Donnerstag , 13. Dezember 2018
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Im Bleckeder Schloss betreibt die Biosphaerium Elbtalaue GmbH ein Informationszentrum für die Elbtalaue, eine Ausstellung sowie eine Biber-Anlage und ein Elbe-Aquarium. In der Politik ist die Einrichtung seit Jahren umstritten, jetzt sorgte das Thema im Stadtrat erneut für Diskussionen. Foto: t&w

Ratsherr will Biosphaerium schließen

Bleckede. Einstimmigkeit bei Haushaltsbeschlüssen gab es im Bleckeder Stadtrat schon seit Jahren nicht mehr. Umso überraschender das Ergebnis der jüngsten Sitzu ng im Schlosssaal. Ohne Gegenstimmen, bei zwei Enthaltungen der Unabhängigen Wählergruppe Bleckede (UWB), verabschiedete das Gremium den Haushaltsplan 2018 – und mit ihm Investitionen in Höhe von rund 5,1 Millionen Euro. Anlass für Diskussionen bot der Tagesordnungspunkt aber trotzdem, Haupt-Knackpunkt: das Biosphaerium Elbtalaue.

Kämmerin Kerstin Roloff präsentierte die Eckpunkte des Etats: Ergebnis- und Finanzhaushalt der Stadt sind 2018 ausgeglichen, eine Anhebung von Steuern oder Gebühren ist nicht vorgesehen. Zu den größten Posten im Invesitionsplan der Stadt gehören der Ausbau der Grundschulen in Bleckede und Barskamp, die Städtebauförderung, der Breitband- und Straßenausbau, die Entwicklung des Hafengeländes sowie die Anschaffung einer neuen Kehrmaschine für den Bauhof (LZ berichtete). Abzüglich der zu erwartenden Fördermittel muss die Stadt rund 2,7 der 5,1 Millionen Euro selbst finanzieren, plant dafür eine Kreditaufnahme von 1,5 Millionen Euro.

Viel Lob gab es für den Haushalt von CDU-Fraktionschef Wilhelm Kastens und seiner SPD-Kollegin Anja Hinners. „Alle Invesitionen sind erforderlich und begründet“, erklärte Kastens, „da kann ich getrost zustimmen.“ Auch Hinners und ihre Fraktionskollegen konnten dem Etat „vorbehaltslos“ zustimmen. Grünen-Chef Christoph Soetebeer war ebenfalls im Großen und Ganzen einverstanden, mahnte jedoch: „Wir müssen jetzt allerdings auch mit Adleraugen zuschauen, wie die Investitionen, zum Beispiel die Einrichtung der Ganztagsschulen, umgesetzt wird.“

Kritik kam wie gewohnt aus den Reihen der UWB – weniger zum aktuellen Haushalt, als zum grundsätzlichen Streitthema „Biosphaerium“. Ulf Meyer beklagte, dass die Stadt dringend die Zukunft des Tochterunternehmens überdenken müsse. Die Einrichtung im Schloss mit Biberanlage und Elbe-Aquarium sei „für die Stadt viel zu teuer“. Zwar sei das Personal „mehr als kompetent und engagiert“, aber „was nützt das, wenn man das falsche Produkt verkauft?“. In die gleiche Kerbe schlug Fraktionskollege Martin Gödecke, der fragte: „Wo bleiben die 40.000 Besucher, die uns in der Machbarkeitsstudie versprochen wurden? Die kommen nicht!“

Die Stadt steht hinter der Einrichtung

Meyers Lösungsvorschlag: Das Biosphaerium wird geschlossen, das Schloss als Verwaltungssitz genutzt. „Die Stadt übernimmt die Mitarbeiter.“ Irgendwann, so Meyer, müsse man ein Projekt, das nicht läuft, auch begraben. Kritik, die aus den Reihen der UWB nicht neu ist – und wie gewohnt Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) auf den Plan rief.

„Die Stadt steht hinter der Einrichtung“, sagte er, „und wir haben kein falsches Produkt, wir haben ein tolles Projekt, auf das wir stolz sein können.“ Vor kurzem erst eingegangen sei der Förderbescheid des Landes über 161.000 Euro für den Betrieb des Informationszentrums Elbtalaue im Biosphaerium. „Damit ist die Einrichtung abgesichert“, betonte Böther. Richtig sei, dass die prognostizierten Besucherzahlen nicht erreicht worden seien. „Trotzdem war es die richtige Entscheidung, zumal unsere Besucherzahlen im Vergleich zu anderen Einrichtungen super sind.“

Von Anna Sprockhoff

Bilanz des Biosphaeriums

Besucherzahlen konstant

Das Biosphaerium Elbtalaue war nicht nur im Rahmen der Haushaltsdebatte Thema im Stadtrat, Geschäftsführerin Andrea Schmidt präsentierte zur Vorbereitung der Gesellschafterversammlung am 6. Februar auch die Jahresbilanz. Danach lag das Ergebnis 2017 mit rund 20.000 Besuchern in etwa auf Vorjahresniveau.

„In einigen Monaten lagen wir sogar deutlich über dem Vorjahresergebnis, aber leider hat uns dann vor allem das schlechte Wetter am Historischen Wochenende die Bilanz verhagelt“, sagte Schmidt. Geprägt gewesen sei das vergangene Jahr im Biosphaerium durch das 15-jährige Bestehen. Als Sonderaktion gab es jeweils am 15. jeden Monats eine zusätzliche Veranstaltung.

One comment

  1. Wer einer Machbarkeitsstudie glaubt, ist selbst schuld und kein seriöser Politiker.
    Wer eine Kultureinrichtung selbsttragend erwartet, ist naiv und kein seriöser Politiker.
    Wer glaubt, Museumleiterin oder auch Tierpfleger in einem Verwaltungsgebäude beschäftigen zu können, ist weltfremd und kein seriöser Politiker.
    Wenn die UWB immer nur gegen alles ist, sollte sie zuerst das abschaffen, was teuer ist und am wenigsten sinnvoll: Nämlich die UWP, die sich ja mit Staatsgeldern am Leben erhält