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Garnet Grünhagen. Foto: t&w

Die Spuren der Ritter von Oedeme

Lüneburg. In Häcklingen hat sie schon manches Geheimnis gelüftet. Sie schrieb über das Rodeln in der Ratsforst und Radrennen an der Roten Schleuse. Nachzulesen ist all das in ihrer Landschaftschronik „Häcklingen – Kein Dröger Kamp“. Die LZ hatte vor einem Jahr über das Projekt der Kulturwissenschaftlerin Garnet Grünhagen berichtet. Inzwischen hat sie sich den nächsten Stadtteil vorgenommen, ist unterwegs in Oedeme, um auch dort tief die Geschichte einzutauchen.

Woher die Schaperdrift ihren Namen hat

Garnet Grünhagen wohnt in Häcklingen, 1994 kam die aus dem Heidekreis stammende Autorin nach Lüneburg. Seit 2003 ist sie damit beschäftigt, die Landschaftsgeschichte der Heide und ihrer Dörfer anhand von Spuren des Wandels aus vergangenen Zeiten zu kartieren. Ist die „Feldarbeit“ erledigt, macht sie sich in schriftlicher Form daran, interessierten Bürgern zu erklären, wie sich die Dörfer, Wälder und Flur verändert haben und woran alte Lebens- und Wirtschaftsweisen heute noch erkennbar sind.

Seit Monaten ist sie nun in Oedeme unterwegs, will ergründen, wo einst die Mühle stand, wer die alten Ritter von Oedeme waren und ob es mal einen Schnellenberg gab. Auch woher die Schaperdrift ihren Namen hat und was Ovelgönne war will sie herausfinden und darlegen. Im Kern steht die vor allemFrage: Was ist noch übrig vom alten Dorf, das bis in die siebziger Jahre selbstständig war? Sie beschreibt die Landwehranlage, schlägt sich durch das Gehölz, um alte Handelswegespuren zu erkunden.

Umfangreiche Einflüsse der Stadt

Garnet Grünhagen hat erkannt, dass der zweite Stadtteil noch eine Nummer arbeitsreicher ist. Die umfangreichen Einflüsse der Stadt, drei Adelssitze im Raum sowie die alte Kirchenzugehörigkeit zu St. Lamberti bedeuteten, dass Oedeme viel städtischer geprägt sei als Häcklingen. Bei ihren Recherchen zieht die Kulturwissenschaftlerin zahlreiche Archivunterlagen, geschriebene Geschichte, Ortskenntnis der heutigen Bewohner und die eigenen Kenntnisse und Einsichten zu Rate. Das Forschen ist nicht immer leicht: „Nehmen wir nur den Namen Schnellenberg. Das Gut liegt in einer feuchten Senke. Mit einem Berg hat die heutige Stelle nichts zu tun. Seit 1360 ist Schnellenberg als Rittersitz derer von Meding nachgewiesen. Aber was war vorher?“. Das herauszufinden, sei Bestandteil ihrer Arbeit.

Dabei arbeitet sie auch gegen die Zeit. „Je mehr Spuren durch die Schaffung neuer Baugebiete, durch den Abriss alter Hofanlagen, aber auch durch die Ausweisung und Anpassung von Naturschutzzonen verloren gehen, desto schwerer wird es, den Menschen die Identität der Dörfer zu erklären“, verdeutlicht die Autorin. „Meine Hoffnung ist, den Leuten Identität in ihrem Wohnort zu stiften und sie damit auch in die Lage zu versetzen, die Veränderungen von Landschaft zu erkennen. Nur wer die Landschaft und die Dörfer erkennt, ist in der Lage, über ihr Werden und Vergehen zu entscheiden. Deshalb habe sie sich auch dazu entschieden, Oedeme auch für die ganz jungen Bewohner zu erklären – mit einem Kinderbuch.

Buch soll Anfang nächsten Jahres erscheinen

„Eigentlich wollte ich zu Weihnachten fertig sein. Aber das Thema und das Dorf verdienen, historisch so genau wie möglich behandelt zu werden und eine vollständige Erfassung der historischen Spuren vor Ort“, bilanziert sie. „Deshalb möchte ich die Herausgabe jetzt nicht übers Knie brechen.“ Nun soll das Buch Anfang 2018 erscheinen.

Wer Kontakt mit der Autorin aufnehmen möchte, erreicht sie per E-Mail an chronik-oedeme@gmx.de. red