wollen Sie die den Bescheid jetzt noch nachträglich konkretisieren? Die Antwort des Fachdienstleiters war kurz und bündig: „Wir lassen den Bescheid, wie er ist!“

Denn der Kreis und auch die Gemeinde Göhrde fühlen sich vom Besitzer der Hotelruine seit Jahren hingehalten: Seit 20 Jahren stehe die Immobilie leer. Und damit nicht genug. Am 19. Juni 2015 hatte dann auch noch ein 24-Jähriger Feuer in dem leerstehenden Gebäude gelegt, das wenige Monate zuvor der Architekt mit der Absicht erworben hatte, es nach eigenen Angaben zu sanieren. „Passiert ist bis heute aber nichts, im Gegenteil“, ärgerte sich Haacke. „Es gibt keine Bauvor­anfrage.“ Der Architekt habe auch noch nicht mit der Gemeinde gesprochen, die für die Bauleitplanung zuständig ist, angeblich, weil er den Bürgermeister nicht erreiche, wunderte sich Haacke, der süffisant nachsetzte: „Es mag sein, dass der Kläger viel machen möchte, allein mir fehlt der Glaube.“ Haacke weiter: „Wir stehen an dem Punkt, wo wir schon 2015 waren!“

Dr. Nell bat derweil um eine Sitzungsunterbrechung, um sich telefonisch mit seinem Mandanten zu beraten – der Anwalt hatte die Hoffnung auf einen Vergleich noch nicht aufgegeben. Doch das Angebot, mit dem er nach wenigen Minuten den Sitzungssaal wieder betrat, war in den Augen von Manfred Haacke keines: Der „Turm“ müsse erhalten bleiben, dann wäre der Architekt bereit, bis September nächsten Jahres das verfallene Fachwerkgebäude des Hotels beseitigen zu lassen.

Für Abbrucharbeiten spielt das Wetter keine Rolle

Ein wahrlich langer Zeitraum – nicht nur aus Sicht von Manfred Haacke, auch Richterin Dr. Alexandra Heliosch wunderte sich. „Das müsste doch auch schneller gehen“, glaubt sie. Das sieht auch Manfred Haacke so: „Für Abbrucharbeiten spielt das Wetter keine Rolle“, merkte er mit Blick auf den Winter an. „Zwei lange Jahre lang hat der Besitzer nichts gemacht. Und jetzt soll das so bis September weitergehen?“ Da nutzte es auch wenig, dass Dr. Nell darauf hinwies, dass auch ein mögliches Urteil zugunsten des Landkreises die Sache nicht beschleunige: „Wir würden dann die Zulassung auf Berufung beantragen. Glauben Sie wirklich, dass das dann schneller geht?“

Haacke lässt es darauf ankommen, lehnte einen Vergleich ab. Jetzt also muss Dr. Alexandra Heliosch ein Urteil fällen – und dem Fachdienstleiter Bauordnung beim Landkreis Lüchow-Dannenberg schwant bereits: „Billiger wird das alles nicht.“ Denn vor einem Jahr hatte der Kreis bereits ein Angebot für die Abriss-Arbeiten eingeholt. Da lagen die Kosten bei 48.000 Euro. „Diese Summe wird heute nicht mehr reichen“, ist sich Haacke sicher.

Von Klaus Reschke