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„Sound & Toleranz“ lautet der Titel des musikalischen Projekts, das von der Jugendabteilung um Mike Witschi (4.v.l.) initiiert wurde. Unter der Leitung von Finn Düffert (4.v.r.) und Andreas Böhr (2.v.r.) nahmen rund 30 Jugendliche und junge Erwachsene teil. (Foto: t&w)

Bardowicks Jugend-Musik-Projekt endet mit Party und CD

Bardowick. „Ein Zeichen gegen den derzeitigen Ausgrenzungswahn zu setzen und jungen Musikern eine Plattform bieten und kreativ zum Thema Stell ung beziehen, das war oberstes Ziel“, beschreibt Mike Witschi von der Jugendabteilung der Samtgemeinde Bardowick das Projekt „Sound & Toleranz“. Vor einem Jahr hatte es seinen Anfang genommen und feiert jetzt seinen Abschluss – und zwar mit einer Party anlässlich der Veröffentlichung der selbstproduzierten CD „Different but same“ („Verschieden, aber gleich“). Termin ist Ende Januar im Lüneburger Salon Hansen. Das Song-Projekt ist aber weiter offen und wird online fortgeführt.

Mitgewirkt haben unter der Leitung von Andreas Böhr (21) aus Vögelsen und Finn Düffert (22) aus Bardowick rund 30 Jugendliche und junge Erwachsene, um musikalisch Position für Toleranz und gegen Ausgrenzung in der Gesellschaft zu beziehen. Zudem erhielten sie Unterstützung von verschiedenen Gastmusikern. Herausgekommen ist ein genreübergreifender Mix von Rock, Rap und Elektro bis hin zu Singer/Songwriter-Stücken.

Erinnerung an Tuğçe Albayrak

Zu den ersten, die einen Projektbeitrag lieferten, gehörte Katharina Szafran aus Adendorf. Als Künstlerin „Flying Plant“ kam sie „mit einer Text-Idee und einer losen Melodie“ ins Musikstudio des Bardowicker Jugendzentrums, sagt Witschi. Also komponierten Düffert und Böhr ein neues Lied um den Text her­um. Das Ergebnis ist der Song „Pearl“. Die Rockballade erzählt von einer sensiblen, weiblichen Person, die für ihre menschlichen Grundrechte kämpft.

„Das Projekt hat den Anstoß gegeben, sich auch weiter mit gesellschaftlichen Themen musikalisch zu beschäftigen.“
Mike Witschi, Jugendabteilung Bardowick

Auch die Songs von den Bardowickern Amir Tavakoli, „De Klogsnackers“ und „Jay W. Dizzle“ alias Jens Walther wurden von Düffert und Böhr im Juz-Studio aufgenommen und gemischt. Das Hauptinstrument beispielsweise von Jens Walther ist ein alter Gameboy. Anstoß für seinen Song bei der Gemeinschaftsproduktion gab der Todesfall des Mädchens Tuğçe Albayrak im Jahr 2014. In „Memory For Tuğçe“ rappt „Dizzle“ für Zivilcourage, „ du bist trotzdem ein Held, hast du die Eins-eins-null gewählt“. Und weiter: „Mach‘s wie sie, zeig Courag‘! Misch dich ein, sei kein Arsch!“
Auf Plattdeutsch singen „De Klogsnackers“ für mehr Selbstbewusstsein in „Sei jau selbst“. Und auf Englisch besingt Amir Tavakoli in „Best Rainy Day“ die gute Gemeinschaft verschiedener Nationen.

Zudem haben Lüneburger Bands das Jugendprojekt mit weiteren Songs bereichert. Beispielsweise die Rocker von „Damn! Escape“ steuern ihren Song „Intoxication“ bei, die Elektropopband „UiJuiJui“ unterstreicht den Anspruch des Vorhabens mit ihrem Lied „Superstars“ und Textzeilen wie „Sei besonders laut, wenn jemand sagt, dass du leise sein sollst“. Ebenfalls auf der CD vertreten sind die Lüneburger Rockband „Prisoner‘s Dream“ mit dem Song „Behind the War“ sowie die Lüneburger Formation „Ausm Blauen“. Zudem rappen „Save & CK Blattgold“ zum Song „Tolerant“.

Fördermittel vom Land Niedersachsen

Komplett machen den Sampler Stücke von Gastmusikern aus Lübeck und Hamburg: „Mama Lauta“ steuert die poppige Nummer „Fliegen“ bei und „The Mad Bitter“ alias Robin Stam kommt in seiner Synthie-Komposition zu dem ironisch gemeinten Schluss „Alles in der Welt ist scheiße“.

Gefördert wurde das Projekt mit rund 2500 Euro aus Mitteln von „Generation Hoch Drei“, einem Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Witschi: „Das Projekt hat den Anstoß für einige junge Teilnehmer gegeben, sich auch weiter mit gesellschaftlichen Themen musikalisch zu beschäftigen.“

Der CD-Sampler wurde in einer Auflage von 500 Stück erstellt. Die CD ist aber erst nach der „Record-Releaseparty“ gegen Spenden erhältlich, die am Freitag, 26. Januar, ab 21 im Salon-Hansen in Lüneburg steigt. Es gibt Live-Musik von Ausm Blauen, Damn! Escape, The Mad Bitter, Amir Tavakoli, Flying Plant und Jay W. Dizzle. Eintritt ebenfalls gegen Spende. Den kompletten Sampler gibt es bereits hier zu hören. Witschi: „Wir halten das Projekt offen. Wer also noch einen Song für die Online-Version beisteuern möchte, kann dies gerne tun.“

Von Dennis Thomas