Donnerstag , 15. November 2018
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Junge Leute haben immer bessere Chancen auf eine Lehrstelle, die Betriebe hingegen Probleme bei der Azubi-Suche. (Foto: A/lkö)

Kampf um den Nachwuchs

Lüneburg. Die Schere zwischen Bewerbern und angebotenen Stellen in der Region habe sich weiter geschlossen, verdeutlicht Kerstin Kuechler-Kakoschke, Chefin der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen. Gemeinsam mit Vertretern der Handwerkskammer, der Industrie- und Handelskammer und des Jobcenters zeichnete sie ein aktuelles Bild der Ausbildungsplatzsituation. Der Tenor: In Stadt und Kreis Lüneburg gab es zuletzt noch 34 unbesetzte Lehrstellen (2016 gab es keine einzige), unversorgt blieben nur 14 Bewerber.

Insgesamt gab es aber auch etwas weniger Bewerber, das bedeutet eben auch, dass Unternehmen mehr tun müssen, um Azubis zu bekommen. „In einigen Bereichen können wir von einer Konkurrenz um die besten Nachwuchskräfte sprechen“, sagt Kuechler-Kakoschke. Gleichzeitig setzen Unternehmen vermehrt auf praktisches Talent, Motivation und Engagement: „Wir können für viele Pro­bleme eine Lösung finden. Beispielsweise mit ausbildungsbegleitenden Hilfen eine Art Stützunterricht fördern, wenn die Noten den Ausbildungsabschluss gefährden.“

Von ersten Problemen der Betriebe berichten Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung der Handwerkskammer, und Volker Linde, Bereichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK.

Immer mehr wollen studieren

Neumann: „Dem Handwerk geht es gut. Das Baugewerbe in der Region boomt, auch im Nahrungsmittelbereich läuft es sehr gut – allerdings haben die Betriebe in diesen Bereichen die meisten Sorgen, Lehrlinge zu bekommen.“ Das beweist die Statistik: Von den 34 unbesetzten Stellen sind sieben Lehrstellen für Kaufmänner/-frauen im Einzelhandel und jeweils vier für Fachverkäufer/-innen im Lebensmittelhandwerk Bäckerei und Handelsfachwirt/-in.

Schuld an den Problemen ist laut Neumann auch die demografische Entwicklung: „Es gibt weniger Nachwuchs, der Kuchen wird immer kleiner. Und immer mehr junge Menschen wollen studieren, auch die müssen wir für eine berufliche Bildung begeistern.“ Etwa durch Umsetzung einer flächendeckenden Berufsorientierung, „auch an Gymnasien“. Die Ankündigung einer Meisterprämie auf Landesebene sei ein Schritt in die richtige Richtung, um die berufliche Bildung gleichwertig neben der akademischen Bildung zu fördern.

Neumann sieht allerdings bereits den Trend, „dass wieder mehr Jugendliche an einer beruflichen Bildung interessiert sind“. Das belegen Zahlen: „Die Zahl der neu eingetragenen Lehrstellen stieg für die Region Lüneburg, bei der Kammer Braunschweig-Lüneburg-Stade identisch mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg, von 1514 bis Stichtag 30. September 2016 um 60 Lehrstellen auf 1574 Ende September 2017.“

Umfrage: 80 Prozent würden sich wieder für den Beruf entscheiden

Die Bilanz bei der Ausbildung im kompletten Bezirk der IHK Lüneburg-Wolfsburg sieht Volker Linde auf Vorjahresniveau, im Bereich Stadt und Kreis Lüneburg stieg die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge innerhalb eines Jahres sogar von 605 auf 659: „Hier ist unsere Bilanz so gut wie noch nie.“ Dafür macht er auch etliche Initiativen zur Berufsorientierung und Projekte zur Fachkräftesicherung verantwortlich: „Unsere Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Eine Umfrage aus dem Sommer sagt klar: 80 Prozent der Befragten würden sich wieder für ihren Beruf entscheiden.“

Statistisch gesehen beginnt das Berufsberatungsjahr jeweils am 1. Oktober eines Jahres. Agentur-Chefin Kuechler-Kakosch­ke sagt: „Die Erfahrungen zeigen, dass es wichtig ist, rechtzeitig mit der Suche nach Nachwuchstalenten zu beginnen und diese dann auch rechtzeitig zu sichern. Arbeitgeber, die freie Lehrstellen melden möchten, können sich an ihren Ansprechpartner im Arbeitgeber-Service wenden oder sich unter der kostenfreien Hotline 0800 4 5555 20 melden. Auch Jugendliche, die 2018 mit einer Ausbildung starten möchten, sollten nicht länger zögern und einen Termin bei der Berufsberatung vereinbaren unter (0800) 4555500.“

Von Rainer Schubert