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Als Senior-Experte auf Weltreise

Lüneburg. Gerade zurück aus Indonesien, nächsten Januar weiter nach Indien und im April geht‘s nach China. Es geht hier nicht um den ausgebuchten Terminkalender eines Geschäftsreisenden und auch nicht um die Pläne eines Urlaubsliebhabers, sondern um die Auftritte als Gastdozent des emeritierten Professors Ulrich Günther. Der ehemalige Dozent der Leuphana-Universität aus der Fakultät Wirtschaftswissenschaften nimmt seinen Ruhestand nicht wörtlich – stattdessen ist er reichlich unterwegs.

Als Gastdozent und Akkreditierungsberater von Universitäten will er die wirtschaftliche Entwicklung von Ländern in der Dritten Welt fördern und die Hochschulen modernisieren. Interkulturelle Wertunterschiede in der Arbeitswelt und Verbesserung internationaler Unternehmenskooperation stehen auf dem Stundenplan seiner Gastvorlesungen. Wertunterschiede zeigten sich auf seinen Reisen besonders in der Religion, da sich die Moralvorstellungen dort häufig vom Glauben ableiteten. „In Indonesien wird in islamischen Hochschulen islamisches Rechnungswesen unterrichtet“, erzählt Günther. Der Unterschied zum europäischen Rechnungswesen: Zins wird als unmoralisch angesehen und man versucht ihn zu umgehen. Religion spiele auch in den Geschlechterbildern eine Rolle, so seien in Indonesien gerade einmal 50 Prozent der Frauen erwerbstätig.

Günther sieht sich als kultureller Botschafter und versucht in seinen Vorträgen das Leben und die Wirtschaft in Deutschland und Europa zu erklären. Ein Ziel sei dabei die Entwicklung der Universitäten zu einem weltoffenen Islam, um damit den Bewegungen konservativer islamischer Länder wie Saudi-Arabien entgegenzutreten.

Neugier, andere Kulturen kennenzulernen

Ausschließlich politische Ziele sind es aber nicht, die Günther von einem entfernten Land ins nächste treiben. „Es sind mein Entdeckungsdrang und meine Neugier, andere Kulturen kennenzulernen“, erklärte er.

Organisiert und finanziert werden die Aufenthalte des Pensionärs von dem Senior Experten Service (SES), der deutsche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand in Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzt.

Der Zweck von Günthers Reisen ist aber nicht nur, dass andere Kulturen von uns lernen, auch umgekehrt funktioniert das – schon in Formen des alltäglichen Umgangs. „Mir ist in Indonesien die freundliche, gelassene Art des Umgangs aufgefallen“, erinnert sich der Professor, „gehupt wird dort selten, die Menschen sind entspannter und werfen den Verkehrspolizisten manchmal sogar eine Münze zu.“ fr