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Von wegen reine Frauenarbeit: In ihrer Wohngemeinschaft sind die Aufgaben im Haushalt gerecht aufgeteilt. Zusammen haben (v.l.) Maxim Bauszus, Lisa Heubner, Thorben Glüsing und Carolin Hecht dabei auch durchaus Spaß. (Foto: t&w)

Das bisschen Haushalt …

Lüneburg. Ende der Siebziger war es ein Hit: Mit „Das bisschen Haushalt macht sich von allein“ besang Johanna von Koczian die klassische Rolle nverteilung in deutschen Familien und das Vorurteil vieler Männer, dass all das doch kaum der Rede wert sei. Dass es auch vierzig Jahre später vor allem die Frauen sind, die den Haushalt schmeißen, haben Wissenschaftler jetzt mit einer internationalen Studie belegt. Und diese klassische Rollenverteilung sei unabhängig von Alter, Beruf und Einkommen. In Deutschland arbeiten Frauen laut Untersuchung etwa eine Stunde mehr pro Tag im Haushalt als Männer. Im Ländervergleich liegt die Bundesrepublik mit diesem Wert im Mittelfeld, hinter Österreich und vor Frankreich. Doch wie sieht es abseits der Familien und Ehepaare aus, wenn mehrere Frauen und Männer in einem Haushalt zusammenleben? Putzen die Frauen den Männern hinterher? Die LZ hat einen Blick in eine große Lüneburger Wohngemeinschaft geworfen und nachgefragt, wer dort fleißiger ist.

Der Bio-Müll ist die unbeliebteste Aufgabe

Eines vorweg: Ganz einig sind sich Maxim Bauszus (22), Lisa Heubner (21), Thorben Glüsing (22) und Carolin Hecht (21) bei der Beantwortung der Frage nicht. Thorben fällt seinem Mitbewohner Maxim ins Wort, als er gerade sagen will: „Die Mädels machen mehr.“ Emanzipation sei das Stichwort, sagt er und lacht. „Das ist schon ausgeglichen hier.“ Auch Carolin, die es gern ordentlich hat, lobt ihre vier männlichen Mitbewohner als „Vorzeige-Jungs. Wir achten bei WG-Castings aber auch auf reinliche Männer.“

In der großen Wohngemeinschaft an der Uelzener Straße wohnen insgesamt neun junge Frauen und Männer, alle studieren an der Leuphana. Damit das Thema Haushalt gar nicht erst zum Streitthema wird, gibt es in der WG einen Putzplan. „Wir haben schon verschiedene Modelle ausprobiert“, sagt Thorben. Durchgesetzt hat sich das Wäscheklammer-System: Auf den hölzernen Halterungen werden die Aufgaben notiert, an einem Band hängen kleine Fähnchen, die mit den Namen der Studenten beschriftet sind. Wer seine Aufgabe erledigt hat, gibt die Klammer an den nächsten weiter.

In einer Wohnung mit neun Personen fällt einiges an, was außerhalb des eigenen Zimmers liegt, allein schon zwei Bäder, der Flur und eine Dusche, die geputzt werden müssen. Auch hat die WG einen Handtücher- und Spüldienst. Mülltrennung wird bei den Studenten groß geschrieben, den Bio-Müll bringt aber keiner gern vor die Tür. „Das ist schon echt eklig“, sagt Maxim und verzieht dabei das Gesicht. Lisa graut es vor dem Duschabfluss. Einig sind sich aber alle, dass Carolin zu den Fleißigsten zählt. Sie wohnt auch am längsten in der WG, die Wirtschaftspsychologie-Studentin ist vor drei Jahren ins Wohnheim gezogen. Sie selbst sagt: „Eine Zeit lang habe ich hier echt viel gemacht, aber jetzt schreibe ich an meiner Bachelorarbeit. Abends kann ich mich dann manchmal nicht mehr aufraffen.“

Aus der Studie der kanadischen Universität Alberta geht hervor, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männern auch von der Art der Hausarbeit abhängen. Männer bringen lieber den Müll raus, übernehmen das Staubsaugen oder spülen Geschirr, während Frauen eher die Wäsche waschen, das Bett machen und aufräumen. Auch hätten über 60 Prozent der Frauen angegeben, dass sie großen Wert auf Ordnung legen, bei den Männern teilen dagegen nur 40 Prozent diese Meinung.

Wie sieht das bei den Lüneburger Studenten aus? „Jeder hat eine andere Vorstellung von Ordnung“, sagt Lisa, „manch einen stört es auch schon, wenn etwas auf dem Tisch liegt, das da nicht hingehört.“ Für die WG steht fest: Das Ordnungsempfinden hänge nicht von Geschlechtern, sondern von der Persönlichkeit ab.

Dennoch habe man auch schon über eine Haushaltshilfe nachgedacht, gibt Carolin zu. Maxim pflichtet ihr bei. „Das wäre echt praktisch. Die müsste hier wahrscheinlich jeden Tag antanzen oder gleich einziehen.“ Aber als Student eine Putzkraft anheuern? Das will dann doch keiner der neun Bewohner erklären müssen.

Gemeinsam macht die Grundreinigung sogar Spaß

Das spiegelt auch die Studie wider: Vielen Haushalten fehlt dafür das Geld. Die Wissenschaftler haben deshalb auch abgefragt, welche technische Neuerung die größte Hilfe bei der Hausarbeit sei. 42 Prozent der Befragten halten einen selbstreinigenden Ofen für besonders interessant, 31 Prozent haben angegeben, dass sie gern eine Nachricht erhalten würden, wenn der Waschgang beendet ist, mehr als ein Viertel der Teilnehmer hat sich für eine automatisch anspringende Kaffeemaschine ausgesprochen.
Carolin setzt lieber auf die altmodische Methode – mit Staubsauger, Schwamm und Feudel. „Wenn das Semester startet, putzen wir immer alle zusammen. Dann erhält die WG sozusagen eine Grundreinigung. Zusammen macht das sogar Spaß.“ Vor allem, wenn der eine oder andere verlorene Gegenstand hinter dem Kühlschrank wieder auftaucht.
▶ Alle Ergebnisse der Studie sind hier zu finden.

Von Anna Paarmann