Aktuell
Home | Lokales | Weihnachts-Rummel am Jojo
Am Lüneburger Johanneum reagierten Schüler und Lehrer Mittwoch mit Schweigen, wenn es um die Berichterstattung der letzten Tage ging. (Foto: t&w)

Weihnachts-Rummel am Jojo

Lüneburg. Von besinnlicher Weihnachtszeit ist am Johanneum am Nachmittag beim Weihnachtsmarkt wenig zu spüren. Nach einer Entscheidung der Schulleitung, im Pflichtunterricht keine christlichen Weihnachtslieder zu singen, hat das Thema am Ende bundesweit Resonanz in Politik und Medien gefunden. Nicht zuletzt, weil die Schule auch auf die Leserbrief-Schelte, die im Leserforum der LZ seit Anfang Dezember geführt wird, nicht reagierte und erst, als auch andere Medien auf den Zug aufsprangen, sich in Stellung brachte. Dabei rechtfertigt der Ausgangspunkt der Berichtserstattung kaum den Rummel.

Eine Handvoll Journalisten wollte von Schulleiter und Schülern jetzt Antworten. Ohne Erfolg.

Schüler schweigen zu dem Thema

Im Foyer des Johanneum verkauften Schüler Waffeln und Kekse, eine friedliche Stimmung. Allerdings auch hier Schweigen, Lehrer verwiesen bei Fragen an die Landesschulbehörde, die allerdings nicht vor Ort vertreten war.

Schüler sagten, sie dürften nichts sagen. Nicht einmal ein Kontakt zu den Schülervertretern, die ja für die Mädchen und Jungen sprechen sollen, wurde hergestellt. Ein im Vorfeld mit der LZ von Schülern vom „Weihnachtskomitee“ vereinbartes Gespräch, sagten diese am Vormittag kurzfristig ab. Auch am Nachmittag waren sie vor Ort nicht für die LZ zu erreichen.
Ein Elftklässler fasste sich schließlich doch ein Herz und sagte, er bedauere, welche Wellen das Thema inzwischen schlage. Zweieinhalb Wochen nach der LZ hatten andere Medien wie NDR, Stern und Bild die Diskussion aufgegriffen. „Der Schulleiter hat im Internet einen Shitstrom abbekommen, das finde ich einfach gemein und unsozial.“ Denn schulintern sei geklärt worden, wann und wie man Weihnachtslieder singe.

Mittlerweile reagierte auch Niedersachsens Wirtschafts-, Arbeits- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) aus Lüneburg auf die Ereignisse am Johanneum.

ca

9 Kommentare

  1. „Eine Handvoll Journalisten wollte Mittwoch von Schulleiter Friedrich Suhr und Schüler jetzt befragen – Suhr verwies sie nach einer Viertelstunde der Schule. Später drohte mutmaßlich eine Lehrerin, sie rufe die Polizei, sollten die Berichterstatter nicht auch den Parkplatz verlassen.“

    Vielleicht sollte das eine praktische Lerneinheit zum Thema Demokratie und Pressefreiheit sein. Vorbereitung auf das spätere Leben mit der Überschrift: Wie halte ich mir die Presse vom Leib. – Scheinbar erfolgreich verlaufen. Aber ein vorbildliches Verhalten für die Gymnasiasten?

  2. Norbert Kasteinecke

    Wenn Schülern der Mund verboten wird, Lehrer keinen Mut mehr haben ehrlich zu sein, ein Direktor sich hinter Ausreden und seiner Übergeordneten Behörde versteckt – dann ist es soweit.

    Wann genau ist jämmerliches Opfergehabe und jegliches Fehlen von Souveränität zum bestimmenden Element im politischen Diskurs geworden?

    Es ist Zeit erwachsen zu werden.

  3. Die schlampige Schreibe im zweiten Absatz ist leider auf inhaltlicher Ebene symptomatisch für die gesamte Betichterstattung. Nach anfangs schlampiger Recherche quer durch die Medienlandschaft ist die Unlust, mit den Medien zu sprechen, nur allzu verständlich. Eine Verpflichtung dazu gibt es übringend auch nicht. Der Ton des Beitrags könnte daher etwas gemäßigter ausfallen.

  4. Als ich 1970 am Johanneum die Reifeprüfung bestand, hieß diese Schule „Altsprachlich-neusprachliches, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium für Jungen“. Wir brauchten keine Mädchen. Die durften ja wenige hunderte Meter entfernt in der Wilhelm-Raabe-Schule gackern. (Eine von denen hat mich Reaktionär dann sogar ein paar Jahre später unverdient geheiratet.) Ein Muslima-Problem wäre damals also gar nicht erst aufgetaucht. Bevor ich nun beginne, mich über die Pressemitteilung auf der Website lustig zu machen, deren Verfasser sich nicht traut, mit Namen zu unterzeichnen, und ich ihn – oder sie – als das bezeichne, was er – oder sie, wir gendern ja gern vor uns hin, weil wir sonst nichts zu tun haben – nicht in der Hose hat, zitiere ich lieber den Literaturnobelpreisträger von 2002 Imre Kertész: „Das tägliche Elend des europäischen Verfalls. Europa bittet den Islam um Gnade, zuckt und windet sich vor Ergebenheit. Dieses Schauspiel widert mich an. Feigheit und moralische Debilität werden Europa zerstören, seine Unfähigkeit, sich zu verteidigen, und der offenkundige moralische Schlamassel, aus dem es seit Auschwitz nicht herausgefunden hat.“ (Imre Kertész, Letzte Einkehr – Tagebuchroman, S. 268). Dr. Friedrich-Wilhelm Pohl

  5. Wilfried Bergmann

    „Lehrer verwiesen bei Fragen an die Landesschulbehörde“, in was für einem Kasperklatschenland leben wir eigentlich? Lehrer dürfen nichts sagen, der NDR wird der Lüge bezichtig! „Schüler sagten, sie dürften nichts sagen.“ Widerlich, einfach widerlich! Die Schüler sind Erwachsene mit einer eigenen Meinung. Ein Maulkorb passt zu Heinrich Manns Untertan, aber nicht ins 21. Jahrhundert. Ich frage mich nur, wie diese Schule geführt wird. Es bleibt nur ein Thema, dass das Zusammenleben, nicht nur in dieser Schule, bestimmt: Der Islam. Und da wundert man sich, dass die Bevölkerung immer mehr Vorbahalte bekommt. Wie es aussieht ist – leider – das Johanneum in Lüneburg eines der wirklcih wenigen Gymnasien, die wegen des Islam solche einen Bohei zur Weihnachtszeit gemacht haben. Wenn wir den Islam tolerieren sollen, dann kann ich auch das gleiche von dieser Religion erwarten. Die Absage war die dümmste aller Entscheidungen. Hut ab vor den Schülern, die den Leserbrief in der LZ geschrieben haben. Gehört das Christentum zu Deutschland? Gehört der Islam zu Deutschland? Diese Frage mag jeder im stillen Kämmerlein für sich beantworten.

  6. Christliche Lieder und Werte gehören meiner Meinung nach zum Johanneum, denn wer sich mal mit der Geschichte auseinander setzt merkt, wer diese Schule gegründet hat. 1406 wurde die Schule von der ST.-Johanniskirche gegründet, eine Christliche Intuition. Also sollte sich niemand beschweren, der auf eine Christliche Schule geht, das dort auch Christliche lieder gesungen werden.
    Wenn das so weiter geht, dürfen demnächst auch keine Kirchenglocken mehr läuten, ohne das sich eine andere Religion daran stört, denn das Glockenklingen gehört auch zur Christlichen Tradition.

  7. Andreas Janowitz

    Aus einem Nullthema diesen riesen Trubel veranstalten?
    Wie weit her es mit dieser heuchlerisch vertretenen „christlichen Tradition“ ist, kann man Sonntags in der Kirche betrachten. Hier bricht sich die Altersdemenz bahn, mehr nicht.

    Fakt ist: die Muslime werden von einer modernen Welt überrollt, zu der sie nichts beigetragen und der sie nichts entgegenzusetzen haben. Nach 200 Jahren selbstgerechter Überheblichkeit kann ein bischen Rücksichtnahme nicht schaden.
    Und nur zur Erinnerung: die Riesen auf deren Schultern wir heute stehen waren in weiten Teilen liberale Humanisten. Gerne mit scheisse beworfen und als „Gutmenschen“ verunglimpft.