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Die Elbefähren Tanja (Foto) und „Amt Neuhaus“ sollen künftig im Tarifgebiet des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) fahren. (Foto: t&w)

Amt Neuhaus bald im HVV?

Lüneburg. Ausweitung des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) und Alternativenprüfung zur umstrittenen Elbbrücke: Gleich zwei Mal stand die Gemein de Amt Neuhaus bei der jüngsten Sitzung des Kreistags im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Zum einen soll die einzige rechtselbische und zugleich flächenmäßig größte Kommune im Landkreis Lüneburg nach dem Willen der Politik in den HVV aufgenommen werden. Das bringt für die Neuhäuser zwar Vorteile beim Kauf von Fahrkarten, aber auch Nachteile mit Blick auf den Preis. Zum anderen trug Berni Wiemann (FDP) den Zwischenbericht der Arbeitsgruppe „Ergebnisoffene Prüfung von Elbbrücken-Varianten“ vor. Dabei formulierte er den Verdacht, dass durch einen Zuordnungsfehler der Gemeinde Amt Neuhaus Solidarpaktmittel entgangen sein könnten, die man für den Brückenbau hätte verwenden können.

Fahrgäste des ÖPNV müssen bis zu drei Tickets kaufen, um beispielsweise aus Amt Neuhaus bis in die Stadt Lüneburg zu fahren: Erst ein Busticket bei den Verkehrsbetrieben Ludwigslust-Parchim (VLP), dann den Fahrschein für die Fähre und schließlich ein Busticket der Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) nach HVV-Tarif. Den Vorstoß für eine Vereinheitlichung machte im Kreistag die Fraktion Die Linke bereits im Mai. Zuletzt hatte der Wirtschaftsausschuss dem Ansinnen mehrheitlich zugestimmt, nun auch der Kreistag.

Einheitlicher Tarif, aber höhere Ticketpreise

„Wir wollen einen Fahrschein von Neuhaus über Darchau bis Lüneburg“, fasste Frank Stoll (Die Linke) zusammen. Aktiven Zuspruch gab es von verschiedenen Fraktionen. Beispielsweise Detlev Schulz-Hendel (Grüne) lobte den „richtigen, pragmatischen Ansatz“. Kritik kam von Harald Subke (AfD): „Wir lehnen das ab!“ Er begründete das mit den teureren HVV-Ticketpreisen schon bei Kurzstrecken. Derzeit werden bei der VLP 1,30 Euro fällig, im HVV 1,60 Euro. Achim Gründel (SPD) bezeichnete das als Wermutstropfen, ansonsten könne aber auch die SPD-Fraktion dem „aus vollem Herzen zustimmen“. Schließlich fiel die Entscheidung einstimmig, die fünfköpfige AfD-Fraktion enthielt sich lediglich.

Zu den nächsten Schritten sagte Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer auf LZ-Nachfrage: „Wir führen im Januar Gespräche mit der VLP, wie wir das hinbekommen.“ Ein Knackpunkt sei, dass die VLP-Busse mit Fahrtkartendruckern ausgestattet werden müssten, die auch HVV-Tickets auswerfen können. Bei dem Treffen soll auch über die Ausweitung des Mobilen Rufbusangebots aus Ludwigslust-Parchim auf die Gemeinde Amt Neuhaus gesprochen werden, so Krumböhmer. Dann könnten die Rufbusse für die Neuhäuser auch eine Anbindung an die nächsten Bahnhöfe im Nachbarkreis herstellen.

Diskussion über alte Solidarmittel für Elbbrücke

Wer lieber selbst mit dem Auto fährt, der dürfte bei der Kreistagssitzung aufgehorcht haben, als Berni Wiemann über die Alternativprüfung der auf Eis gelegten Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau sprach. Die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe hätte nach Expertengesprächen herausgearbeitet, dass es „keine günstigere Alternative als die vom Landkreis Lüneburg geplante Elbbrücke“ geben würde. Laut Wiemann habe der Landkreis zu früh den Kopf in den Sand gesteckt, als es um die Einforderung von Zuschüssen ging.

Laut Wiemann liege die Vermutung nahe, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende anteilig Solidarmittel für den Aufbau Ost erhalten habe, die dem Amt Neuhaus zugestanden hätten – das 1993 in den Landkreis Lüneburg und damit nach Niedersachsen zurückgegliedert worden war. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) hat da seine eigene Meinung.

Zu den Ausführungen aus der Arbeitsgruppe sagte Nahrstedt gegenüber der LZ: „Das ist die Einschätzung von Herrn Wiemann, nicht meine. Ich habe immer gesagt, dass die Mittel aus dem Solidarpakt I und II nur den neuen Bundesländern zugestanden haben. Diese haben sich, das hat auch Minister Mathias Brodkorb mitgeteilt, untereinander einmal auf Einwohnerzahlen geeinigt, die dann Verteilungsgrundlage der Finanzmittel bildeten.“ Stichtag war der 30. Juni 1991, als Amt Neuhaus mit damals noch rund 6100 Einwohnern zu „Meck-Pomm“ gehörte. Nahrstedt: „Diese Zahlen hat man dann für die nächsten Jahre aufrechterhalten, obwohl alle neuen Bundesländer nach der Wende enorme Rückgänge bei der Bevölkerungszahl hatten.“ Nahrstedt äußert dafür Verständnis und sagt: „Da ist nichts zu holen.“ Wiemann hingegen regte an, noch einmal neue Gespräche auf Landesebene anzustoßen.

Von Dennis Thomas